Die Frau ohne Namen

Erschienen: April 2021

Bibliographische Angaben

- OT: An Anonymous Girl

- übersetzt von Alice Jakubeit

- TB, 464 Seiten

Couch-Wertung:

85°
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Sabine Bongenberg
Schmerzhafte Spannung

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Apr 2021

Jessica Farris ist chronisch knapp bei Kasse, und so erscheint es ihr schon fast als Geschenk des Himmels, als es ihr gelingt, in eine psychologische Studie hineinzuschlüpfen. Viel Geld – für ein paar Fragen, auch wenn die sicherlich ein bisschen komisch wirken und sich stark mit dem Problemkreis von Schuld und Sühne beschäftigen. Offensichtlich aber haben ihre ehrlichen Antworten bei der Teamleitung gepunktet und die erfolgreiche, attraktive, aber unterkühlt wirkende Dr. Shields engagiert Jessica für eine Erweiterung der Studie. Natürlich nimmt sie dieses Angebot gerne an – zumindest bis zu dem Tag, an dem sie erfährt, dass Dr. Shields schon lange nicht mehr am Institut arbeitet, der Versuchsleiter nichts von einer Verlängerung der Studie weiß und die Psychologin sie mittlerweile besser kennt, als es ihre allerbeste Freundin jemals tat. „Zeit auszusteigen“, denkt sich Jessica - Dr. Shields aber sieht das ganz anders …

Kein Entkommen aus diesem raffinierten Plot

Das Autorinnenduo Greer Hendricks und Sarah Pekkanen präsentiert bei seiner neuesten Zusammenarbeit wieder einen Roman, dessen Spannungsbogen so steil verläuft, dass ich  ihn schon fast als schmerzhaft empfand und ihn mir nur portionsweise einverleiben konnte. Die beiden Hauptpersonen des Buches, die Probandin Jessica (Jess) Farris und die Psychologin Lydia Shields, berichten abwechselnd als Ich-Erzählerin über ihr Leben - und vor allem über ihre Absichten, und so ist der Leser als gut informierter Beobachter bei allen Schachzügen der beiden Frauen unmittelbar beteiligt. Alsbald wird ihm aber dann auch klar, dass eine der beiden allein schon der Sprache nach eigenartig wirkt, schildert sie alles was passiert doch so, als ob die Dinge fast ohne ihre Beteiligung ablaufen würden. Sehr schnell erkennt der Leser, dass hier ein perfekt vorbereiteter Plot verfolgt wird, den eine der Frauen bis ins Detail geplant hat. Natürlich gehört es ebenso zum Spannungsbogen, dass ihr Gegenüber – genauso wie früher schon andere ihr nahestehende Menschen – dagegen erst spät erkennt, dass es quasi kein Entkommen aus dem raffiniert gestalteten und getakteten Netz gibt.

Mit ein paar Unstimmigkeiten in der Handlung handelte sich das Autorenduo dennoch bei mir ein paar Punktabzüge ein: So wundert es mich zumindest, dass in den USA offensichtlich jeder sein Leben absolut öffentlich macht und in den sozialen Medien präsentiert. Mich irritierte auch mehrfach eine große Vertrauensseligkeit, die ich Erwachsenen so nicht zugetraut hätte (und es auch weiterhin nicht zutraue) und schon ein wenig konstruiert auf mich wirkte. Andere - wenn auch sicherlich kleinere - Missklänge  betrafen Unstimmigkeiten bei kleinen, aber dennoch wichtigen Details. Das größte Manko sah ich allerdings in einer Videoüberwachung, deren Fehlen zunächst die Handlung vorantrieb, aber dann, als es opportun wurde, plötzlich aus dem Ärmel gezaubert wurde. Auch der Showdown zum Ende war zwar grundsätzlich befriedigend, dennoch konnte ich die plötzliche Kapitulation nicht so recht glauben.

Fazit:

Greer Hendricks und Sarah Pekannen haben wieder einen packenden Roman abgeliefert, der – auch wenn er meiner Meinung nach ein paar Unstimmigkeiten aufweist – alle Kriterien einen Pageturners erfüllt. Der Leser fühlt sich an einem Nerv gepackt, der langsam und quälend herausgezogen wird; er würde sich diesen ganzen geschilderten Taktiken auch gerne entziehen, aber dann ja nie erfahren, wie es ausgeht. Die Psychologin Dr. Shields würde sagen, das ist „ein Dilemmaspiel“, sich interessiert vorbeugen und das Ganze sezieren, und damit bleibt eines in jedem Fall: Ob man die Frau mag oder nicht, man hat doch in diesem Buch so einiges gelernt.
 

Die Frau ohne Namen

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