Hinterland

Erschienen: März 2021

Bibliographische Angaben

- TB, 416 Seiten

- Bd. 1

Couch-Wertung:

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Jörg Kijanski
Ein perfides Katz-und-Maus-Spiel

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Apr 2021

Im November wurde von einem Hochstand eine Frau erschossen, ein sie begleitender Mann unmittelbar danach ermordet. Mitten in einer Zeugenvernehmung im Januar schläft die ermittelnde Kommissarin Bette Hansen plötzlich ein. Sie kann ihrem Team nicht länger verheimlichen, dass sie unter Narkolepsie leidet, sodass sie aus dem Dienst ausscheiden muss. Seitdem wohnt sie wieder in Ochsenwerder, einem kleinen Ort im Marschlande direkt an der Elbe gelegen. Hier ist sie aufgewachsen, wollte nie wieder zurück, doch jetzt dient das elterliche Haus als Refugium. Der einzige direkte Nachbar ist Mats, ihr alter Freund seit Kindheitstagen, dessen Enkel Fynn wie selbstverständlich in ihrem Garten spielt - und dabei eines Tages im Juni über einem Holzscheit stolpert. Als Bette sich diesen näher ansieht, erhält die ländliche Idylle erste Risse - denn auf dem Scheit ist eine Muschel mit einem Kreuz eingeritzt: ein mittelalterliches Pilgerzeichen, welches auch an dem Hochstand im Vorjahr entdeckt wurde. Sollte der nie entdeckte „Muschelmörder“ ihr dieses Zeichen in den Garten gelegt haben? Doch zu welchem Zweck; sie ist ja längst aus dem Fall raus? Ihr Nachfolger vermutet, sie habe sich die Sache selber ausgedacht, um weiter mitwirken zu dürfen. Während weitere verstörende Ereignisse eintreten, bekommt Bette plötzlich Hilfe von unerwarteter Seite ...

Neue Krimiserie aus Hamburg

Hinterland ist der Auftakt zu einer neuen Krimiserie, deren Mittelpunkt in dem beschaulichen Ochsenwerder liegt und deren Protagonistin höchst ungewöhnlich ist: Bette leidet an Narkolepsie, schläft mitunter zu den ungünstigsten Zeiten ein, und zudem an Kataplexie, was plötzliche Ausfälle der Muskelkraft zur Folge hat; will heißen, ihr fallen des Öfteren Gegenstände aus der Hand. Nach dem ersten Warnhinweis in Form des Holzscheits entwickelt sich ein klassisches Katz-und-Maus-Spiel zwischen Bette und der gesuchten Serienmörderin Hannah. Was dem kundigen Krimifan von Seite 1 an klar ist, wird spätestens nach rund 100 Seiten offenkundig. Die Kapitel sind abwechselnd mit Bette und Hannah überschrieben, wobei der ehemaligen Kommissarin verständlicherweise mehr Platz eingeräumt wird.

„Wie soll uns das weiterbringen?“

„Du musst den Mailkontakt besser nutzen. Provozier ihn. Lock ihn aus der Reserve.“

„Und dann? Dann flippt er aus, und ich habe morgen ein Messer im Rücken.“

„Er will dich sowieso umbringen.“

„Na danke. Das ermutigt mich ungemein.“

Nach und nach schleicht sich Hannah in das Leben der Kommissarin, der sie übelnimmt, dass sie einfach so aus den Ermittlungen ausgestiegen ist; das findet sie respektlos und treibt Bette zunehmend in Panik. Hinzu kommen weitere genreübliche Ingredienzien, wie beispielsweise ein ebenso eitler wie unfähiger Nachfolger auf Bettes altem Posten. Bette erhält plötzlich eine selbstlöschende Mail, eine erste direkte Kontaktaufnahme des „Muschelmörders“ - wobei sich der Leser womöglich fragt, woher Hannah über derartige Kenntnisse verfügt? Hannah ist 25 Jahre alt, ohne ihre Eltern aufgewachsen und lebt mit ihrem drogenabhängigen Bruder in einer kleinen Wohnung. Sie arbeitet in einem Call-Center für einen Niedriglohn, der nicht einmal die Miet- und Lebenskosten deckt, was ihr Vermieter auf seine Weise auszunutzen versteht. Kurzum, sie fühlt sich minderwertig und will es der Welt zeigen. Kleinste Anlässe sorgen für Mordgefühle, wobei sie erstaunlich kontrolliert zu Werke geht.

Wie sich Hannah zunehmend in Bettes Leben einschleicht und diese dabei in die Irre führt, ist durchaus gelungen dargestellt, nur leidet das gesamte Szenario natürlich darunter, dass im Gegensatz zu Bette die Leserinnen und Leser eben von Beginn an Bescheid wissen und somit nicht ganz so überrascht sind. Letztlich speist sich die Spannung des Plots allein aus der Frage, was bis zum unvermeidlichen Finale noch alles geschehen wird: Gibt es weitere Tote, und wen wird es treffen? Bette selbst kann es ja nicht sein, denn Hinterland ist bekanntlich der Serienauftakt.

Fazit

Wer sich nicht davon abschrecken lässt, dass die Identität des Mörders - hier sogar der Sonderfall einer Serienmörderin - von Beginn an feststeht, darf zugreifen. Einige Kniffe sorgen durchaus für ordentlich Spannung und das Finale wartet mit einer Überraschung auf. Fans der Autorin seien jedoch „gewarnt“: Der neue Roman kommt (für Nora Luttmer ein Novum) gänzlich ohne Vietnambezug aus und verweist lediglich in einer kurzen Sequenz auf die leckere Küche des Landes am Südchinesischen Meer.

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