Alte Erde

Erschienen: August 2020

Bibliographische Angaben

- HC, 224 Seiten

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Andreas Kurth
Alte Männer, schale Träume - und die brutale Wirklichkeit

Buch-Rezension von Andreas Kurth Nov 2020

Mit Dunkels Gesetz hat Sven Heuchert vor drei Jahren seinen ersten Roman vorgelegt, und der damaligen Linie bleibt er auch in Alte Erde treu: Es geht wieder um Menschen in einem abgelegenen und scheinbar vergessenen Landstrich, die sich irgendwie in ihrem Leben eingerichtet haben und mit Schicksalsschlägen umzugehen wissen. Gleichzeitig sind da schal gewordene Träume, deren Verwirklichung plötzlich in Reichweite scheint - wenn es nicht zur Kollision mit anderen Lebensentwürfen kommt ...

Ein jagender Genussmensch in der überaus tristen Provinz

Wouter Bisch ist Berufsjäger und betreut das Revier eines wohlhabenden Geschäftsmanns. Er ist ein Genussmensch - und konsumiert in der eher ärmlichen Gegend erstaunliche Luxusartikel: Bisch schätzt französischen Käse, raucht Zigarren der Marke Hoyo de Rey, und liest Ortega y Gasset. Und im Handschuhfach seines Geländewagens hat er einen russischen Revolver liegen - was selbst für einen Jäger ungewöhnlich ist, denn ein Nagant-Revolver wird in Deutschland von Waidmännern eher selten als Kurzwaffe geführt. Das alles lässt schon mal tief blicken.

Präsentiert werden diese Fakten im lakonischen Erzählstil, der für Sven Heuchert typisch ist, und der auch dafür verantwortlich ist, dass mir seine Romane so über alle Maßen gut gefallen.

Und dann ist da Thies Frühreich, der sich mit seiner Halbwelt-Braut Monique auf dem elterlichen Hof einquartiert, wo nur noch sein Bruder Karl wohnt. Das Paar hat einen Geldkoffer dabei, den Thies unter den Bodenbrettern in seinem alten Zimmer versteckt; bei dem Geld soll es sich um veruntreute Löhne von Wanderarbeitern handeln. Karl findet den Koffer, was sofort tiefgreifende Konflikte auslöst.

„Der Gestank von Reinigungsbenzin und verbrennendem Papier wehte durch das offene Fenster. Thies blickte über Karls Schulter. In dem flachen Teil des Hinterhofs, kurz vor dem Verhau, befand sich die Feuerstelle. Ein Windstoß blies heiße Asche über die Randsteine. Er griff nach dem Koffer, der auf dem Boden lag. Als er ihn hochhob, klappten die Deckel auseinander. Das Schloss war offen. Der Koffer leer. Das Lächeln in den Mundwinkeln seines Bruders verbarg nichts. Thies spürte Übelkeit in der Kehle.“

Die Handlung wird dann noch deutlich verwickelter, und das Oberthema ist ziemlich aktuell in vielen Gegenden mit entsprechender Struktur: Ein Projektentwickler kauft Land für ein geplantes Logistik-Lager auf. Da ist Unruhe vorprogrammiert unter den Landbesitzern, aber auch unter denen, die von ihnen abhängig sind. Heuchert stülpt diese neuen Probleme über das archaische Leben, das viele der Einheimischen führen - jagen, schlachten, saufen, überleben; Tiere und Natur, fressen und gefressen werden.

Existenzkrisen der ganz unterschiedlichen Art

Die Geschichte entwickelt einen seltsamen, ganz eigentümlichen Sog, und die Spannung wird kontinuierlich aufgebaut. Es geht immer um die Frage, wie es nun weitergeht, wie der jeweils andere auf die Handlungen reagieren wird. Es geht um die zwei Brüder, ihre offensichtliche Feindschaft und die Frau, die möglicherweise zwischen ihnen steht. Es geht um Wouter Bisch, der vor Jahren sein erwachsenes Kind verloren hat, und nun durch den Verkauf von Land möglicherweise auch noch seine Arbeit und Existenz verlieren wird. Und da ist noch Gustav Rio, der sein Land auch verkaufen und auswandern will.

Um nicht zu spoilern, werde ich mich zum dramatischen Finale nicht weiter auslassen. Karl Frühreich hat vor Jahren einen Unfall genutzt, um seinen Vater zu töten. Im Vergleich zu dem, was hier nun in den Schlussabschnitten des Romans passiert, ist das aber gar nichts. Es wird heftig, es wird überraschend, und es wird blutig. Ich habe den Schluss zweimal gelesen, um tatsächlich den Überblick zu haben. Grandioses Kopfkino - wer kann, sollte das Buch an einem Wochenende lesen; man mag es irgendwann nicht mehr aus der Hand legen.

Fazit

Über Dunkels Gesetz habe ich damals geschrieben, der Roman ziehe einen Farbschleier von der Wirklichkeit. In Alte Erde ist es umgekehrt - zum düsteren Abschluss der Geschichte wird ein dunkel gefärbtes Leichentuch über die ohnehin schon triste Realität in der provinziellen Einöde gezogen. Sven Heuchert versteht es meisterhaft, den Leser mit der brutalen Konsequenz seines Abschlusskapitels knallhart zu überraschen und mit offenem Mund dasitzen zu lassen. Dieser Provinz-Noir ist beste Kriminal-Lektüre und wird hoffentlich mal verfilmt, was ich mir auch schon für den Vorgängerband gewünscht habe.

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