Lockvogel

Erschienen: März 2021

Bibliographische Angaben

- HC, 376 Seiten

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Yannic Niehr
Method Acting wider Willen

Buch-Rezension von Yannic Niehr Apr 2021

Es soll die Sause des Jahres werden … Bei der Party des gefeierten Star-Regisseurs Alexander Steiner ist wie üblich die gesamte Wiener Schickeria zugegen. Doch diesmal schlagen die Dinge scheinbar zu sehr über die Stränge: Am Morgen danach liegt einer der Kellner vom Catering-Service tot im Pool, erschlagen von einer Nebelleiste zur Luftkühlung. Es wird von Fremdeinwirkung ausgegangen, und schnell gerät Vincent Blum, der an jenem Abend den Barkeeper gegeben hat, unter Verdacht.

Gleichzeitig findet Sybille Steiner, die Ehefrau des Regisseurs, ein seltsames Tagebuch einer unbekannten Verfasserin in ihrem Briefkasten, das ihren Mann im denkbar schlechtesten Licht dastehen lässt: Eine junge, aufstrebende Schauspielerin beschreibt darin, wie er seine Machtposition ausgenutzt habe, um sie sich sexuell gefügig zu machen und anschließend fallen zu lassen – in der Ära von #MeToo brenzliger Zündstoff. Da sie einen Skandal vermeiden möchte, bittet Steiner den abgehalfterten Privatdetektiv Edgar Brehm, diskret Ermittlungen anzustellen. Brehm, vereinsamt und gesundheitlich wie finanziell am Rande des Ruins, hat schon einige Schicksalsschläge einstecken müssen – da kommt ihm das großzügige Honorar, das Steiner ihm anbietet und das zumindest einen Teil seiner Sorgen aus der Welt schaffen würde, gerade recht.  

Zum Glück verirrt sich zur selben Zeit auch noch die junge Schauspielschülerin Antonia „Toni“ Lorenz in sein Büro: Ihr Freund Felix Meier sei verschwunden – und mit ihm Schmuck und Geld von Tonis Großmutter. Die liebe Großmama (bei der Toni aufgewachsen ist) hat ihr das Vermögen überlassen, damit Toni die Gebühren des Konservatoriums sowie den Platz im Altenheim bezahlen kann. Umso dringender möchte Toni ihren Freund (und das Geld) wiederfinden. Außerdem fühlt sie sich in letzter Zeit verfolgt. Doch leider kann sie sich Brehm nicht leisten – also schlägt sie ihm vor, stattdessen für ihn zu arbeiten. Brehm ist anfangs so gar nicht begeistert, merkt aber schnell, dass er ohne sie an seine Grenzen stößt.

Ermittlungen im Umfeld des Regisseurs führen die beiden zunächst nicht weiter, und Hinweise sind rar gesät. Von Blums Unschuld sind beide schnell überzeugt. Doch was hat die große Darstellerin Anna Ferry mit allem zu tun? Ist Alexander Steiners Assistent Paul Herz involviert? Was hat es mit dem geheimnisvollen Drehbuch auf sich, das der Tote Steiner überreichen wollte? Hängt am Ende alles irgendwie zusammen? Es scheinen sich zunächst nur weitere Fragen zu stellen. Gäbe es doch nur eine Möglichkeit, Toni auf Steiners Set einzuschleusen …  

„Ich war nicht deine Auserwählte. Ich war dein Spielzeug. Doch das wird sich jetzt ändern …“

Die Filmbranche kann einer Kriminalerzählung ein faszinierendes Setting liefern – gehört es dort doch offenkundig zum guten Ton, dass hinter der undurchsichtigen Glamour-Fassade, welche der Öffentlichkeit präsentiert wird, nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht. Zum Glück kennt sich Autorin Theresa Prammer, die sich vor ihrem Romandebut im Jahr 2013 bereits als Schauspielerin und Theaterregisseurin etabliert hatte, in diesem Metier aus und lässt dieses Wissen in die Geschichte einfließen.

Mit Nervenkitzel punktet diese nur bedingt; dennoch ist die Spannung ausreichend, um die Leserschaft durchgehend bei der Stange zu halten. Prammer neigt aber dazu, wichtige Informationen erst recht spät zu streuen, sodass man doch recht lange im Dunkeln tappt. Gelegentlich wirkt Lockvogel konstruiert, manches arg gewollt: So verwundert Tonis ausgeprägte Naivität zu Beginn doch sehr; die Andeutung einer potenziellen Romanze zwischen Brehm und dem „irritierend attraktiven“ Verdächtigen Vincent Blum ist eher unglaubwürdig; und auch die Tatsache, dass Fernanda, Brehms befreundete Kontaktperson bei der Polizei, immer wieder Sätze fallen lässt wie „Dieses eine Mal helfe ich dir noch, aber dann ist Schluss“, nur um dann doch wieder ihren Job zu riskieren und ihm Informationen zuzuspielen, überstrapaziert die Logik des Geschehens etwas.

„Meine Oma sagt immer, es gibt gute Menschen, die böse Dinge tun. Und böse Menschen, die Gutes tun. Die Grenzen sind fließend“

Lockvogel kann gegen Ende ein stimmiges Statement zu den Themenkomplexen abgeben, die seinen Hintergrund bilden, dies bleibt aber Nebensache – damit ist das Buch nicht ganz der brisante Gesellschaftsthriller, für den man es eingangs halten könnte. Die große Stärke des Romans liegt vielmehr in seinem Personal: Edgar Brehm ist mehr als die bloße Karikatur eines Ermittlers, der seine besten Zeiten hinter sich hat; er hat das Herz am rechten Fleck, und darf man erst die Hintergründe seines damaligen Ausscheidens aus dem aktiven Polizeidienst erfahren, verleiht ihm das auch Tiefgang. Und Tonis Entwicklung zur gewieften Ermittlerin zu verfolgen, die für Brehm unverzichtbar – und sogar zur engen Vertrauten – wird, macht Spaß. Die Detailverliebtheit in der Figurengestaltung erstreckt sich auch auf das Ensemble der Nebencharaktere, allen voran Tonis Großmutter. Es ist zudem ein absolutes Plus, dass Lockvogel sich selbst nicht zu ernst nimmt und mit viel Humor glänzen kann.

Fazit

Mit einer gehörigen Portion Wiener Charme hat Theresa Prammer ein liebenswertes, sympathisches Ermittlerduo geschaffen, das problemlos auch weitere Fälle unterhaltsam wird tragen können. Lockvogel ist zwar nicht der ganz große Wurf, aber aufgrund seiner Qualitäten absolut lesenswert.   

Lockvogel

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Letzte Kommentare:
08.04.2021 13:34:36
buecherwurm1310

Toni wurde von ihrem Freund Felix verlassen. Nun sitzt sie ohne Geld da, denn das Vermögen ihrer Großmutter hat er mitgehen lassen. Da die Großmutter das nicht erfahren soll, geht sie nicht zur Polizei, sondern heuert den Privatdetektiv Edgar Breme an. Breme aber hat auch so seine Probleme. Fast zeitgleich will auch Sybille Steiner seine Dienste in Anspruch nehmen, denn sie glaubt nicht, dass ihr Mann, der Drehbuchautor Alexander Steiner, durch einen Unfall zu Tode kam, und will wissen, ob ihr Mann seine Position missbraucht hat. Brehme und Toni tun sich zusammen, um der Sache nachzugehen, wobei Toni den Lockvogel spielen soll.
Theresa Prammer führt uns mit diesem Krimi in die Welt der Filmschaffenden und der High-Society. Dort scheint man sich die Regeln, was erlaubt ist und was nicht, zurecht zu biegen.
Mit den Charakteren wurde ich nicht so recht warm. Brehme ist für mich ein etwas merkwürdiger Privatermittler. Er hat gesundheitliche Probleme und auch finanziell steht es nicht gut. Die Schauspielschülerin Toni ist nach dem Verschwinden von Felix pleite und nimmt das Angebot von Brehme an, da sie seine Dienste ja nicht bezahlen kann. Sie hat keine Ahnung von Ermittlungsarbeit und geht mit Eifer, aber auch etwas naiv an die Sache heran. Nachdem sich Brehme und Toni aneinander gewöhnt haben, ergänzen sie sich gut, auch wenn meiner Meinung nach professionelle Ermittlungsarbeit anders aussieht. Am Ende geht alles ein bisschen schnell.
Dieser Kriminalroman ist unterhaltsam, aber mir fehlte da ein Stück weit die Spannung.

05.04.2021 01:36:28
TochterAlice

VerLOCKend?
Nein, verlockend ist für Toni gerade absolut gar nix im Leben. Hat ihr Traummann sie doch ausgeraubt und sich sang- und klanglos abgesetzt.

Und dabei geht es nicht um Kleinkram, sondern um das gesamte Vermögen der Großmutter - einige Hunderttausende Euro und dazu noch Schmuck. Sie steht vor dem Nichts, dabei muss sie doch weiterkommen in ihren Schauspielstudien.

Egal, erstmal muss das Geld wieder her und Toni hat auch schon eine Idee, wie: Mithilfe eines Detektivs. Zufällig gerät sie an Edgar Brehm, der sie allerdings ohne Geld nicht als Klientin annehmen will - irgendwie logisch, oder?

Bei ihrem Abgang hört Toni zufällig, wie die Gattin eines, nein: des berühmten Filmemachers Alexander Steiner Brehm einen Auftrag gibt, bzw. auf dem besten Weg dazu ist: er soll ihren Gatten der Untreue überführen.

Eines kommt zum anderen: auf jeden Fall sieht sich Toni irgendwann als Brehms Assistentin, genauer gesagt: als Lockvogel - im Gegenzug will Brehm den diebischen Galan dingfest machen.

Auch wenn die beiden aus unterschiedlichen Welten kommen und sich als Team erstmal finden müssen, sind sie in gewisser Hinsicht einfach unschlagbar: nämlich als literarische Unterhaltung.

Theresa Prammer beweist einmal mehr, dass sie im Genre Krimi mit Humor die Nase vorne hat - aber sowas von! Ich liebe die von ihr entworfenen Charaktere, die immer für eine Überraschung gut sind, aber auch im Hinblick auf Setting und Abläufe wird hier einiges geboten.

Ich gebe zu, dass Fans harter Thriller hier möglicherweise nicht ganz auf ihre Kosten kommen - aber falls sie mal was ganz anderes lesen möchten, ist dies auch für sie möglicherweise ein Lesespaß! Ich empfehle ihn jedenfalls uneingeschränkt!

18.03.2021 22:55:43
Jasminh86

​Ein guter Wiener-Krimi mit Lokalkolorit!

"Lockvogel" ist ein Kriminalroman von Theresa Prammer und dem Verlag Haymon, der am 16.3.2021 erschienen ist. Diese Geschichte handelt von einem ungewöhnlichen Ermittlerduo, das aus einem Privatdetektiv und einer Schauspielschülerin besteht. Edgar Behm und Toni gehen auf Mörderjagd und sie gehen der Frage nach, was an der Geschichte dran ist, dass ein einflussreicher Regisseur übergriffig geworden sein soll.

Toni ist pleite und ihr läuft die Zeit davon. Sie hat praktisch keinen Euro mehr in der Tasche. Nicht, weil die Schauspielschülerin ihren Allerwertesten nicht hochbekommt, sondern weil sich ihr Freund Felix mit ihren Ersparnissen auf und davon gemacht hat. Geld weg, Freund weg (Oder Ex-Freund? Betrüger? Was zur Hölle ist er denn nun?), dafür werden die unbezahlten Rechnungen immer mehr. Toni hat einen riesigen Berg besonders saurer Zitronen vorgesetzt bekommen. Nur: Was macht sie daraus? Zuerst einmal: Durchatmen, Limonade machen auf später verschieben und schleunigst Felix zur Rede stellen. Dafür wendet sie sich an Privatdetektiv Edgar Behm. Der könnte Felix aufspüren. Doch wie soll sie ihn bezahlen?

Auch Sybille Steiner findet den Weg in Behms Detektei: Die Ehefrau eines Starregisseurs hat beunruhigende Post erhalten. Einem anonymen Tagebuch zufolge soll ihr Ehemann vor Jahren gegenüber einer jungen Schauspielerin seine Machtposition ausgenutzt haben. Sind die Anschuldigungen wahr? Wer ist die Verfasserin? Hat damit gar der Tod eines Mannes auf einer von Steiners High-Society-Partys etwas zu tun? Möglichst schnell, bevor die Presse Wind davon bekommt, muss Behm genau das herausfinden. Wie praktisch, dass gerade eine Schauspielschülerin bei Behm aufgetaucht ist, die ihn nicht bezahlen kann: Toni wird als Lockvogel engagiert. Welche Gefahren warten auf sie in der Filmbranche, die für Machtgefälle und Intrigen berüchtigt ist?
Ein Fall von #metoo? Undercover als Lockvogel.

Die Autorin, die gleichzeitig auch Schauspielerin und Regisseurin ist, hat mich in "Lockvogel" mit aktuellem und brisantem Stoff konfrontiert. Viel interessantes Insiderwissen gibt es hier zu lesen, deshalb kommt der Krimi sehr authentisch rüber. Einblicke aus dem harten Leben von Schauspieler und spannende Einblicke aus dem Detektivalltag wurden gut mit der Geschichte kombiniert. Sexuelle Übergriffe in der Filmbranche werden aufgegriffen, sodass ein vielfältiger Plot entsteht.

Der Krimi beginnt mit einem interessanten Prolog, der mir einen Einblick von der High-Society-Party der Steiners gab. Für mich hat der Krimi keine hohe und konstante Spannung, der Spannungsbogen hält sich eher im mittelmäßigen Bereich. Mehr war hier aber auch gar nicht nötig, denn der Wiener-Krimi mit Lokalkolorit hat mir trotzdem sehr gut gefallen. Zu keiner Zeit wurde es mir langweilig und ich hatte die 372 Seiten in kurzer Zeit verschlungen. Die komplette Geschichte ist sehr vielfältig und es hat mir Spaß gemacht, das Buch zu lesen.
Theresa Prammer schreibt unheimlich detailliert, flüssig und authentisch, der eingebaute schwarze Humor hat mir gut gefallen. Ich wurde zum Miträtseln aufgefordert und es gab überraschende Wendungen, besonders am Ende. Ich als Leserin konnte undercover am Filmset mit ermitteln und ich wurde durch Wien gejagt.

Das Herz des Krimis sind für mich die perfekt ausgearbeiteten Protagonisten. Toni und Edgar Behm ergeben ein unheimlich gutes Ermittlerduo ab, sie harmonieren super miteinander und ich habe beide, besonders Toni, sofort ins Herz geschlossen. Da wechselnd aus beiden Perspektiven erzählt wird konnte ich mich in dessen Gedanken und Handlungen gut hineinversetzen. Der Ex-Polizist Edgar kämpft mit gesundheitlichen Problemen, am Anfang kamen einige Fragen über ihn auf, die bis zum Schluss jedoch alle beantwortet wurden. Obwohl er finanziell jeden Cent gebrauchen kann, findet er einen Weg um Toni zu helfen. Beide nähern sich ganz langsam auf freundschaftliche Ebene an, die Entwicklung der beiden hat mir gut gefallen. Das Ende lässt darauf hoffen, das aus den beiden doch noch ein Herz und eine Seele wird. Denn Tonis liebenswerter und sympathischer Charakter ist für Edgar meiner Meinung nach die beste Medizin. Trotz Mord und einer Menge Intrigen ist dies ein Krimi, bei dem man sich wohlfühlt. Von mir gibt es viereinhalb Sterne.

17.03.2021 17:19:12
Darts

Antonia 'Toni' Lorenz möchte Schauspielerin werden und besucht in Wien das Konservatorium, zusammen mit ihrer Freundin Lena. Von dieser bekommt sie den dringenden Rat eine Detektei aufzusuchen. Denn ihr Ex'Freund' Felix hat sich vor einem Monat verdrückt, mitsamt dem Geldvermögen und dem Schmuck von Tonis Großmutter. Deren Wertanlage für ein schönes Leben in der noblen Seniorenresidenz.
Als Toni den Privatdetektiv Edgar Brehm, einen ehemaligen Polizisten, aufsucht, hat sie wenig Hoffnung und noch weniger Geld um die Honoraransprüche zu bezahlen.
Sie bekommt mit, wie dieser gerade einen lukrativen Auftrag erhält, aber durch gesundheitliche Probleme stark beeinträchtigt ist, diesen auszuführen. Sie bietet sich als Hilfskraft an, eigentlich für Büroarbeiten, übernimmt aber immer mehr die eigentlichen detektivischen Arbeiten und fliegt dadurch, bzw. durch zu viele Fehlstunden fast aus dem Konservatorium. Die Ermittlungen führen sie ins Filmgewerbe, da kommt ihr ihr schauspielerisches Talent zu Hilfe.
Toni, das kleine Persönchen, ist sehr selbstbewusst, wenn es darum geht, etwas durchzusetzen, gleichzeitig geht sie sehr naiv an viele Sachen heran und begibt sich in noch mehr Gefahren. Sie ist sehr sympathisch und empathisch. Man muß sie einfach gernhaben. Das erkennt auch Edgar und möchte ihr unbedingt helfen, diesen Felix zu finden. Toni und Edgar ergänzen sich gut und respektieren ihre Gegensätze.
Der Schreibstil ist flüssig, leicht und spannend, die Handlung ist fast unblutig, die Protagonisten sympathisch, teilweise humorvoll, ein Wohlfühlkrimi. Es würde mich freuen, noch einmal etwas mit diesem ungleichen Gespann zu lesen, denn ich habe die Lesestunden mit diesem Buch sehr genossen.

17.03.2021 07:43:45
Ladybug

Handelt es sich beim neuen Werk der Schauspielerin, Regisseurin und Autorin Theresa Prammer um einen Fall von #metoo? Genau dies gilt es herauszufinden und so schleust sich die Schauspielschülerin Toni als „Lockvogel“ und begibt sich undercover in die Filmbranche.

Die Hauptprotagonistin Toni wurde von ihrem Freundin Felix um ihre gesamten Ersparnisse und Schmuck gebracht. Ist sie blauäugig einem Betrüger aufgesessen? Sie sucht deshalb den Privatdetektiv Edgar Brehm auf und bittet ihm um Hilfe auf der Suche nach ihrem Freund.

Zeitgleich bittet auch die Ehefrau des berühmten Regisseurs Steiner die Anschuldigungen gegen ihren Ehemann, aufgrund eines anonym erhaltenen Tagebuchs aufzudecken. Viele Fragen und Zufälle kommen auf und Brehms läuft die Zeit davon und so gehen Edgar und Toni einen ungewöhnlichen Deal ein…….

 

Der Schreibstil dieses Krimis ist flüssig und leicht lesbar. Die Geschichte beinhaltet neben Spannung auch einen schwarzen Humor und so begleiten wir ein liebenswertes und sympathisches Ermittlerduo bei den Ermittlungen in der Filmbranche. Mit Toni und Edgar hat die Autorin sehr gut ausgearbeitete Charaktere als Hauptprotagonisten erschaffen und den Plot aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Den Leser erwarten spannende Lesestunden um Mord, Macht und Intrigen.

 

Ich durfte diesen Wien-Krimi vorablesen und erhielt ein Leseexemplar des Haymon Verlags mit einem vorigen Layout. Das finale Cover des Titels, welches nun deutlich ansprechender wirkt findet ihr im zweiten Bild.

 

Mein Fazit: Ein Krimi, der die Debatte um das #meetoo Thema neu entfacht und mit polarisierten Charakteren überzeugen kann. Hab mich gut unterhalten gefühlt und deshalb gibt es 4 Sterne.

16.03.2021 11:54:11
Kater

Überzeugende Protagonisten

Einer meiner Gründe diesem Buch meine Aufmerksamkeit zu schenken, war die Autorin. Ich habe bereits Bücher von Theresa Prammer gelesen und fand sie gelungen. Die Autorin zeigt einen eigenen Stil Krimis zu erzählen, der spannend ist, seine Handlung aber nicht zu Gunsten übermäßiger Action- und Gänsehautszenen vergisst. In ihren Büchern herrscht ein Gleichgewicht, dass die Erzählung realistisch macht und trotzdem unterhält. Mittelpunkt bilden dabei die Protagonisten.
„Lockvogel“ ist da keine Ausnahme. Die Handlung ist durchdacht. Sie ist nicht übertrieben und dennoch sorgt beispielsweise ein möglicher Verfolger von Beginn an für Spannung und die vielen Ereignisse schaffen ein interessantes Puzzle, das es zusammenzusetzen gilt.
Erzählt wird die Geschichte zum einen von Toni, deren Freund mitsamt ihren Ersparnissen verschwunden ist. Sie ist pleite, droht von der Schauspielschule zu fliegen und wendet sich in ihrer Verzweiflung an einen abgehalfterten Privatdetektiv: Edgar. Der kämpft nicht nur darum seine Detektei am Leben zu erhalten, sondern auch mit seiner Gesundheit. Eigentlich sollten sich die Wege von Toni und Edgar auch schnell wieder trennen, als diese nicht das nötige Geld aufbringen kann, um ihn für seine Hilfe zu bezahlen. Doch dann schneit eine reiche Regisseursgattin in die Detektei und verspricht Edgar für seine Dienste einen Geldsegen. Er kann nicht anders als annehmen, braucht nun aber Toni als gesunde Assistentin bei seinen Ermittlungen.
Tonis Talent als Detektivin zeigt sich von Anfang an: sie ist neugierig und aufmerksam, recherchiert ohne Zögern im Internet und beschafft sich mit Leichtigkeit Informationen. Mit ihrer Jugend bildet sie den perfekten Kontrapart zu Edgar, der sehr oldschool an einen typischen grimmigen, aus der Zeit gefallenen Detektiv erinnert. Diese beiden Personen machen das Buch für mich zu einem Erfolg. Sie sind ein ungleiches, unterhaltsames Paar, das sich hervorragend ergänzt. Ein bisschen erinnern mich Toni und Edgar sogar an Lotta und Konrad, aus Prammers früherer Krimireihe. Das mag man kritisieren können, aber da beide Konstellationen im Rahmen der Krimis gut funktionieren, möchte ich mich darüber nicht beschweren.
Also, lange Rede, kurzer Sinn: die Handlung ist in ihrer durchdachten und unaufgeregten Art gut. Das gegensätzliche, mit Sorgfalt beschriebene Ermittlerduo ist noch besser und das beste Argument für den Krimi.

01.03.2021 18:20:27
miss.mesmerized

Schauspielschülerin Toni hätte sich nicht vorstellen können, dass ihr das passiert. Ihr Freund Felix ist auf und davon und hat ihre ganzen Ersparnisse sowie den Schmuck ihrer Oma mitgenommen. Zur Polizei will sie nicht gehen, da sie dann der Oma beichten müsste, was geschehen ist. Aus diesem Grund sucht sie Hilfe bei Edgar Brehm, seines Zeichens Privatdetektiv. Dieser ist nicht nur gesundheitlich angeschlagen, sondern auch finanziell in einer Notlage, weshalb ihm sein neuer Auftrag gerade Recht kommt: Sybille Steiner, Frau eines erfolgreichen Regisseurs, engagiert ihn, um Anschuldigungen gegen ihren Mann prüfen zu lassen. Dieser soll jahrelang die Situation junger, ambitionierter Schauspielerinnen ausgenutzt haben. Da kommt Toni ins Spiel: sie hat zwar kein Geld, um den Detektiv zu bezahlen, aber als Lockvogel kann sie die Kosten quasi abarbeiten.

Theresa Prammers Krimi ist eine unterhaltsame Mischung aus klassischem Mordfall, immer wieder humorvollen Einschüben und der immer noch aktuellen #metoo Debatte. Die liebevoll gezeichneten Figuren tragen dabei ganz entscheidend zu Gelingen bei: sowohl die bisweilen naive und chaotische Toni wie auch der angeschlagene Detektiv Brehm wirken wie aus dem Leben gesprungen: sie sind keine Superhelden, im Gegenteil, nicht wenig geht bei ihren Ermittlungen auch schief, aber die kleinen und großen Schwächen machen sie schlicht sympathisch und menschlich.

So richtig scheinen in dem Fall die Puzzleteile nicht zusammenzupassen: bei schillernden einer Party im Haus der Steiners wird ein Aushilfskellner getötet. War das Drehbuch, das der verhinderte Autor dem Starregisseur zustecken hat wollen der Anlass? Doch wie brisant sollte dessen Inhalt gewesen sein? Da ist das anonyme Tagebuch, dass man Sybille Steiner zugespielt hat deutlich aufschlussreicher. Das ungleiche Team stürzt sich in die Ermittlungen, wobei Toni bald merkt, dass sie zwar über Schauspieltalent verfügt, aber die Improvisation, die undercover Einsätze erfordern, auch geübt sein will, weshalb sie ein uns andere Mal in durchaus kritische Situationen gerät. So wie Brehm sie aus diesen retten muss, kommt auch sie ihm zu Hilfe, denn mehr als einmal drohen sie gnadenlos aufzufliegen und zu scheitern.

Obwohl es sich um einen Krimi handelt, war die Spannung eher moderat, was für mich aber durch den lockeren Erzählton und die wirklich herausragenden Figuren locker wettgemacht wurde. Die verschiedenen Handlungsstränge wurden überzeugend miteinander verbunden und letztlich auch sauber gelöst. Eine runde und unterhaltsame Angelegenheit.

BEHIND THE DOOR
Der Raum. Die Tat. Das Rätsel.

Lies die Geschichte, erkunde den Tatort und bringe Licht in das Dunkel um einen mysteriösen Kriminalfall. Welche Auffälligkeiten bringen die Ermittlungen voran? Welches Indiz überführt den Täter? BEHIND THE DOOR - spannende und interaktive Kurz-Krimis auf Krimi-Couch.de.

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