Osterläuten

Erschienen: März 2021

Bibliographische Angaben

- TB, 251 Seiten

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Sabine Bongenberg
Gelangweilte, arbeitslose Akademikerin vertreibt sich die Zeit mit Mörderjagd

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Apr 2021

Als Mia in der Zeitung die Phantomzeichnung eines Gesichts entdeckt, das anhand eines im Wald aufgefundenen Schädels rekonstruiert wurde, wird sie an eine der schlimmsten Zeiten ihres Lebens erinnert: an das Verschwinden ihrer Freundin Monika vor elf Jahren. Plötzlich war sie weg - es gab keine Spuren, keine Nachrichten, und niemand konnte sich je erklären, was mit ihr passiert ist. Nun erinnern die in der Zeitung abgebildeten Gesichtszüge deutlich an die verschwundene Frau, und weitere Untersuchungen bestätigen: Es ist tatsächlich Monikas skelettierter Kopf, der gefunden wurde. Aber was ist mit ihr geschehen? Wer konnte ein Interesse daran haben, eine fröhliche, junge Frau brutal zu ermorden und im Wald zu verscharren? Mia beginnt zu ermitteln, vergisst aber dabei fast, dass ein Mörder noch auf freiem Fuß ist.

Friederike Schmöe lässt ihre Hobby-Detektivin Mia im Umfeld ihrer eigenen Familie und im elterlichen Freundeskreis bei einem „Cold Case“ ermitteln. Seinerzeit waren ihre Eltern mit anderen Pärchen, zu denen auch das spätere Mordopfer Monika und ihr Mann André gehörten, eng befreundet. Man war jung, feierte miteinander, half sich bei finanziellen Engpässen aus und ging auch ab und an mit jemandem ins Bett, mit dem man nicht verheiratet war. Wie in jeder Clique gibt es also ein paar Dinge, die nicht gerade an die allzu breite Öffentlichkeit geraten sollen, und gerade das sind die Stellen, wo die junge, selbsternannte Ermittlerin nachsetzt. Bei ihrer Suche sollen insbesondere die kleinen Geheimnisse der damaligen Freunde zu Tage gefördert werden, und nachdem lange über das Verschwinden von Monika sinniert und lamentiert wurde, stellt sich (fast in einem Nebensatz heraus), dass seinerzeit, und vor Monika, schon einmal eine junge Frau verschwand - aber anders als jetzt sie, nie wieder auftauchte. Warum gerade dieses Verschwinden als Bagatelle gehandhabt und mehr oder weniger mit „17-Jährige sind halt komisch“ abgetan wurde, das erschloss sich mir nicht.

Weil sie geschwiegen haben…?

Wer auch trotz diesem Widerspruch bei der Lektüre bleibt, der erfährt, dass nicht nur bei der damaligen Clique ein recht eigenartiger Personenkreis zusammenkam; auch die Eltern-Kind-Beziehungen scheinen hier nicht allzu „rund“ zu laufen. So wirft die Heldin ihrem Vater unter Anderem vor, er habe von Misshandlungen und Missbrauchshandlungen im Freundeskreis gewusst, aber aus finanziellen Gründen lieber geschwiegen - ein Vorwurf, der auf reinen Mutmaßungen beruht und bei dem man grundsätzlich schon sehr, sehr vorsichtig sein sollte, wenn man ihn seinem eigenen Vater vor die Brust haut. Übrigens genau dem Vater, dem man nach Abschluss des Studiums und ohne jede Intention, eine Arbeit aufzunehmen, auf der Tasche liegt. Nicht aber unsere Mia: Raus damit, und raus mit jedem Verdacht, der ihr gerade durch den Kopf schießt und mit jeder Frage, die einfach so aus ihr raussprudelt. Da macht es nichts aus, ob das Gegenüber zum Zeitpunkt der Ermordung ihrer Freundin noch ein Kind war und somit wohl kaum Sachdienliches beitragen könnte, oder möglicherweise alte Wunden aufgerissen werden.

In diesem Stil baut Friederike Schmöe ihren Krimi weiter auf, lässt alle Beteiligten auf Ideen und Eindrücke aufspringen, die möglicherweise nicht jeder Grundlage, aber doch jeden Beweises entbehren, entwickelt Handlungsstränge, die irgendwo liegen bleiben, und schließt ihre Geschichte letztendlich mit einem Showdown, der keiner ernsthaften Betrachtung standhält. Ein Mensch, der einen anderen geplant ermordet und elf Jahre Normalität geheuchelt hat, kann ja nicht anders, als zusammenbrechen, wenn ihn jemand, der selbst nichts zustande bringen kann, ohne jeden Beweis mit einer ungeheuerlichen Tat beschuldigt.

Fazit:

Friederike Schmöe hatte grundsätzlich eine gute Idee für einen Cold-Case-Krimi, der auch offensichtlich in die Jahreszeit passen sollte. Aber entweder wurde dieser Entwurf zu lieblos und brutal gekürzt, oder es lagen tatsächlich zu viele Eier im Nest, um eine in sich geschlossene Geschichte rund zu machen. Der Hase hüpft hier schon irgendwo - aber wo er letztendlich hin will, das bleibt im Dunklen.

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