Der Blutkünstler

Erschienen: Mai 2021

Bibliographische Angaben

- TB, 368 Seiten

- Bd. 1 [Tom Bachmann]

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Thomas Gisbertz
Harter Thriller um neuen Profiler

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Jun 2021

Als das Team des BKA zur „Galerie van Darten“ nach Düsseldorf gerufen wird, bietet sich ihnen vor Ort ein Bild des Grauens: Eine Frau wurde mit Zimmermannsnägeln auf eine Leinwand genagelt; ein gelbes Kleid und die Zöpfe verleihen ihr etwas Mädchenhaftes, während der Schädel gespalten und die Hirnmasse neben dem Kopf befestigt wurde. Dazu ist der Körper übersät mit unzähligen Wunden. Sofort fordert man Profiler Tom Bachmann, der von allen nur der „Seelenleser“ genannt wird, für diesen speziellen Mord an. Die künstlerische Zurschaustellung des Opfers erinnert die Ermittler an eine Reihe von Morden, die in den letzten Jahren stattgefunden haben. Doch der „Blutkünstler“ scheint in immer kürzeren Abständen zuzuschlagen ...

Besonderer Ermittler

Tom Bachmanns Lebenslauf ist mehr als beeindruckend: Psychologie-Studium mit dem Schwerpunkt Verhaltensforschung an der Universität Stanford und anschließende Tätigkeit für das FBI als Profiler. Seit Bachmann aus den USA zurückgekehrt war, hatte das BKA in regelmäßigen Abständen versucht, Kontakt mit ihm aufzunehmen. Nach privaten Problemen willigt der „Seelenleser“ nun endlich ein und arbeitet fortan für die Abteilung für Serienmörder beim BKA. Das Böse zu bekämpfen ist Bachmanns Lebensinhalt geworden, mit dem er versucht, seine innere Leere zu füllen. Nur so hat er seine dunkle Seite unter Kontrolle - denn keiner weiß etwas von seiner Vergangenheit, die ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist. Allgemein gilt er als überragender Profiler - und diesen braucht das BKA, um den perfiden, zu allem bereiten „Blutkünstler“ zu fassen ...

Unbekannter Autor

"Chris Meyer hat sich von Berufswegen schon oft mit der Frage beschäftigt, warum ein Mensch zum Serienmörder wird" - Sehr viel mehr verrärt der Ullstein Verlag nicht über den Autor der Tom-Bachmann-Reihe. Es ist durchaus möglich, dass Meyer als Neurologe oder Psychiater tätig ist. Dafür spricht auch sein profundes, sehr detailreiches Wissen über Psychopathen und Serientäter. Der Blutkünstler scheint Meyers Thrillerdebüt zu sein. Gleichzeitig ist es der Start der neuen Serie um den ungewöhnlichen Profiler Tom Bachmann und sein Ermittlerteam des BKA Bonn.

Düstere Vergangenheit

Mörder, Psychopathen, Sadisten - Tom Bachmann ist ein Meister darin, Menschen, die das Böse in sich tragen, zu analysieren. Dies liegt auch an seiner Vergangenheit: Seit der frühesten Kindheit musste er sich mit Gewalt und Brutalität auseinandersetzen. Auch wenn sein Vater eine wichtige Rolle spielt, geht es dabei nicht wie so oft um sexualisierte Gewalt. Was sich Autor Chris Meyer überlegt hat, geht weit darüber hinaus und ist mehr als verstörend. Die damaligen Geschehnisse haben Bachmann stark geprägt und reichen weit bis in seine Gegenwart hinein. Es mag vielleicht sogar Zufall sein, dass der begnadete Profiler nun auf der Seite des Rechts steht. Wenn er aber auf der Jagd nach einem Serientäter ist, kann Bachmann seine Triebe auf seine Ermittlungen lenken; dies hilft ihm, sich zu kontrollieren. Auch das Joggen und stundenlange nächtliche Zocken am Computer lassen ihn für kurze Zeit abschalten. Dennoch kreisen seine Gedanken unermüdlich um seinen aktuellen Fall.

Faszination des Ekels

Tom Bachmann bekommt es diesmal mit einem brutalen Killer zu tun, der dem Wort Grausamkeit eine neue Dimension verleiht: dem „Blutkünstler“. Diese Bestie foltert die Opfer nicht nur skrupellos, sondern sie benutzt deren Körper als Leinwand und schafft aus ihnen regelrechte Kunstwerke - ein Farbenspiel aus Fleisch und Blut. All dies verleiht dem selbsternannten „Jahrhundertkünstler“ eine tiefe innere Befriedigung, die aber immer weniger vorhält. Seine Musen (wie er die Opfer nennt) beflügeln ihn in jeder Schaffensphase mehr. Er ist stets auf der Suche nach dem perfekten Meisterwerk. Dabei ist es ihm wichtig, dass die Opfer möglichst viel von seiner Arbeit mitbekommen. Ihre Schreie und ihr Leid sind seine Inspiration.

Schwächerer Erzählstil

Der Roman ist sicherlich nichts für Zartbesaitete: Meyers Darstellung der Tötungen ist grausam und brutal; allerdings stehen diese nicht im Mittelpunkt der Handlung. Vielmehr geht es darum, zu verstehen, was Psychopathen wie den „Blutkünstler“ antreibt und fasziniert. Meyer bietet hierfür immer wieder psychologische Ansätze, die auf der einen Seite sehr interessant sind, auf der anderen aber auch vereinzelt etwas „unrund“ in die Handlung eingebunden werden. Dadurch entsteht mitunter der Eindruck, dass der Autor hier vorwiegend sein Wissen aufzeigen will.

Insgesamt fällt auf, dass die Darstellung innerer Vorgänge (z. B. beim zweiten Opfer Merle) oder auch einzelner Dialoge (u.a. das Kneipengespräch mit dem Journalisten Jo) sprachlich wie inhaltlich mitunter etwas hölzern wirken oder zu klischeehaft erscheinen. Besser gelingt der eigentliche Plot, der sehr wendungsreich und vielschichtig ist. Hier spinnt Meyer eine kurzweilige und sehr spannende Geschichte aus verschiedenen Handlungsfäden, die am Ende zusammengeführt werden. Leider will dies aber nicht so recht gelingen. Zum einen spielt der Zufall eine zu große Rolle, zum anderen wirkt der Schluss des Romans in seiner Art der Darstellung unglaubwürdig bzw. überzogen; dies betrifft vor allem das Verhalten der Protagonisten. Darüber hinaus ist die Auflösung zu einfach. Dies trübt das Lesevergnügen leider etwas.

Fazit

Wer kalte Brutalität, perfide Gewalt und perverse Fantasien mag, der liegt mit dem Debütthriller von Chris Meyer richtig. Darüber hinaus bietet der Roman aber auch ein facettenreiches, vielversprechendes Ermittlerteam und eine durchweg spannende Handlung. Beim Schreibstil gibt es insgesamt noch Luft nach oben. Wer aber gerne Romane von Cody McFadyen, Chris Carter oder Veit Etzold liest, der wird auch beim Blutkünstler nicht enttäuscht werden.

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