Rache in Marseille

Erschienen: September 2020

Bibliographische Angaben

- TB, 336 Seiten

- Bd. 1

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Birgit Stöckel
Zara und Zoë - ein etwas mauer Start

Buch-Rezension von Birgit Stöckel Nov 2020

Zara von Hardenberg arbeitet als Europol-Beamtin im Bereich der internationalen Terrorabwehr. Sie gibt kaum etwas von sich preis, ist kühl, beherrscht und ein absolutes Ass in ihrem Job, da sie sich sehr rasch jedes noch so kleine Detail eines Tatortes einprägen kann und über Jahre hinweg nichts vergisst. Außerdem hat sie die Gabe, bevorstehende Katastrophen zu ahnen - nicht in allen Einzelheiten, aber die generelle Gefahr und die Richtung, aus der sie erwartet wird. Diese Fähigkeit ist es, die in ihr alle Alarmglocken zum Klingen bringt, als sie in dem Fall eines ermordeten jungen Mädchens in Marseille ermittelt. Die Tote stammt aus dem Senegal, ist muslimischen Glaubens und alles deutet auf islamistische Kräfte hin. Zara von Hardenberg hat allerdings auch eine Schwäche: Sie kann keine Regeln brechen, keine gesetzlichen zumindest. Daher weiß sie auch, dass sie die drohende Katastrophe nicht wird abwenden können.

Praktischerweise hat sie allerdings eine Zwillingsschwester - Zoë - die so ziemlich das Gegenteil von ihr ist: Sie kennt nur ein Gesetz, und das ist sie selbst. Von einem korsischen Paten ausgebildet, nennt man sie sowohl in Polizei- als auch Verbrecherkreisen „Fürstin der Unterwelt“. Bis auf Auftragsmorde verübt sie so ziemlich jedes der Menschheit bekannte Verbrechen, hat kein Problem damit, rote Linien zu überschreiten und sich das Recht ein wenig zurechtzubiegen, wo es nötig und möglich ist. Da sich beide wie das sprichwörtliche Ei dem anderen gleichen, liegt wenig näher, als dass Zoë die Stellung ihrer Schwester einnimmt und die Ermittlungen auf ihre Art vorantreibt. Da gibt es allerdings zwei Probleme: Zum einen hat Zara keine Ahnung, wo sich Zoë gerade aufhält - und zum anderen hat ihre ein paar Minuten jüngere Schwester eine buchstäbliche Mordswut auf sie …

Gute Ansätze, guter Aufbau, faszinierende Themen …

Das verspricht einen durchaus explosiven und interessanten Plot, vor allem, weil Alexander Oetker brandaktuelle Themen anspricht: Die Zustände in den französischen Banlieue (Vorstädten), Perspektivlosigkeit, Radikalisierung, Misstrauen gegenüber Polizei und Staat, Korruption, Islamisierung und Rechtsextremismus. Die Europol-Beamten können nur mit schwerbewaffnetem Schutz in die Vororte hineingehen, andernfalls würde man sie mit den Füßen voran wieder hinaustragen. Da Oetker lange Jahre Frankreich-Korrespondent für verschiedene Medienhäuser war, ist davon auszugehen, dass er weiß, wovon er schreibt. Selbst wenn man einen gewissen Anteil an dramaturgischer Freiheit, die sich Romanautoren nehmen, abzieht, bleibt noch genug Erschreckendes und kaum Fassbares übrig. Das ist eine mehr als explosive Situation.

Doch dieses vielversprechende Grundgerüst wird durch einige gravierende Mängel torpediert: Zum einen ärgern beim Lesen kleine Logikfehler, wie z.B. die Tatsache, dass ein Familienmitglied der Toten, der eine wichtige Rolle spielt, mal als Bruder, dann wieder als Cousin bezeichnet wird. Wenn es schon dem Autor selbst nicht aufgefallen ist, wieso dann nicht dem Lektorat? Zum anderen wird den Lesenden bereits der Einstieg etwas schwer gemacht, denn das erste Kapitel strotzt vor Fäkalsprache, bis hin zur detaillierten Beschreibung einer Blasenentleerung auf einem Rastplatz. Zum Glück zieht sich das nicht durch die ganze Geschichte, im weiteren Verlauf nimmt die Vulgarität deutlich ab.

… aber starke Mängel in der Figurenzeichnung

Das größte Manko ist jedoch die Figurenzeichnung: Zara ist so verschlossen, dass sie blass und fremd bleibt. Zoë hingegen ist zum Glück deutlich offener, doch bleibt die Beziehung zwischen den beiden undurchsichtig. In Rückblenden erfährt man zwar in groben Zügen den Grund für das Zerwürfnis, doch warum Zoë so rasch einwilligt, den Platz ihrer Schwester einzunehmen, nachdem das Wiedersehen der beiden einem hasserfüllten Drama gleicht, bleibt sehr nebulös. Da mittlerweile ein weiterer Band mit den beiden Schwestern erschienen ist, bleibt zu vermuten, dass Oetker sich vielleicht weitere Auseinandersetzungen und Erklärungen für später aufheben wollte. Allerdings führt das dazu, dass die Lesenden in diesem Band nicht abgeholt und in die Geschichte der Zwillinge hereingezogen werden. Und dann ist da noch Isaakson, Zaras schwedischer Partner bei Europol, der sicherlich ein guter Polizist ist, ansonsten jedoch so naiv, dass es an Dummheit grenzt und beim Lesen fast schmerzt. Als Zoë anstelle ihrer Schwester auftaucht, legt sie ein komplett anderes Verhalten an den Tag als Zara; das verblüfft Isaakson zwar, aber ansonsten lässt er sich begeistert darauf ein. Seine kaum vorhandenen Zweifel und das fehlende Nachforschen lassen ihn unglaubwürdig erscheinen.

Neben Zara, Zoë und Isaakson kommen noch viele anderen Figuren zu Wort - manchmal auch nur in einem Kapitel. Das ist sicherlich nicht jedermanns Sache, doch da sowohl Polizisten als auch Verbrecher darunter sind, baut sich vor dem Auge des Lesenden langsam der ganze Plot auf und man kommt nach und nach den Hintergründen auf die Spur. Eingestreute Zeitungs- und Blogartikel sowie Telefongespräche liefern weitere Hintergründe und runden den geschickten Aufbau ab.

Fazit

Rache in Marseille ist ein durchaus spannender Roman, der zu unterhalten weiß, aktuelle Probleme aufgreift und mit dem Motiv des „Doppelten Lottchens“ auch immer wieder für Witz sorgt. Doch wackelt die Handlung an einigen Stellen ganz erheblich, und insbesondere die Figurenzeichnung macht es einem schwer, sich völlig darauf einzulassen. So bietet die Geschichte dann auch kein tiefergehendes Leseerlebnis oder Befriedigung - das Buch gehört sozusagen zum Fast-Food des Genres.

Rache in Marseille

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