Fuchsjagd

Erschienen: Januar 2003

Bibliographische Angaben

  • London: Macmillan, 2002, Titel: 'Fox Evil', Seiten: 414, Originalsprache
  • Köln: Random House Audio, 2003, Seiten: 6, Übersetzt: Gunter Schoß
  • Augsburg: Weltbild, 2004, Seiten: 476
  • München: Goldmann, 2005, Seiten: 476
  • Köln: Random House Audio, 2007, Seiten: 6, Übersetzt: Gunter Schoß

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Wolfgang Weninger
Hundert Seiten Happy End à la Rosamunde

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Jun 2003

Was macht man in den besseren, britischen Kreisen, wenn das nymphomane Töchterchen sich horizontal durch die männlichen Betten von Shenstead treibt und sich ein unerwünschtes Resultat einstellt, das nur zu Gerede in dem malerischen Küstenort in Dorset führen würde? Der Bankert muss natürlich sofort weg! Da bleibt nur die Freigabe zur Adoption.

Achtundzwanzig Jahre später ist aus der ungeliebten Leibesfrucht eine erfolgreiche junge Dame geworden, die ihren Weg bei den Royal Engineers der Army macht und auf Heimaturlaub nach ihrem Einsatz im Kosovo ist.

Der alte Colonel James Lockyer-Fox sitzt derweilen allein auf seinem Landsitz Shenstead Manor und trauert um seine liebe Frau Ailsa, die unter mysteriösen Umständen im Nachthemd auf der Terrasse erfroren war. Der einzige Sohn, der sich als Tunichtgut durch britische Casinos spielt, hat die Verbindung zum Herrn Papa abgebrochen, nachdem der väterliche Geldsegen eingestellt wurde und die Tochter säuft in der Stadt ihrem Lebenswandel hinterher. Nur der Anwalt und Freund des Hauses Mark Ankerton hält noch zu dem einsamen Vater, der Nacht für Nacht mit Anrufen drangsaliert wird, die ihm den Mord an seiner Frau vorwerfen. Obwohl das Blut neben der Leiche Ailsas tierischer Natur war, scheint in gewissen, wohlinformierten Kreisen die Meinung zu bestehen, der Colonel wäre der Mörder seiner geliebten Frau gewesen.

Mark Ankerton kontaktiert im Namen des Colonels sein verstoßenes Enkelkind Nancy Smith, um sie zu einem Besuch des alten Mannes zu bewegen. Erst will sie ja von dem Alten nichts wissen, hat sie doch eine neue Familie gefunden, bei der es genug zu erben gibt. Aber die Neugier siegt und sie taucht genau zu der Zeit in Shenstead Manor auf, als Mark von den unwürdigen Telefonaten erfährt und sich allerlei Ungemach in der Umgebung breit macht.

Landbesetzer haben sich im Wäldchen niedergelassen. Unter der Führung des bösartigen Fox Evil, der mit Vorliebe Füchsen die Schädel einschlägt und Frauen und Kinder mit dem Rasiermesser bedroht, haben sich mehrere fahrende Familien zusammengefunden, um nach britischen Recht ihren Wohnsitz durch Ersitzung unbeanspruchten Landes geltend zu machen. Gleichzeitig tummeln sich in und um Dorset Befürworter und Gegner der Fuchsjagd, die auch die Polizei auf Trab halten.

Mark und Nancy sind von den Zuständen gar nicht angetan. Als Militärexpertin gibt es für Nancy nur einen Grundsatz: Angriff ist die beste Verteidigung. Und gemeinsam beginnen der Colonel, Mark und Nancy ihren Aufklärungsfeldzug. Wer steckt hinter den sadistischen Telefonanrufen? Wie kam Ailsa tatsächlich zu Tode? Und was haben die missratenen Kinder und Fox Evil mit seinen New-Age-Leuten mit der ganzen Sache zu tun?

Antwort auf diese Fragen erhält man in Minette Walters zehntem Krimi "Fuchsjagd". Die mit allen wichtigen Preisen ausgezeichnete britische Schriftstellerin zwingt hier in Pilchersche Landsitzstimmung zuweilen beklemmende Dramaturgie. Während sich anfangs der Plot in verschiedene Richtungen bewegt und gelegentlich reichlich zusammenhanglos plätschert, fängt nach einem guten Drittel der 476 Seiten die Spannung rasant zu steigen an. Sobald man mit den Personen und ihren Hintergründen einigermaßen vertraut wird, scheint jede und jeder verdächtig zu sein, der irgendwo in diesem Landstrich die Klappe aufreißt.

"Fuchsjagd" liest sich ziemlich flott. Die Übersetzung von Mechtild Sandberg-Ciletti überrascht nicht mit literarischem Esprit, ist aber eine handwerklich ausgezeichnete Romanhandlung, die nicht durch übertriebene Psychogrammbeschreibungen vom eigentlichen Ablauf ablenkt. Auch wenn notgedrungen immer wieder in die Vergangenheit abgeschweift werden muss, verliert man dennoch niemals den Faden, der trotz mehrerer irreführender Spuren gezielt zum Ende kommt. Dabei bleiben jedoch in einigen Momenten Fragen offen, denn Frau Walters scheint gelegentlich der Ansicht zu sein, dass der Leser Tatsachen, die sie nebenbei erzählt, unbegründet zur Kenntnis nimmt. Selbst durch Rückblättern, ob man nicht ein Detail überlesen habe, verfügen plötzlich Personen über Kenntnisse, die zwar richtungsweisend sind, aber unlogisch. Besonders die Beamten der Exekutive weisen plötzlich einen Wissenstand auf, bei dem nicht klar ist, ob hier Ergebnisse von Ermittlungsarbeit oder schlichtweg nur Vermutungen vorliegen.

Über solche minimalen Unklarheiten hinwegsehend, bleibt für mich die "Fuchsjagd" dennoch ein spannendes Elaborat, das ich nach dem ersten Drittel in einem Zug lesen musste. Natürlich nehme ich das Ende nicht vorweg, aber nach der plötzlichen und überraschenden Klärung der Situation hätte ich dann doch gerne noch mindestens hundert Seiten Happy End á la Rosamunde gelesen. Irgendwie giftet es, dass der Roman dann schon aus ist, aber vielleicht plant ja Frau Walters noch einen zweiten Teil mit den sympathischen Protagonisten? Darauf darf man genau so gespannt sein, wie auf die "Fuchsjagd" aus dem Goldmann-Verlag.

Fuchsjagd

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Letzte Kommentare:
03.06.2016 10:02:27
Eduard

Sehr enttäuschend und bisher das ödeste Buch von Walters, das ich gelesen habe. Am Ende war es fast nur noch unerträglich und peinlich.
Alle Charaktere waren von einer Oberflächlichkeit, dass es einem immer völlig egal war, was mit ihnen passiert. Die gesamte Geschichte war auch derartig absurd und an den Haaren herbeigezogen, dass ich innerlich immer wieder den Kopf schüttelte. Das Buch besitzt nicht einen Hauch von Realität und wirkt eher wie eine Parodie auf Thriller.

13.08.2013 19:27:26
uknig

Natürlich sind manche Charaktere ziemlich einfach gezeichnet, ist der Schluss ein wenig abrupt und ein wenig enttäuschend, dennoch ist die Fuchsjagd von Minette Walters eine passende Sommerlektüre. Der ideale Partner für Park oder Garten.
Nie kommt Langeweile auf, weil Walters eine fesselnde Schreiberin ist. Zudem ist die Geschichte handwerklich sehr gut gemacht, trotz der vielen Personen verliert man eigentlich nie die Übersicht. Da verzeiht man auch kleinere Ungereimtheiten.

30.05.2011 23:45:08
Otto Thoenißen

Gut und Böse werden von der ersten Zeile offengelegt - wo bleibt denn da die Spannung?

Die Autorin kann die Handlung, die eigentlich beständig auf der Stelle tritt, nur mühsam - Irrsinnige am Werk etc. - zu einem notdürftigen Ende führen.

Ich habe nicht alle, aber sicher noch kein schwächeres Buch von Walters gelesen.

06.02.2009 11:12:50
Lesemaus

Ich liebe dieses Buch! Nach "Im Eishaus" ist "Fuchsjagd" das beste von Minette Walters. Zwar an einigen Stellen sehr undurchsichtig, aber sehr spannend und interessant geschrieben. Immer wieder fragte ich mich, wer ist dieser Mann der Wolfies Vater sein soll.
Das Ende war nicht wirklich überraschend, abr dennoch genial.
Dieses Buch kann ich jedem empfehlen, der schon das erste Buch von Minette Walters verschlungen hat.

100°

07.11.2007 17:27:15
SukRam

Mein erstes Buch von Minette Walter, das sich doch recht flüssig gelesen hat. Die klatschsüchtigen Nachbarinnen erinnern den Leser vielleicht irgendwie an eigene Bekannte, während das Ende dann doch noch einmal umgewirbelt wird. Vielleicht mag es sein, dass zum Schluss wirklich alle Fragen gelöst sind, doch der Leser bleibt dennoch mit einem großen Fragezeichen zurück: Wie geht es weiter? Ist der Mörder wirklich einfach nur krank?
Meiner Meinung nach, hätte Mrs. Walters noch mehr aus dem Stoff machen können...

Meine Wertung: 74°

16.10.2007 10:04:17
Filiz

Ich finde es ätzend, dass in dem Buch Gänseleberpastete serviert wird. Ich dachte, jeder heute weiß wie schrecklich das Stopfen von Gänsen ist. Den Tieren wird dazu ein Metallrohr in den Hals gerammt und das mehrmals täglich. Wegen der krankhaft schweren Leber können sie kaum mehr laufen.

08.09.2006 22:14:45
Nobi

War mein erstes u. letztes Buch v. Minette Walters, weiss nicht wer dieses Buch interessant u. spannend findet,
ich fand es nur langweilig u.langatmig einfach nur schlecht!!!!
Habe es geschenkt bekommen, ansonsten hätte mich jeder cent geräut.

05.07.2006 12:13:43
Bianca

Ach ja, Anne Catrell....jetzt weiß ich endlich woher ich den Namen kannte. Danke Uschi. Für mich nicht das Spannenste, aber wieder ein unglaubliches Ende.

20.01.2006 11:28:00
Helga

Eine sehr verzwickte und undurchsichtige Familiengeschichte, die streckenweise recht spannend ist, aber trotzdem auch ihre Längen hat. Ein Fall, der bereits als normaler Todesfall abschlossen wurde, wird wieder ans Licht gezerrt und als Mord mühsam aufgeklärt. Ein Ereignis, in dem fast der ganze Ort involviert ist.

Es spielen sehr viele Geschehnisse aus dem Umfeld mit hinein, also alles sehr breit angelegt, mit vielen Intrigen und Verleumdungen bestückt. Sowie einige einzelne Geschichten, die alle miteinander verflochten sind und am Ende entwirrt werden müssen.

Kein reisserisches Buch, aber auch kein schlechtes. Alles in allem hat es mir recht gut gefallen.

31.12.2005 15:54:12
Uschi

Mir ist aufgefallen das im Buch *Fuchsjagd* auf der seite 43 Anne Cattrell als autorin eines Textes genannt wird! Als ich den namen gelesen habe kam er mir doh irgendwie bekannt vor.. und es ist auch tatsächlich so!!!! Und zwar im Buch *Im Eishaus* auch von Minette kommt diese person auch vor und sie ist dort eine Artikel schreiberin für diverse Zeitungen!!!!! Ob das wohl zufall ist.............?

21.12.2005 22:21:40
bettina

ich bin durch zufall auf minett walters gestoßen (mein herz gehört dick franis, oder den krimis vom niederrhein............ )seit langem das erste buch was ich mit viel lesevergnügen verschlungen habe.........die nächste Minette Walters ist schon gekauft

19.10.2005 14:24:56
Marion

"In Flammen" hat mir nicht so gut gefallen - das buch "Der nachbar" hab ich noch nicht gelesen - beides bücher, die nicht so gut angekommen zu sein scheinen. wie gesagt "in flammen" - da war ich auch etwas enttäuscht, aber "fuchsjagd" hat mir wieder sehr gut gefallen. es gibt sicher ein paar ungereimtheiten, dafür überrascht das ende, welches für mich absolut nicht vorhersehbar ist. es wurde hier bedauert, dass die sich anbahnende liebesgeschichte im nichts versiegt - ich denke, diese liebesgeschichte kann man auch gerne der fantasie des lesers überlassen. ich fand das buch auf jeden fall bis zum schluss spannend - allerdings habe ich mir eines angewöhnt: ich lese fr walters bücher seit "schlangenlinien" im original.

14.07.2005 12:13:15
Kirsten

Ich glaube, ich bin zu dumm, um die schlechten Kritiken nachzuvollziehen. Mir gefällt das Buch sehr gut. Noch muss ich 90 Seiten lesen, jedoch kann ich nicht verstehen, dass einigen Lesern die ersten 250 Seiten langweilig erschienen. Vielleicht ist es auch meine Dummheit, die dazu führt, dass ich das Buch wirklich spannend und die Personen faszinierend finde. So bin ich also ein naiver, glücklicher Mensch, der sich nicht langweilt und die gesamte Geschichte mit Spannung verfolgen kann. Danke Minette Walters.

04.07.2005 20:16:30
Dodo

ich habe das buch durchgelesen und find den schluss voll scheiße aber so im großen und ganzen ist es eigentlich gut. ich würde es gut finden, wenn es eine fortsetzung von dem buch gibt, in der gezeigt wird, wie es den einzelnen personen jetz geht (natürlich mit SEHR viel spannung verbunden), weil irgendwie war der schluss nicht so prickelnd. also falls minette walters (auch wenn es unwahrscheinlich ist) diesen artikel liest, bitte ich sie darum eine fortsetzung zu schreiben!?

13.06.2005 10:21:48
jenny

ich lese dieses buch gerade und bis jetzt (Seite 320; habe es also fast durch) gefällt es mir sehr gut.
Was ich besonders mag ist der artikel von anne catrell wie auch schon in der nachbar.
ich finde super das sie diese frau als reporterin wieder auftauchen lässt. naja, ich werde es jetzt mal zu ende lesen. denke aber das es besser ist als der nachbar, als wellenbrecher oder das eishaus aber bestimmt nicht.

02.03.2005 17:26:57
Zabrena

Ich empfand "Fuchsjagd" nach "In Flammen" und "Der Nachbar" wieder mal als echte Walters und finde es schade, dass es so wenig Anklang findet. Schade, denn es ist "mein" England wie es leibt und lebt!

14.09.2004 15:37:17
Maria Kaptan

Ich habe alle Bücher von Minette Walters gelesen. Wie kann jemand, der "Im Eishaus" oder "Die Bildhauerin" geschrieben hat, so ein Buch schreiben. Das Buch ist einfach nur langweilig, um nicht zu sagen grottenschlecht. Enttäuschend !
Die ersten Bücher waren die besten.

03.05.2004 11:03:46
Angel

Ich liebe diese Autorin mit jedem Buch mehr, hab schon Disordered Minds (2003 erschienen) gelesen, ich finde es ist ein packendes Buch, wenn auch am Anfang etwas schleppend...

04.02.2004 13:31:30
pet

Nach einigen sehr schwachen Romanen zeigt Minette Walters hier endlich wieder einmal, daß sie auch besser schreiben kann. Gut, daß sie ihr beliebtes Stilmittel, die eingestreuten Zeitungsberichte oder andere Zwischentexte, diesmal nur sehr dosiert einsetzt. Die relativ unspektaakuläre Auflösung ist überraschend und besser als ein konstruierter Schluß, den man eher erwartet hätte.

18.12.2003 03:04:31
manuela

ich habe inzwischen alle bücher von minette walters gelesen. vom erstlingswerk begeistert und den beiden nachfolgern noch überzeugt, waren die danach erschienen bücher allerdings nur noch mittelmaß; -in flammen, sogar grottenschlecht!-
in den letzten bänden kommt das, was die autorin eigentlich auszeichnet, der gute plot; ausdruckstarke sprache, ausgefeilte charaktere, offenes oder überraschendes ende....kaum noch vor. ihr stil ist berechenbar und langweilig geworden. irgendwie wirken die letzten werke hingeschludert oder unter zeitdruck (buchverträge?) lieblos geschrieben. schade!!!!!

16.11.2003 18:11:00
rindlisbacher karin

ups habe mich die ganze zeit gefragt: wann kommt sie nun endlich auf den punkt? zeitweise hatte ich das gefühl einen rosmarie pilchner roman zu lesen mit etwas aber nur etwas krimispannung! es war entäuschend!

19.09.2003 14:42:28
I. L.

Mich hat \'Fuchsjagd\' enttäuscht. Die Geschichte beginnt flott und verzettelt sich dann.
Was wird aus dem Loveplot? Der verebbt. Was geschieht mit \'Wolfie\', einer interessanten und fesselnden Figur? Sie verschwindet mal so nebenbei in einer Pflegefamilie.
Und geradezu hahnebüchen und absolsut nicht überzeugend finde ich die Auflösung der Geschichte.
Und bitteschön: Letztlich treibt ein Massenmörder sein Unwesen. Das hätte ich doch gerne gelesen und nicht mal so nebenbei erwähnt bekommen, auf den letzten Seiten des Buches.
Die Figuren sind teilweise widersprüchlich: Der um seinen alten und gebrechlichen Mandanten besorgte junge Anwalt, der jegliche Unannehmlichkeit und jeglichen Ärger von dem alten Mann fern halten will, erklärt plötzlich - in dessen Beisein - einem Polizisten, dass die Tochter seines Mandanten im Sterben liegt und deshalb als Täterin nicht in Frage kommt. Der Alte hat allerdings keine Ahnung, wie es um seine Tochter steht. Niemals würde der Anwalt das tun!
Die mutige Heldin, immerhin bei der britischen Armee im Sold und im Kosovoeinsatz gestählt, fürchtet sich plötzlich unsagbar vor dem Mann, der im Dunklen auf sie lauert. Niemals!
Ich glaube, dass Minette Walters dieses Buch mit \'heißer Nadel gestrickt\' und dabei den Faden verloren hat. Schade.