Das Schöne, Wahre und Böse

Erschienen: April 2021

Bibliographische Angaben

- TB, 368 Seiten

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Sabine Bongenberg
Nicht so ganz das Wahre

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Apr 2021

Constanze und Freia lernen sich auf einer Kunstausstellung kennen, und wie das manchmal so ist, sind sie schnell voneinander begeistert. Constanze, die als Fotoreporterin bei einer großen Wochenzeitschrift arbeitet, bietet ihrer neuen Freundin auch einen kleinen Job an - sie kann ihr als Assistentin bei einem wichtigen Auftrag helfen: Auf dem Dach des Reichstags fotografiert sie im Auftrag ihres Magazins den charismatischen Innenminister August Wilhelm Brög. Aber so wie der Flügelschlag eines Schmetterlings die ganze Erde erschüttern kann, zieht dieser kleine Termin gewaltige Nachbeben mit sich: Constanze und Freia sehen sich plötzlich in einem Spiel gefangen, dessen Regeln mehr als gefährlich sind ...

Der Autor Jakob Bodan beginnt seinen zweiten Roman Das Schöne, Wahre und Böse mit einem – unglücklicherweise – vertrauten Szenario: In einer Badewanne wird der aufstrebende Kanzlerkandidat Felix Hellbrück gefunden - und sein Foto geht schnell um die Welt, ist doch die Fotoreporterin Constanze als Erste am Tatort und drückt aus verschiedenen Gründen auf den Auslöser. Alsbald entspinnt sich eine aus verschiedenen Ebenen bestehende Geschichte um die Suche nach seinem Mörder, die Freundschaft der beiden Frauen, eine Affäre mit einem hochrangigen Politiker, eine Suche nach viel Geld, das Streben nach Macht und Einfluss und ein Hick-Hack um kostbare Musikinstrumente.

Generell fand ich diverse Aspekte des Buches überkonstruiert oder manchmal gar nicht mehr in die Zeit passend. Möglicherweise bin ich aber auch bei einigen Sachen zu naiv und glaube einfach nicht, dass man heutzutage als sicherlich talentierte Fotografin immer noch gezwungen ist, Avancen eines Chefredakteurs zuzulassen bzw. zu ermuntern, damit der Job gesichert ist. Ob das tatsächlich dazu führen würde, dass die Frau, die sich auf so etwas einlässt, auch keine Probleme damit hat, ihr Verhältnis noch vor dem ersten Beischlaf ihrem Kind vorzustellen, bezweifle ich zwar; andererseits gibt mir das hier direkt die Überleitung, um auf die fast unerträglichen Mutter-Kind-Unterhaltungen einzugehen: Bei denen fragte ich mich regelmäßig, ob eine Mutter mit einem immerhin schon schulpflichtigen Kind tatsächlich noch in diesem Kleinkind-Sprech kommuniziert, ihm andererseits aber auch flugs von dem in der Wanne aufgefunden Toten berichtet. Auch andere Konstruktionen warfen große Fragezeichen auf: So zum Beispiel die, ob tatsächlich eine Staatstrauer verhängt würde, weil ein Politiker im Ausland aus unklaren Gründen verstarb, oder ob es tatsächlich im Gegenzug keinen groß interessiert, wenn eine Journalistin bei einem Anschlag auf eine Redaktion entführt und nie wieder gesehen wird. Andererseits – laut Bodans Schilderung hielt sich ja auch die Trauer ihrer Kollegen in eng bemessenen Grenzen.

“Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort – ich wiederhole mein Ehrenwort.“

Bodan spielt in seinem Roman recht geschickt mit Bildern, die viele von uns noch im Kopf haben; der Tod des Uwe Barschel in der Badewanne eines Genfer Hotels dürfte hier am stärksten herausstechen. Ähnlich dürfte es sich mit dem Ehrenwort verhalten, dass dieser Politiker seinerzeit an das deutsche Volk richtete und in einer umgekehrten Logik damit dann auch beweisen konnte, dass der Sprechende offensichtlich doch kein Ehrenmann war. Diese Bilder und die Geschehnisse führten dazu, dass Personen des Buches vertraut wirken, irritieren, sich die Eindrücke wiederum auch schnell zerschlugen. Regelmäßig hatte ich das Gefühl, dass hier eine Zeit in die Moderne versetzt wurde, die mittlerweile doch schon länger vergangen ist, wenn auch einige der Beteiligten es offensichtlich noch nicht bemerkt haben. Nicht anders lässt sich nämlich die Zahl der diversen Übergriffe erklären, wo sich ständig ein feuchtes Händchen auf ein fremdes Knie legt, der Arbeitsstress aus angespannten Schultern massiert werden soll oder die Begrüßungsküsschen über Gebühr ausgedehnt werden. Frauen dagegen ist es nicht zu peinlich, regelrecht um Zärtlichkeiten zu betteln oder ihrerseits das Objekt der Begierde zu bedrängen. Szenen - die ein gewaltiges Potential für einen außerordentlichen Fremdschäm-Moment in sich tragen.

Fazit

Jakob Bodan hat einen – wie er auf der letzten Seite noch einmal betont – fiktiven politischen Krimi entworfen, dessen Akteure an das gesellschaftliche Klima vor zwanzig Jahren erinnern, aber nicht so recht in die jetzige Zeit passen wollen. Immerhin: Ein recht ordentlicher Showdown mit untauglichen Mordversuchen wird geboten, wenn ich mich auch hier manchmal frage, warum der potentielle Täter nicht einfach ein Schießgewehr nimmt und abdrückt, anstelle irgendwelche James-Bond-Konstruktionen zu wählen, von denen wir ja aus den besagten Filmen wissen, dass die Fehlerquote oft erschreckend hoch ist.

 

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