Die Tote im Steinbruch

Erschienen: Februar 2021

Bibliographische Angaben

- Bd. 1 [Hanna Blum ermittelt]

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Thomas Gisbertz
Mäßig spannender erster Fall um Hanna Blum

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Mär 2021

Die 27-jährige Marie Herrendorf, Tochter wohlhabender Eltern, wird tot im Steinbruch bei Cleeberg, einem Dörfchen im Taunus, gefunden. Für Hauptkommissarin Hanna Blum deutet alles auf ein Gewaltverbrechen hin. Der Tat dringend verdächtigt wird Santiago Russo, Bewohner der nahegelegenen Rufus-Baldachin-Klinik für Menschen mit psychischen Problemen. Eingeschneit im Dorf ist die Kommissarin zunächst auf sich allein gestellt. Unterstützung erhält Blum aber vom ortsansässigen Psychologen Benedek Roth, der seit langem Russo in der Klinik betreut und früher auch polizeilicher Berater war.

Rechtsradikaler Hintergrund?

Der Fall scheint mit zunehmender Zeit wesentlich komplexer als zunächst gedacht: Das Opfer hat sich vor ihrer Ermordung wohl mit einem Unbekannten getroffen. Darüber hinaus hat Marie Herrendorf kurz vor ihrem Tod Kontakt zu Roth aufgenommen; dabei ging es um den literarischen Nachlass von Ludwig Bern, einem aus Cleeberg stammenden und während der Zeit des Nationalsozialismus beliebten Schriftstellers. Angeblich sammelte das Opfer Material und Gegenstände für ein Heimatmuseum. Auch Maries Freund Wigand Schmeichel, der der rechtsgerichteten „Vereinigung junger Deutscher“ angehört, scheint Interesse am Nachlass Berns zu haben. Hanna Blum kommt dem Täter mehr und mehr auf die Spur und deckt dabei ein düsteres Geheimnis auf.

Neue Reihe

Autor Jan Frederik Loh, 1982 in Gießen geboren, arbeitete nach dem Diplom in Sozialarbeit zehn Jahre in der Jugendhilfe Wetzlar. Er verfasste unter verschiedenen Pseudonymen bisher zwölf Romane und etliche Kurzgeschichten. Mittlerweile ist er hauptberuflicher Schriftsteller. Als Henri Bachmann veröffentlicht er nun bei Edition M seine Reihe um Hauptkommissarin Hanna Blum. Die Tote im Steinbruch ist bereits zuvor 2020 im Selbstverlag erschienen. Teil zwei der Reihe, Der Tod sagt die Wahrheit, wird voraussichtlich im September im Amazon-Verlag veröffentlicht.

Handwerklich schwach

Der von Autor Henri Bachmann erdachte Plot hat sicherlich Potential und die Handlung ist mit zunehmender Dauer auch spannender. Leider wird die wirklich gute Grundidee für eine oft zu oberflächliche, zum Teil auch banale Darstellungsweise aufgegeben. Dass der erste Fall von Hanna Blum insgesamt nicht überzeugen kann, hat gleich mehrere Gründe: Zunächst ist der Roman schlecht lektoriert. Besonders die fehlerhafte Verwendung der Tempusformen zu Beginn, fehlende Leerzeichen und im Bezug auf die Polizeiarbeit mitunter sachlich unkorrekte Formulierungen fallen ins Auge.

Dies wäre aber noch akzeptabel, wenn der Roman inhaltlich und in der Figurenzeichnung zu überzeugen wüsste. Leider ist dies aber nicht der Fall. Hanna Blum - um ein Beispiel zu nennen - ist dem Leser am Ende so fremd wie zu Beginn; es gibt keinerlei Annäherung an die Figur oder Sympathie für die Hauptkommissarin. Stattdessen wirkt ihr Auftreten oftmals sogar inkonsequent, was auch für ihren Chef, Kilian Huber, gilt. So wird der zunächst verdächtige Russo, der für Blum als Täter definitiv feststeht, plötzlich von sämtlicher Schuld freigesprochen, weil er behauptet, sein Psychologe Benedekt Roth hätte die Tat begangen. Hier wird wie an vielen Stellen deutlich, dass es der Autor noch nicht ausreichend versteht, falsche Fährten sinnvoll in die Geschichte einzubauen - sie wirken zu oft durchschaubar. Des Weiteren wird gefühlt so ziemlich jede Figur einmal im Laufe der Handlung verdächtigt - nur nicht der, den man sehr schnell in Verbindung mit dem beschuldigten Russo bringen würde.

Vermutungen statt Fakten

Statt solider Ermittlungsarbeit spekuliert Kommissarin Blum häufig einfach wild drauflos. Ihre Vermutung zum Beispiel, was es mit dem Nachlass des Nazi-Schriftstellers Bern auf sich hat und welches Geheimnis damit verbunden ist, erscheint zunächst absolut hanebüchen und eher aus einem Dan-Brown-Thriller entlehnt. Es gibt keinerlei triftige Gründe dafür, dass dies eine wahrscheinliche Lösung sein könnte. Letztendlich behält sie mit ihrer Vermutung aber recht. Auch bei Blums Vorgesetzten Huber und Staatsanwältin Burkhardt reichen vage Hypothesen aus, um weitreichende Maßnahmen zu ergreifen.

Henri Bachmann hätte außerdem vielleicht gut daran getan, Blum einen zweiten Ermittler an die Seite zu stellen und sich nicht nur auf die Figur des Psychologen Roth zu verlassen. Zum Glück für die Kommissarin gibt es zur Unterstützung noch den MOKO-Messenger (auf den der Autor permanent verweist), über den sich Blum mit den Kollegen austauschen kann. Dass darüber hinaus sämtliche Personen bei ihr in Verhören oder Befragungen einknicken und alles gestehen, da Blum ihnen gegenüber offen und empathisch auftritt, trägt nicht zwingend zu einer spannenden Ermittlungsarbeit bei.

Wenn der Autor am Ende versucht, die Handlungsfäden zusammenzuführen und offene Fragen zu klären, so geschieht dies durchaus durchdacht, und die Auflösung weiß zu überzeugen. Dennoch erfährt man am Schluss ein Detail, was einen laut lachen lässt. Warum der Autor darüber hinaus fast ausnahmslos Namen für seine Figuren wählt, die ähnlich wie das Gespräch mit Maries Eltern zu Beginn des Romans an eine alte Derrick-Folge erinnern, bleibt sein Geheimnis.

Fazit

Leider weiß der erste Fall von Hanna Blum noch nicht zu überzeugen, auch wenn der Kriminalroman zum Ende hin durchaus Fahrt aufnimmt. Insgesamt überwiegen aber Schwächen in der Figurengestaltung, der Handlung und im Erzählstil. Logische Fehler unterlaufen dem Autor nicht, aber zu oft muss man an der Glaubwürdigkeit der handelnden Personen zweifeln. Somit gelingt Henri Bachmann lediglich ein durchschnittlicher Roman, der leider nicht aus der breiten Masse herausragt.

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