Die Djurkovic und ihr Metzger

Erschienen: Oktober 2020

Couch-Wertung:

70°
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Thomas Gisbertz
Neues vom Kultautor

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Nov 2020

Endlich traut sich Willibald Metzger und macht seiner Danjela Djurkovic den langersehnten Heiratsantrag. Die resolute Verlobte plant auch gleich ein Fest mit allem, was dazugehört, und quartiert ihren Zukünftigen zwecks Steigerung der Vorfreude auf die Hochzeit aus der gemeinsamen Wohnung aus. Doch dann, kurz vor dem Ja-Wort, ist es plötzlich vorbei mit der Romantik: Ein bedrohlich aussehender Kerl betritt die Kirche. Danjela lässt den erstarrten Willibald vor dem Altar stehen – und verschwindet mit dem Unbekannten ...

Suche nach der Verlobten

Das plötzliche und vollkommen unerwartete Abhandenkommen seiner Danjela lässt den Metzger in ein tiefes Loch fallen. Nur der Gedanke, dass sie vielleicht einen guten Grund für ihr Handeln hatte, dass sie ihn möglicherweise sogar schützen wollte, lässt ihn weitermachen. Die verzweifelte Suche nach Danjela führt den Metzger gar nicht so weit weg, und doch in eine völlig andere Welt: hinein in die erbarmungslosen Machenschaften eines Familienclans, mit dem Danjela ganz offenbar in irgendeiner Verbindung steht. Und als hätte der Metzger nicht schon genug Probleme, taucht auch noch ein Kopfloser auf und bereitet ihm Kopfzerbrechen ...

Neue Roman des Kultautors

Mittlerweile dreizehn Jahre ist es her, dass der gebürtige Wiener Thomas Raab mit Der Metzger muss nachsitzen seinen Debütroman über den Restaurator Willibald Adrian Metzger vorlegte und sofort die Leser mit seinem unverwechselbaren Stil für sich gewann: schräger Humor, authentische, liebevolle Charaktere, erstklassiger Wortwitz, aber auch subtile Gesellschaftskritik. Sowohl in seiner Metzger-Reihe als auch seit 2018 in seinen Romanen über die Hobbydetektivin Hannelore Huber, einer kauzigen und furchtlosen älteren Dame, die es mit der Kriminalität in ihrem Dorf aufnimmt, sorgt der Österreicher mit viel schwarzem Humor und einer guten Beobachtungsgabe für die menschlichen Eigenheiten und Schwächen für beste Unterhaltung. Nun erscheint im Haymon Verlag der achte Band der Metzger-Reihe, von der inzwischen zwei Bände auch für die ARD verfilmt wurden.

Der etwas andere Krimi

Absolut zurecht wird Thomas Raab seit Jahren von seinen Lesern, der Presse und auch Schriftstellerkollegen wie Bernhard Aichner gefeiert: Sprachlich ist der österreichische Autor ein Ausnahmetalent. Es gibt mittlerweile nicht wenige Autoren, die versuchen, seinen Stil zu kopieren - und zumeist kläglich daran scheitern. Aber auch inhaltlich geht Raab andere Wege: Ihm sind seine Figuren wichtig, die sich durch ihren Alltag hangeln, mit ihren kleineren bis größeren Problemen zu kämpfen haben und dabei zufällig über Verbrechen stolpern. Der aktuelle Roman stellt insofern eine Besonderheit dar, da er für Raabs Verhältnisse ungewohnt schonungslos ist; Gewaltorgien und Brutalität sind dem Autor nämlich ansonsten weitestgehend fremd.

Ambivalenter Roman

Raabs Schreib- und Sprachtalent zeigt sich auch diesmal in den vielen kleinen Episoden: Wenn der Metzger gleich zu Beginn bei der notwendig gewordenen Suche nach einem passenden Anzug für die Hochzeit bei der Anprobe seinen alten Freund Senekowitsch wiedersieht, trifft Raab fast schon den Ton eines Loriots.

Dennoch will der Funke diesmal nicht immer überspringen. Die Verbindung der einzelnen Handlungselemente wirkt nicht immer rund, auch wenn Willibald Metzger erneut in der für ihn typischen Art auftritt. Vielleicht mag es an der angesprochenen Gewalt liegen, die irgendwie fremd im Kosmos des Restaurators wirkt. Zwar sind skrupellose Familienclans aktueller denn je, aber auch für Raabs Verhältnisse wirkt es zu dick aufgetragen, dass sich der gemütliche Metzger mit ihnen auseinandersetzt.

Vielleicht ist aber der Kontrast zwischen der Kriminalität und dem Skurrilen des Romans diesmal vereinzelt zu groß. Die sehr ernste, bedrückende und nachdenklich stimmende Darstellung von Danjelas Vergangenheit und Raabs Wortwitz wollen nicht immer zusammenpassen - zu düster wirkt die Stimmung zum Teil, sodass manche an sich amüsanten Szenen dagegen zu albern erscheinen.

Fazit:

Raab-Fans werden auch diesmal begeistert sein: Sprachlich brennt der Autor erneut ein Feuerwerk ab. Selten aber hat Thomas Raab in dieser Deutlichkeit gesellschaftliche Missstände und soziale Kritik geübt - dies und die gewohnt humorvolle Darstellung seines Romans wollen nicht immer konform gehen. Raabs neuester Roman ist daher etwas anders - nicht weniger skurril, aber in gewisser Weise ernster. Aber vielleicht ist gerade dies ein Abbild unserer Zeit.

Die Djurkovic und ihr Metzger

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