Mein Wille geschehe

Erschienen: Juli 2021

Bibliographische Angaben

- TB, 352 Seiten

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Sabine Bongenberg
…dem biete auch die andere Wange dar

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Sep 2021

Benedikt Theves ist jemand, den man sicherlich als „zu gut für die Welt“ bezeichnen würde. Ein freundlicher Mann – dem alle auf der Nase herumtanzen. Seine Ehefrau Silke interessiert sich für alles, was im Entferntesten mit Kunst und für nichts, was in irgendeiner Weise mit seinem Leben zu tun hat; sein Vikar, den er als „Nachwuchstheologen“ betreut, intrigiert hinter seinem Rücken; die Superintendentin hält sowieso nichts von ihm und die Liste ließe sich noch in Richtung „Unendlich“ fortsetzen. Theves meint es gut, bekommt nichts so richtig hin und ist so das ideale Opfer für jeden, der auf ihm herumhackt. Allerdings – irgendwann hat sogar das seine Grenze und so erfährt der grobschlächtige Tankstellenbesitzer Klaus Hambrück, dass man auch beim Herrn Pastor zu weit gehen kann.

Seelig sind die Sanftmütigen

Bernd Schwarze hat mit dem Pastor Benedikt Theves einen Protagonisten erschaffen, der beim Schlag auf die linke Wange nicht nur die rechte, sondern auch beide Schienbeine für gut gesetzte Tritte, den Solarplexus für ein paar Schläge und mindestens noch den Hinterkopf für die eine oder andere Kopfnuss anbietet. Theves nimmt alles an, schluckt alles, widerspricht nicht und duckt sich und der Leser fragt sich alsbald, wie ein solcher Mann durch’s Leben kommen will.

Es ist dann auch mehr ein Unfall, der dazu führt, dass sich Theves endlich einmal zur Wehr setzt und den fiesen Hambrück, der sich damit brüstet, einerseits die Organistin flachlegen und seine eigene Frau krankenhausreif prügeln zu können, selber mit einem Schlag ausknockt und alsbald mit dem Problem einer zu beseitigenden Leiche dasteht.

Grundsätzlich hätte ich diese Idee recht spannend gefunden, wäre ich doch grundsätzlich der Meinung, dass ein Pfarrer sicherlich die Möglichkeit eines – sagen wir mal – Doppelbegräbnisses finden und dass hier der auf dem Buchtitel erwähnte „schwarze Humor“ zum Tragen kommen könnte, aber weit gefehlt. Es entsteht ein Riesen-Hin-und-Her um einen Schlüssel, der zum Öffnen der Krypta, die als Zwischenlager fungiert, benötigt wird, den der eine hat und nicht herausgibt und den der andere haben will, aber nicht bekommt, währenddessen ein Leichnam offensichtlich vor sich hingammelt.

Neben dieser verschenkten Idee gefielen mir auch verschiedene Konstruktionen nicht. So ist das Totschlagopfer Klaus Hambrück so böse, widerwärtig und fies gezeichnet, dass sich der Leser fragt, ob er nicht selbst Hand angelegt hätte, hätte er den Herrn kennen gelernt. Ganz unschuldig, arglos und liebreizend dagegen seine unterjochte Ehefrau, wobei diese es offensichtlich auch faustdick hinter den Ohren hat, wenn sie schon mit einem neuen Liebhaber anbändelt, wenn der Körper ihres bisherigen Ehemannes im wahrsten Sinne des Wortes nicht einmal erkaltet ist. Als unglaubwürdig empfand ich auch die Kapriolen des Herrn Pastor, der sich plötzlich als rächenden Arm des Gerechten sieht und es ablehnt, gegen das Postgeheimnis zu verstoßen, aber offensichtlich kein moralisches Problem hat, jemanden zu verprügeln oder einem Mobber selbst das Mobbing zu lehren. Auch das Gottesbild, das allein schon wegen Theves Beruf nicht ganz vergessen werden sollte, schien mir hier eher aus dem Alten Testament entnommen worden zu sein und weniger die Botschaft von Gnade und Barmherzigkeit auszusprechen.

„Wenn nun symbolisch gesprochen Gott die Hand des Täters geführt, ihn quasi zum Werkzeug seiner höheren Rechtsordnung gemacht hat?“

Neben den verschiedenen Untaten des Kirchenmannes versäumte es der Theologe Bernd Schwarze aber auch nicht, die Heilsgeschichte in seinem Buch unterzubringen. So ist der Zimmermannsgeselle Jens dann auch so gezeichnet, dass selbst diejenigen, die im Religionsunterricht lieber „Schiffe versenken“ gespielt haben, darauf kommen könnten, wer hier wieder in Erscheinung tritt. Erstaunlich allerdings, dass Theves als Kirchenmann nicht beim Brechen des Brotes die „Augen aufgingen“, interessant gelöst fand ich aber immerhin die moderne Form des Todes am Kreuz. Dennoch sind aber auch diese Elemente sicherlich nicht dazu geeignet, das Tempo des Romans zu erhöhen oder Spannung zu erschaffen.

Fazit:

Manchmal fragte ich mich, ob das von Sebastian Fitzek auf dem Buchtitel beschriebene „sensationelle Leseerlebnis, mit Spannung, Tiefgang und schwarzen Humor“ nicht eher dem Empfinden eines guten Freundes entspricht.  Dennoch mag hier ein jeder zu einem eigenen Ergebnis kommen und es ist letztendlich dann doch gut so, dass – so wie weiland Azeem in „Robin Hood – König der Diebe“ anführte - „Gott die Vielfalt liebt“.
 

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