Hyde Away: Seelenschatten

Erschienen: November 2020

Bibliographische Angaben

- Staffel 1 (Folgen 1 - 10)

- Hörspiel (10 Audio-CDs)

- Label: Europa

- Studio: STIL

- Musik eingespielt vom Berliner Filmorchester unter der Leitung von Christian Hagitte

- Sprecher: Wolfgang Bahro, Petra Barthel, Ranja Bonalana, Marius Clarén, Lea Kalbhenn, Sebastian Kaufmane, Tobias Kluckert, Reinhard Kuhnert, Matthias Lühn, Christiane Marx, Viktor Neumann, Timmo Niesner, Dirk Petrick, Gordon Piedesack, Ben Reheuser, Lutz Riedel, Liane Rudolph, Lars Schmidtke, Karen Schulz-Vobach, Julia Stoepel, Ulrike Stürzbecher, Peter Sura, David Turba, Claudia Urbschat-Mingues u.v.m.
 

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Carola Krauße-Reim
Groschenroman im Hörspiel-Format

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Dez 2020

Nach einem Unfall vor vier Jahren leidet der Psychologe Steven Roberts an partieller Amnesie: Er weiß noch alles Fachspezifische seines Berufes, aber alle anderen Erinnerungen sind verschwunden. Das führt zu Spannungen im privaten Bereich; beruflich aber meint Roberts, eine neue Methode der Psychotherapie gefunden zu haben: Er glaubt, durch die Augen seiner Patienten in ihre Seele sehen zu können, und damit auf die Ursache ihrer Beschwerden. Der Privatermittler Hyde unterstützt ihn bei seinen Recherchen. Doch bald ist Roberts selber Mittelpunkt einer mysteriösen Geschichte, in der Geheimdienste und ein Dr. Kyle eine Rolle spielen …

‚Autor aus Leidenschaft‘

Christian Gailus ist ein Tausendsassa: Er schreibt Bücher, Hörbücher und Hörspiele und mischt in Radio & TV mit. Er selbst bezeichnet sich als „Autor aus Leidenschaft“, wobei diese Leidenschaft wohl eher für weniger anspruchsvolle Inhalte brennt. So auch bei Hyde Away: eine aus 10 einzelnen Episoden zusammengesetzte Geschichte, die am Anfang noch ganz interessant ist, sich dann aber immer abstruser und unglaubwürdiger gestaltet, bis der Schluss dem Ganzen final die Krone aufsetzt. Schon allein der Gedanke, durch die Augen von Patienten in deren Seele sehen zu können, ist so abwegig - und dennoch baut hierauf die ganze Handlung auf. Was sich daraus für die persönliche Geschichte des Dr. Roberts entwickelt, ist an Unglaubwürdigkeit nicht mehr zu überbieten, und der Mangel jeglicher Logik traurige Tatsache während des gesamten Hörspiels. Man kann einfach nicht völlig und in Gänze auf Wahrscheinlichkeit und Logik verzichten, wenn man eine durchgehend spannende Story erreichen will - sonst blendet sich der kopfschüttelnde Hörer irgendwann aus und die Geschichte wird nur noch zu einem Hintergrundrauschen oder „Beifang“ während anderer Tätigkeiten.

Viel Lärm um nichts

Bei Hörspielen wird die Vorstellungskraft des Hörers aktiviert und das Kopfkino angeschaltet – das man nicht alles visuell vorgekaut bekommt, macht ja gerade den Reiz aus. Doch dafür ist eine präzise Präsentation des rein akustischen Geschehens nötig. Die Stimmen sollten different sein, damit man sie gleich der entsprechenden Person zuschreiben kann; die Hintergrundgeräusche sollten die Umgebung und die Handlungen eindeutig machen und bei jeder neuen Szene sollte der Zuhörer gleich wissen, mit wem er es wo zu tun hat. Das alles ist bei Hyde Away selten der Fall: Die Stimmen sind, bis auf wenige Ausnahmen, kaum zu unterscheiden; lediglich der übertriebene Gossenslang des völlig überzogen dargestellten Privatermittlers Hyde macht ihn sofort erkennbar. Alle anderen Personen sind, im besten Falle, erst nach einigen Sätzen zu identifizieren. Da hilft auch die oft sehr lange und überlaut dramatische Musik zur Einführung einer neuen Szene nichts, denn sie bietet keine Erkennungsmelodie für eine Person oder eine Situation. Bei den teilweise sehr kurzen Sequenzen kann es vorkommen, dass man erst am Ende realisiert, wer hier eigentlich agiert hat. In den Szenen selbst wird zwar viel geschnauft, die Nase hochgezogen und laut schlürfend Tee getrunken, aber viel zu selten wird der Hörer in die Aktionen mitgenommen - was ja eben alles akustisch gut herausgearbeitet passieren muss. Wenn der Hörer dennoch nicht aufgibt, kann es an der Tatsache liegen, dass man bis zum Schluss zwar erahnt, was und wer alles hinter den mysteriösen Machenschaften steckt, man aber eigentlich nicht glauben kann, dass es wirklich auf so ein Absurdum hinauslaufen kann (was es aber tut) und man immer auf eine entscheidende Wende zu einem glaubhaften Ende hofft.

Staffel 1?

Seelenschatten ist als die 1. Staffel angekündigt. Wie allerdings weiterführende Staffeln aussehen sollen, ist mir schleierhaft: Der Schluss dieser 10 Episoden vermittelt den Eindruck einer endgültig abgeschlossenen Geschichte und lässt einer Weiterentwicklung keinen Raum. Wenn also eine 2. Staffel kommt, dürfte sie eher noch weniger Bezug zur Realität haben als diese. Nur ganz eingefleischte Fans von Dr. Roberts und Privatermittler Hyde könnten dann noch Interesse haben.

Fazit

Ein Hörspiel für Erwachsene ist eine geniale Idee und bietet eine Abwechslung zu den ansonsten zahlreichen Hörbüchern. Jedoch krankt Hyde Away an einer unlogischen und unglaubwürdigen Geschichte, die auch nicht durchgängig gut aufbereitet wurde. Für Hörer, die sich ganz einem Hörspiel hingeben wollen, ist Hyde Away aus diesen Gründen nicht zu empfehlen. Wer aber eher eine Hintergrundunterhaltung haben will, kann es ja einmal versuchen.

Hyde Away: Seelenschatten

Hyde Away: Seelenschatten

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