Der Kryptologe

Erschienen: April 2021

Bibliographische Angaben

- TB, 380 Seiten

- Bd. 1 [Arne Stern]

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Thomas Gisbertz
Gelungener Auftakt der Arne-Stiller-Reihe

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Apr 2021

Nach seiner Suspendierung ist Kriminaloberkommissar Arne Stiller von der Dresdner Mordkommission gerade den ersten Tag wieder im Dienst, als er es mit einem mysteriösen Mordfall zu tun bekommt: Annalena Winzer, Frau eines bekannten Sensationsreporters, wird erdrosselt in der Kanalisation unter der Semperoper gefunden. Rätselhaft ist die Art der Zurschaustellung: Das Opfer trägt ein Galakleid, und in ihre Hände und Füße wurden Zahlenkombinationen geschnitten. Von ihrer achtjährigen Tochter Liliana fehlt darüber hinaus jede Spur. Steht das Verbrechen mit der Skandalinszenierung Der feurige Engel an der Semperoper in Zusammenhang oder handelt es sich um das kranke Schauspiel eines Psychopathen? Die Zeit drängt - Kryptologe Stiller muss die Botschaft des Zahlenmörders entschlüsseln und das vermisste Kind finden, bevor es zu spät ist.

Kryptologe gefragt

Eine Botschaft des Täters als Kryptogramm: Arne Stiller, ein Fachmann auf diesem Gebiet, erkennt schnell, dass er es hier mit dem Beghilos-Alphabet zu tun hat. Zwar kann er den Code bald lösen, dennoch bleibt unklar, wie er die Nachricht des Täters zu deuten hat. Eine erste Spur führt zu Christian Huss, dem ehemaligen Dirigenten der Semperoper, der auf den Tag genau vor elf Jahren seine Tochter verloren und vor einiger Zeit aufgrund von Plagiatsvorwürfen seinen Beruf aufgegeben hat. Oder ist der Mord an Annalena Wagner ein Racheakt dafür, dass ihr Mann bei seinen Reportagen so manche Karriere beendet hat? Dann taucht plötzlich eine geistig verwirrte Frau bei Stiller auf, die behauptet, Liliana sei ihr Kind. Der Kryptologe hat alle Hände voll zu tun, denn der Täter spielt ein perfides Spiel ...

Neue Krimireihe

Polizist und Bestsellerautor in einer Person: Unter dem Pseudonym Elias Haller veröffentlicht ein Hauptkommissar aus Chemnitz seit Jahren erfolgreich Romane. Bevor Haller sich mit Thrillern beschäftigte, schrieb er unter dem Pseudonym Nicholas Vega auch mehrere Fantasy-Romane für Jugendliche. Elias Haller ist einer der bekanntesten und beliebtesten Autoren von Edition M: Beim hausinternen Amazon-Verlag wurden seit seinem Thrillerdebüt 2015 mittlerweile vier Reihen (u.a. mit dem Chemnitzer Kommissar Eric Donner und der Leipziger Ermittlerin Klara Frost) sowie zwei Einzelbände des Autors veröffentlicht. Zuletzt erschienen zwei Bände seiner „Ostsee-Thriller“ um das Ermittlerteam Hardy Finkel und Greta Silber. Der Kryptologe ist der vielversprechende Auftakt einer neuen Reihe um den Dresdner Mordermittler Arne Stiller und seine Kollegin Inge Allhammer. Wie schon in seinen anderen Reihen erkennt man auch diesmal den typischen „Haller-Stil“. Für August 2021 ist bereits der zweite Stiller-Fall, Die Chiffre, angekündigt.

Typischer Schreibstil

Romane des Wahl-Chemnitzers Haller erkennt man sehr schnell an ihrer Ausdrucksweise, einer Mischung aus polizeilichem Background-Wissen, einer guten Recherchearbeit und der ein oder anderen skurrilen Figur; auch in seiner vierten Reihe bleibt sich der Autor damit treu. Der Handlungsort liegt mit der wunderschönen Stadt Dresden erneut in Ostdeutschland, da sich Elias Haller aufgrund seiner Biografie hier - wie er selber sagt - am besten auskennt und regionale Besonderheiten und Gegebenheiten gerne in seine Romane einfließen lässt. Zu Beginn seiner neuen Reihe steht dabei die Semperoper im Mittelpunkt der Geschichte. Leider gelingt es dem Autor aber noch nicht ganz, das besondere Flair der Stadt an der Elbe einzufangen. 

Der Thriller ist hinsichtlich seiner Erzählweise und der Sprache zwar eher mittelmäßig (insbesondere der personale Erzähler aus der Sicht der entführten Liliana ist nicht kindgemäß), dafür ist die Handlung flüssig, abwechslungsreich und spannend erzählt.

Besonderer Ermittler

Mit seiner neuen Hauptfigur Arne Stiller betritt Haller diesmal Neuland: Sein Protagonist ist kein gewöhnlicher Ermittler, sondern Spezialist auf dem Gebiet der Kryptologie, d.h. er beschäftigt sich mit der Entschlüsselung von Informationen. Dieser Wissenschaftszweig stellt neben der operativen Fallanalyse, der forensischen Psychologie oder der forensischen Phonetik (vgl. „Auris“-Reihe von Kliesch/Fitzek) sicherlich einen der interessantesten Bereiche der Kriminaltechnik dar. Die Darstellung des kontroversen Ermittlers ist gelungen und der Bereich der Kryptologie verspricht auch Spannung, aber dennoch schwächelt der Roman gerade hier noch etwas. Jeder, der sich im Mathematikunterricht zu Schulzeiten mit seinem Sieben-Segment-Taschenrechner die Zeit vertrieben hat, beherrscht das Beghilos-Alphabet perfekt und hätte zumindest die reinen Zahlenrätsel ebenfalls wie der Ermittler schnell gelöst - wenn man nämlich eine bestimmte Ziffernfolge in den Taschenrechner eingibt und diesen dann auf den Kopf dreht, kann man eine Buchstabenkombination ablesen. Sicherlich ist das berufliche Aufgabenfeld Stillers weitaus anspruchsvoller, da er den Code auch richtig deuten muss; dennoch würde man sich für die nächsten Bände etwas mehr Komplexität bei den Codes wünschen.

Starkes Ermittlerduo

Gespannt sein darf man, wie sich das Duo Stiller / Allhammer weiterentwickelt. Besonders die Figur der Kriminalhauptmeisterin, deren Verweildauer bei den einzelnen Abteilungen der Dresdner Polizei stets sehr gering war und die bereits drei Therapien wegen Alkoholsucht hinter sich hat, kann mit ihrer direkten Art überzeugen. Sie weiß genau, dass die gemeinsame Arbeit mit Stiller vielleicht ihre letzte Chance im Polizeidienst darstellt. Akribisch leistet sie die Hintergrundarbeit für den Kryptologen. Auch dessen Vergangenheit ist nicht unbelastet: Über ein Jahr war er wegen eines tätlichen Übergriffs auf den Innenminister suspendiert und wurde zusätzlich zum Kriminaloberkommissar degradiert. Ebenso wie Allhammer muss sich Stiller - von den Kollegen skeptisch beäugt - neu beweisen. Beide ergänzen sich bestens und wissen zunehmend zu schätzen, was sie am anderen haben.

Fazit

Der Kryptologe ist trotz kleinerer Schwächen ein gelungener Auftakt der Arne-Stiller-Reihe. Der Thriller weiß mit einer spannenden Handlung, einem starken Ermittlerteam und der nötigen Prise Humor zu überzeugen. Insgesamt ein kurzweiliges, unterhaltsames Lesevergnügen. Für die nächsten Fälle bleibt aber noch zu hoffen, dass Stiller sein Können als Kryptologe stärker unter Beweis stellt - schließlich ist dies das Besondere der Reihe.

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