Vergeltung

Erschienen: November 2020

Bibliographische Angaben

- OT: V2

- aus dem Englischen von Wolfgang Müller

- HC, 368 Seiten

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Andreas Kurth
Raketen, stramme Nazis und mutige Frauen

Buch-Rezension von Andreas Kurth Apr 2021

Ende des Jahres 1944 ist der Krieg für Deutschland längst verloren. Nur fanatische Nationalsozialisten glauben noch an den Endsieg, der vor allem durch Wunderwaffen errungen werden soll, die der Führer angeblich in der Hinterhand hat. Dazu gehören auch die ballistischen Raketen, die in Peenemünde an der Ostsee entwickelt wurden, jetzt in Untertage-Produktion im Harz gefertigt und von Artillerie-Regimentern an der holländischen Nordsee-Küste auf die britische Hauptstadt London abgefeuert werden. Diese Ausgangslage nutzt Robert Harris für seine Mischung aus Polit- und Agententhriller.

Im Zentrum der kurzen Handlung stehen Rudolf Graf, ein deutscher Raketeningenieur, und Kay Caton-Walsh, eine britische Luftwaffenoffizierin. Die beiden dienen unterschiedlichen Regimen, kämpfen indirekt gegeneinander - und werden dann doch in eine höchst direkte und möglicherweise tödliche Konfrontation miteinander verwickelt, ohne vom jeweils anderen auch nur zu ahnen. Den spektakulären Auftakt der Handlung bildet der Start einer V2 im Wald in der Nähe von Scheveningen, an der niederländischen Nordseeküste. Wenige Minuten später stürzt die “Vergeltungswaffe”, ihrer ballistischen Flugbahn folgend, auf ein Wohnviertel der britischen Hauptstadt. Dort wird die Airforce-Offizierin Kay Caton-Walsh um ein Haar getötet, ihr verheirateter Liebhaber muss ins Krankenhaus gebracht werden. Dabei lehnt er ab, dass sie ihn begleitet.

Die Bemerkung zeigt ihr, dass ihre Beziehung keine Zukunft haben wird. Gleichzeitig ist sie durch den Raketenangriff überaus schockiert, und will unbedingt dabei helfen, diese tödlichen Attacken zu unterbinden.

Auf der anderen Seite der Nordsee sieht sich Rudolf Graf mit einem neuen nationalsozialistischen Führungsoffizier konfrontiert, der dem Artillerie-Regiment zugeordnet wurde, um die Kampfmoral der Männer zu überprüfen und hoch zu halten. Beim Begrüßungsessen für den neuen SS-Mann lässt sich Graf dann zu kritischen Bemerkungen hinreißen, was dem Regimentskommandeur überhaupt nicht gefällt.

“Was zum Teufel war denn das?”

“Was?”

“Kommen Sie mir bloß nicht so! Sie wissen ganz genau, was ich meine. Sie haben sich vor diesem Naziarsch aufgeführt wie ein vollkommener Defätist. Zwölfhundert Raketen! Das wirft ein schlechtes Licht auf uns alle.”

“Das ist kein Defätismus, Herr Oberst, das ist schlicht Realismus. Die Öffentlichkeit müssen wir vielleicht belügen, das verstehe ich - aber es hat doch keinen Sinn, dass wir uns selbst belügen, oder?”

“Keinen Sinn? Der Sinn ist, möglichst zu vermeiden, dass uns die Gestapo wegen Hochverrat einkassiert.”

Huber drückte ihn schier gegen die Wand und war so dicht vor ihm, dass Graf den Schnaps in seinem Atem riechen konnte.

“Sie haben das Scheißding mitgebaut. Und ihr habt es dem Heer aufgedrückt. Jetzt übernehmt auch die Verantwortung dafür!”

Rudolf Graf gehörte bei den Raketen-Konstrukteuren in Peenemünde zu den Wissenschaftlern der ersten Stunde, kennt Wernher von Braun, den Leiter des Projekts, bereits aus Studentenzeiten. Mittlerweile ist er allerdings vollkommen desillusioniert. Er wollte gemeinsam mit seinen Mitstreitern den Weltraum erobern - und ist jetzt Teil der Nazi-Wehrmacht. Die Ankunft des nationalsozialistischen Führungsoffiziers zeigt Graf, dass die Partei den fanatischen Durchhaltewillen der Truppe um jeden Preis aufrecht erhalten will.

Auf der anderen Seite des Ärmelkanals meldet sich derweil Kay Caton-Walsh für einen spektakulären Einsatz in Frontnähe im belgischen Mecheln. Dort stehen neue Radargeräte, die den Start der deutschen Raketen orten können. Mit den Daten der Flugbahn und der Einschlagpunkte in London sollen britische Soldatinnen die Startplätze der Deutschen berechnen. Britische Bomber nehmen das Raketen-Regiment dann tatsächlich ins Visier; sie verfehlen zwar ihr Ziel, scheuchen aber die Deutschen nachhaltig auf. Obwohl die V2 für Kurzstreckeneinsätze nicht konstruiert ist, entschließen sie sich zu einem spektakulären Gegenschlag, da sie durch Spione in Belgien von dem besonderen Einsatz erfahren haben - und urplötzlich geraten Kay und ihre Einheit ins Fadenkreuz der Artilleristen.

“Erbitte Bestätigung der Peilung.”

Der Corporal wartete. “Peilung bestätigt.” Er hörte wieder der Stimme am anderen Ende der Leitung zu. Jetzt machte auch er einen verblüfften Eindruck. “Die Rakete steigt, aber sie können keine Flugkurve erfassen, Sir.”

“Weil sie direkt auf uns zukommt.” Die Stimme des Wing Commanders war ruhig. “Lassen Sie Fliegeralarm geben. Alle in Deckung.”

Die V2, deren Motor per Funksignal abgestellt worden war, flog selbsttätig mit doppelter Schallgeschwindigkeit über Rotterdam hinweg.

Alle suchten nach einem sicheren Platz. Nur Kay nicht. Sie konnte einfach nicht glauben, dass es sie schon wieder traf.

Nach dem spektakulären Auftakt mit dem Raketenstart an der Nordsee gelingt es Robert Harris mit seiner gewohnt süffigen Erzählweise, den Leser von Beginn an in den Bann der spannenden Geschichte zu ziehen. Rudolf Graf und Kay Caton-Walsh sind dabei die so unterschiedlichen Antagonisten, die stellvertretend für eine Gruppe in ihrem jeweiligen Land stehen. Während Graf sich missbraucht und ausgenutzt fühlt und ständig Angst vor der SS und der Gestapo hat, ist Caton-Walsh entschlossen, alles dafür zu geben, diesen Krieg für Großbritannien zu einem siegreichen Ende zu führen.

Harris nutzt diesen interessanten Militär-/Spionage-Thriller, um dem Leser Hintergründe zum Raketenprogramm der Deutschen zu vermitteln - und er zeigt auch die Auswirkungen dieser Terror-Angriffe auf die Londoner Bevölkerung. Dabei gibt es eben auch längere Ausflüge in die Raketentechnik, die aber gerade noch kurz genug sind, um die Spannung nicht zu sehr zu beeinträchtigen. Der Autor hat hier, wie von ihm gewohnt, gründlich recherchiert. Für meinen Geschmack hätte Harris ein paar Seiten mehr schreiben dürfen, aber er zeigt auch in der Kürze der Handlung die ganze Sinnlosigkeit und Ressourcenverschwendung dieses deutschen Spezialprogramms.

Fazit

Robert Harris ist einem großen Publikum für seine historischen Thriller bekannt. In der komprimierten Handlung (es geht nur um fünf Tage im November 1944) vermittelt er mit viel Spannung einen guten Eindruck von der Stimmung auf beiden Seiten in diesem Schlussakt des Zweiten Weltkriegs. Klare Charaktere, authentische Dialoge und gut recherchierte Hintergründe machen das Buch zu einem höchst unterhaltsamen Leseerlebnis.

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Letzte Kommentare:
31.01.2021 18:10:18
Gelegenheitskommentierer

Ich habe das Buch in englisch gelesen, da es Ende Sommer noch nicht hier in Deutschland zu haben war. Mehr oder weniger zwei Handlungsstränge, deutscher und britischer Blickwinkel. Ich habe von Harris schon deutlich spannendere und komplexere Bücher gelesen. Sicherlich historisch interessant für jemanden, der wenig über das V2-Programm der Deutschen weiß, aber ansonsten eher schwach für Harris.

19.11.2020 17:34:44
HeSch

Spannendes Buch, wie andere von Robert Harris auch. Insbesondere die ausführliche Bibliografie am Ende ist hilfreich.

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