Wahre Verbrechen

  • Blanvalet
  • Erschienen: September 2021

- TB, 400 Seiten

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Sabine Bongenberg
85°

Krimi-Couch Rezension vonJan 2022

Nichts ist so schrecklich wie das Leben

Es sind nicht immer die ganz großen schrecklichen Verbrechen, die uns besonders berühren. Manchmal sind es nur wenige Worte, die besonders erschüttern: Der Lkw-Fahrer, der so stolz auf sein Fahrzeug war, der in eine Falle gelockt und nach Stunden des Martyriums ermordet wurde. Die alte Dame, die sich so gefreut hatte, dass sie das Krankenhaus bald verlassen konnte und sterben musste. Die Mutter, die ihre Kinder nicht beschützten konnte. Die Gerichtsreporterin Christine Brand hat die Prozesse der Täterinnen und Täter verfolgt, sie hat ihnen in die Augen gesehen und konnte dennoch nicht verstehen, was sie zu den Taten trieb. Hier stellt sie unglaubliche Fälle aus Deutschland und der Schweiz vor.

Christine Brand stellt in ihrem Buch „Wahre Verbrechen“ sechs wahre Kriminalfälle vor. Einige von ihnen – so die Geschichte des Serienmörders Niels H. der als Pfleger die Schwächsten und Wehrlosesten gnadenlos mordete – sind sicherlich vielen Lesern aus der Bundesrepublik bekannt, weitere der vorgestellten Fälle ereigneten sich dagegen in der Schweiz. Christine Brand schildert nüchtern und ohne Sensationsgier, wie die Täter bei ihren unvorstellbaren Taten vorgingen und stellt die akribischen Ermittlungsarbeiten der Polizei vor.

Sie zeigt aber auch, wie insbesondere im Falle des Pflegers Niels H. viele vieles nicht sehen oder nicht wahrhaben wollten und lieber schwiegen, ehe sie einen beliebten Kollegen einer dringend gebotenen Untersuchung aussetzen wollten. Die Autorin erhebt dabei keine wütende Anklage, stellt sie doch „nur“ die Fakten dar, aber gelegentlich ist es die Untätigkeit derer, die Verdacht schöpfen sollten, die den Leser erschüttert und fassungslos macht.

Brand zeigt neben den Tätern und Opfern auch die beteiligten Richter der Strafprozesse vor, sie beschreibt, wie auch sie von den Verbrechen berührt werden, wie sie darum ringen, das letztendlich Unfassbare verstehen zu wollen und welche besonderen Leistungen sie erbringen, um den Opfern zumindest eine letzte Achtung zu zollen.

Keine einfache Lektüre

Christine Brands Buch ist in das mittlerweile sehr beliebte Feld der „True Crime“ Romane einzuordnen, wobei ich mich manchmal frage, ob deren Leser wirklich immer wissen, was auf sie zukommt. Mich hat „Wahre Verbrechen“ abschnittsweise sehr erschüttert. Es ist keine einfache Lektüre, die hier geboten wird und sicherlich steht niemand nach der Lektüre auf und sagt „Ach, das war ja spannend“, holt sich ein Bier aus dem Kühlschrank und geht zur Tagesordnung über. Natürlich kann das auch die Frage aufwerfen, warum solche Bücher einerseits geschrieben und andererseits gelesen werden. Es ist vielleicht die Aussage, dass der Mensch dem Menschen doch immer wieder ein Wolf ist, vielleicht ist es die Hoffnung, dass letztendlich – und sei es auch nach langem Ringen – doch zuletzt die Gerechtigkeit siegt und hoffentlich ist es die Aufforderung an uns alle, nicht wegzusehen, dem Bösen einmal mutig entgegenzutreten und vielleicht nicht immer den Weg des bequemen Beschwichtigens zu gehen.

Fazit:

Christine Brand schildert mit schlichten und einfachen Worten die Untiefen der menschlichen Seele und die Taten, die sie hervorzubringen vermag. Das Ergebnis ist ein berührendes Werk mit sechs verschiedenen realen Verbrechen, die unermessliches Leid nach sich zogen und zu deren Wertung ich den Begriff „Spannung“ bewusst nicht verwenden möchte.

Wahre Verbrechen

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