Ich war's, ich war's!

Erschienen: Januar 1963

Bibliographische Angaben

- OT: Lady, Lady, I did it!

- aus dem Englischen von A. B. Noack

- TB, 159 Seiten

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Michael Drewniok
Richtige Frau zur falschen Zeit am falschen Ort

Buch-Rezension von Michael Drewniok Sep 2020

Ein Mann dringt bewaffnet in eine Buchhandlung ein, wo er vier Kunden über den Haufen schießt und verschwindet, ohne den Versuch gemacht zu haben, die ohnehin kaum gefüllte Kasse zu leeren. Selbst die abgebrühten Beamten des für diesen Fall zuständigen 87. Polizeireviers sind von der Bluttat schockiert. Für den jungen Bernd Kling bricht eine Welt zusammen: Unter den Opfern entdeckt er die junge Claire Townsend - seine Verlobte! Damit gewinnt dieser Mehrfachmord eine neue Dimension: Polizisten halten zusammen! Wer einem der ihren etwas antut, ruft auch die anderen auf den Plan.

Noch gründlicher als sonst ist die Suche nach dem Täter. Doch aller Eifer scheitert lange am Fehlen aussagekräftiger Indizien. Die wenigen Zeugen widersprechen sich, und ein ‚Sinn‘ lässt sich hinter diesem Massenmord nicht entdecken - es sei denn, der Täter hatte es auf bestimmtes Opfer abgesehen und die übrigen Kunden umgebracht, weil sie schlicht im Weg standen.

Also durchleuchten die Polizisten die Vorleben der Opfer. Alle hatten sie Geheimnisse, doch war eines davon der Auslöser? Erst der Fund einer zweiten Leiche bringt Bewegung in den Fall: Erneut starb eine junge Frau - und sie war mit Claire gut bekannt! Gab es ein geheimes, womöglich kriminelles Doppelleben, das sie vor ihrem Verlobten, dem Polizisten, erfolgreich verborgen hat? Kling will daran nicht glauben, während die Maschinerie der polizeilichen Ermittlungen unbarmherzig weiterarbeitet und bedenkliche Tatsachen über Claire zutage fördert …

Niemand ist wirklich sicher

1956 hatte Ed McBain seine Serie um das „87. Polizeirevier“ gestartet. Nur fünf Jahre später erschien mit Lady, Lady, I Did It! bereits der 14. Band. Diese Veröffentlichungsfrequenz kündet vom Erfolg der Reihe, was ihren Verfasser selbstverständlich freute, während er gleichzeitig vor einem Problem stand: Wie konnte er seine Leser weiterhin halten? Die Pflege einer Serie ist schwierig, denn jede Fortsetzung weckt Erwartungen, die erfüllt werden müssen, während das Spektrum interessanter Plots beschränkt ist. Gleichzeitig dürfen die Grenzen des eingeführten Mikroversums nicht gar zu weit überschritten werden: Die Fans schätzen feste Strukturen und scharfgezeichnete Figuren, während gleichzeitig Neues geboten werden soll - ein Paradoxon, dem kaum ein Serien-Autor auf Dauer gewachsen ist.

McBain gehörte zu den schriftstellerischen Profis, die in langen Laufbahnen erfolgreich bleiben, weil sie das Bewährte bedienen, ohne es altmodisch wirken zu lassen. Dies erfordert in erster Linie die Beherrschung des Handwerks: Geschichtenerzähler leben nicht vom schöpferischen Funken (allein). Sie stützen sich auf einschlägige Erfahrungen und setzen auf elementare Tricks, die im Kontakt mit dem Publikum ausprobiert und geschliffen werden. Dass die Serie um das „87. Revier“ ein halbes Jahrhundert lief und erst mit dem 55. Band endete, lag am Tod des Verfassers, der sie problemlos weiter am Leben gehalten hätte.

Ich war’s, ich war’s! profitiert von einer Einschränkung, die der wendige McBain zu seinem Vorteil nutzt und in den Plot integriert. Die Hauptfiguren aus dem „87. Revier“ können zwar unter Druck gesetzt und verletzt werden, ihren Tod würde die Leserschaft mehrheitlich nicht dulden. In jeder Serie gibt es jedoch Nebenfiguren, die am Rand des Geschehens agieren und durchaus beliebt werden können, ohne deshalb ‚Bestandsschutz‘ zu genießen; das muss nun Claire Townsend erfahren, die McBain schon im zweiten Band der Serie eingeführt hatte.

Das Leben ist kein Märchenland

Polizisten führten auf dem Papier bereits vor Ed McBain ein hartes Leben: Lange Arbeitszeiten, niedriger Lohn, Kritik von oben, Misstrauen von unten, eine Kugel aus dem Hinterhalt - die Liste kann problemlos verlängert werden. Als Ich war’s, ich war’s! erschien, hatte sich das auch im Krimi lange obligatorische Happy-End - das Gesetz siegt, und die Welt ist ein Stück besser geworden - in Nichts aufgelöst. Die Welt war sarkastischer - oder klüger - bzw. „noir“ geworden. McBain griff das für seine Serie auf, wobei er klug dosierte und seine Leser unterhielt, ohne es zu übertreiben = zu predigen.

Der Tod von Claire Townsend ist kein simpler Effekt, der selbstzweckhaft für Schrecken sorgen soll, sondern der Beginn eines Dramas, das die ‚Überlebenden‘ ins Zentrum rückt: Claire ist tot, doch Bernd Kling lebt; er muss den Horror erleben, dass seine Verlobte umgebracht wurde, und sich gleichzeitig als Polizist sachlich damit beschäftigen. Gelingt ihm das nicht, wird man ihn von den Ermittlungen ausschließen. Das müsste man ohnehin, doch das 87. Revier ist nicht nur Arbeitsplatz, sondern auch Stützpunkt einer Gruppe, deren Mitglieder über ihren gefährlichen Dienst quasi familiäre Kontakte knüpfen.

Die Notwendigkeit eines solchen Netzes wird dadurch unterstrichen, dass auch Klings Kollegen Claire Townsend kannten und mochten. Nun ist sie tot, und die Polizeiarbeit erfordert es, keinen Aspekt ihres Lebens unberücksichtigt zu lassen. Auch oder gerade im Privaten - einschließlich der Beziehung mit Kling - könnte sich der Hinweis auf den Mörder verbergen. Diese ‚Entblößung‘ noch nach dem Tod beschreibt McBain eindringlich - und ohne die Handlung in Sentimentalitäten zu ersticken - als zusätzliche Belastung, denn niemand stochert gern dort herum, wo es Freunden wehtut.

Das Böse ist schrecklich - banal

Ich war’s, ich war’s! bietet nicht nur ein ‚psychologisches Drama‘, sondern auch einen vertrackten Kriminalfall. McBain gibt sich große Mühe, uns ein Verbrechen ohne Motiv vorzustellen. Die erfahrenen Beamten nehmen die Vorgeschichten sämtlicher Opfer unter die Lupe. McBain sorgt dafür, dass sich stets verdächtige Indizien finden, die sich letztlich in Nichts auflösen.

Der Frustrationspegel steigt, zumal der Autor den Zufall als Helfer ausschaltet. Man ermittelt, bleibt erfolglos, die Erschöpfung nimmt zu und damit die Fehlerquote. Erst ein weiterer Mord sorgt für jenes lose Ende, das die Männer vom 87. auf die richtige Spur bringt. Der begangene Fehler ist plausibel, sodass weder die ‚Guten‘ noch der ‚Böse‘ das gern heraufbeschworene kriminalistische bzw. kriminelle Genie an den Tag legen. Tatsächlich enthüllt sich ein erbärmliches Verbrechen, das die Sinnlosigkeit des Massenmords unterstreicht.

Am Ende steht kein Triumph, sondern das Bemühen, mit dem Erlebten fertigzuwerden. Bert Kling wird es nicht einfach abschütteln. McBain nutzte die Möglichkeiten der Serie, indem er Handlungsfäden in späteren Bänden wieder aufgriff. Die Beamten vom 87. Revier altern zwar nicht, doch sie reifen durch ihre Erfahrungen. Dies zu berücksichtigen, ohne sich dabei vom Wust der Serien-Vergangenheit überwältigen zu lassen, ist dann doch eine Kunst, die der Handwerker McBain beherrschte.

Fazit

Im 14. Roman seiner Serie über die Fälle des 87. Polizeireviers präsentiert Autor McBain nicht nur einen verwickelten Plot, sondern auch ein Drama. Der Fall wird ebenso unerwartet wie logisch aufgelöst, Gefühle wie Trauer und Zorn werden (vergleichsweise) unsentimental dargestellt: Das Leben sorgt für bizarre Geschichten, die viele Schriftsteller sich nicht zu erzählen trauen. Ed McBain geht es an und spinnt daraus einen spannenden und emotionalen Krimi.

Ich war's, ich war's!

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