Spanische Dukaten

Erschienen: Januar 1963

Bibliographische Angaben

- OT: Sanctuary Isle

- aus dem Englischen von Heinz Otto

- HC, 182 Seiten

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Michael Drewniok
Schottische Schatzinsel lockt mörderische Besucher

Buch-Rezension von Michael Drewniok Sep 2020

Inspektor Colin Thane und Sergeant Phil Moss von der Millside-Außenstelle der Kriminalpolizei Glasgow verschlägt es in ihrem aktuellen Fall an die schottische Westküste: Auf Sanctuary Island, einer nur von seltenen Seevögeln bewohnten Insel, wurde Lewis Tineman, der Vogelschutzwart, tot am Strand gefunden. Der Kapitän im Ruhestand wurde mit Akonitin vergiftet; mit der tödlichen Substanz hatte der Mörder Tinemans Whisky versetzt, was bei dem stets durstigen Seebären unweigerlich zum Tode führen musste.

Die Städter Thane und Moss geraten unter kernige Fischer, die es als Schwarzbrenner und Wilderer mit dem Gesetz nicht sehr genau nehmen. Giftmord ist hier allerdings nicht an der Tagesordnung; Streitigkeiten werden mit den Fäusten oder dem Bootshaken ausgetragen. Zu dem Mord muss es eine bisher unbekannte Vorgeschichte geben. Verdächtig sind: Willie MacPherson, Schiffer und Schwarzbrenner, der auch Kapitän Tineman mit seinem im Ort berühmten Whisky versorgt hat; Finn Preston, Seehund- und Haifischjäger, der Geld verlor, weil er Sanctuary Island nicht mehr anlaufen durfte; Royan Sonders, ein südafrikanischer ‚Geschäftsmann‘, der mit seiner Jacht selten dort zu finden ist, wo man ihn finden möchte.

Eigentlich gehört auch Edgar Hollis, ein Repräsentant jener Gruppe, die Sanctuary Island als Schutzgebiet erwarb, zum Kreis der Verdächtigen; er scheidet aus, als man ihn mit zertrümmertem Schädel aus der See fischt. Allmählich wird deutlich, dass es um viel Geld geht: Womöglich ist Sanctuary Island der Ort, an dem 1588 ein Schatzschiff der Spanischen Armada versank. Hat Kapitän Tineman einen Hinweis entdeckt, der ihn das Leben kostete, weil er im Suff den Mund nicht halten konnte? Nur so lange der Schatz noch nicht gehoben ist, werden die Verdächtigen am Ort des Verbrechens bleiben. Eile ist also geboten, will die Polizei den Mörder fassen …

Modernes Goldfieber & altmodische Mordlust

Ian Rankin, Stuart MacBride, Ken Bruen, Tana French… Angesichts des erst aktuell kopfstarken Auftretens dieser Autoren auf dem (deutschen) Buchmarkt könnte man meinen, der schottische Kriminalroman existiere erst seit wenigen Jahren. Dabei gibt es durchaus eine Tradition nordenglischer Autoren, auf deren Liste Bill Knox eine prominente Position einnimmt.

In seinen zahlreichen Krimis findet man bereits alles, was den „tartan noir“ berühmt und beliebt gemacht hat: Spannung, markante Figuren, trockener Witz. Hinzu kommt jene schlanke Erzählweise, die in der Gegenwart vielhundertseitiger Seifenoper-Krimis zu Unrecht ausgestorben ist. Als Sahnehäubchen gibt es in Spanische Dukaten die wildromantische Kulisse der westschottischen Atlantikküste dazu.

Bill Knox kannte Land und Leute, mit der zeitgenössischen Polizeiarbeit kannte er sich ebenfalls aus, und schreiben konnte er auch. Kein Wunder, dass ein eigentlich altmodischer Krimi, der kein schnurriger „Whodunit“, sondern ein ökonomisch entwickelter, zu seiner Zeit durchaus moderner Thriller ist, seinen Unterhaltungswert bewahren konnte.

Das Meer löscht nicht alle Spuren

Schon die Einleitung ist eine Lektion für allzu ausschweifende Autoren: Knox integriert die Vorstellung des Schauplatzes in die Handlung. Beschreibungen finden die Leser dort, wo etwas geschieht und die beiden Hauptfiguren agieren. Kein Wunder, dass Spanische Dukaten ein Roman ohne Leerlauf ist.

Der Fall ist nicht nur deshalb interessant, weil die abgelegene, menschenleere, von tückischen Klippen umgebene Insel Sanctuary eine ganz besondere Variante des von innen verschlossenen Mordzimmers darstellt. Hier ist Spanische Dukaten doch ganz „Whodunit“, denn der Mord an Kapitäne Tineman ist offensichtlich eine nicht unmögliche, aber raffiniert eingefädelte Übeltat.

Überraschend aber stimmig ist der historische Hintergrund, der in der zweiten Hälfte dem Geschehen einen Rahmen gibt: Die Abwehr der in jeder Hinsicht überlegenden Spanischen Armada Anno 1588 ist nicht nur ein stets präsentes Ruhmesblatt der englischen Geschichte - dieses Ereignis führte auch dazu, dass nicht nur im mittelamerikanischen Schlick, sondern auch in den Untiefen der britischen Küstengewässer zahlreiche Wracks spanischer Galeonen ruhen, deren Ladung Anlass zu goldreichen Spekulationen bieten. Der Kreis schließt sich, weil Goldfieber als Mordmotiv zeitlos ist. Hinzu kommt in England eine Gesetzgebung, die Schatzgräber in die Illegalität zwingt, da an den Staat fällt, was gefunden wird; eine Regel, die Knox für einen hübschen Schlussgag nutzt.

Romantik mit Widerhaken

Historisch ist auch eine maritim geprägte Alltagswelt, die Knox ohne falsche Romantisierung schildert. Der Leser zuckt heute unwillkürlich zusammen, wenn Finn Preston wieder einen Seehund oder einen Riesenhai mit Schrotflinte oder Harpune erlegt: Seehunde galten vor gar nicht langer Zeit tatsächlich als Schädlinge, auf die sogar Kopfprämien ausgesetzt wurden, während aus der Leber des Riesenhais ein sehr feines Öl zur Schmierung empfindlicher Maschinen gewonnen wurde. Kein Wunder, dass beide Tierarten heute mit Nachdruck geschützt werden müssen!

Das Leben an der Nordseeküste ist einfach und hart. Knox geht immer wieder auf die Probleme einer Gesellschaft ein, die noch ohne Einnahmen aus dem Tourismus ihren Lebensunterhalt dem Meer förmlich entringen muss. Willie MacPherson hat mindestens vier Jobs, um über die Runden zu kommen, und der Bestatter hat sich einen Krankenwagen angeschafft, um seine Auftragssituation zu verbessern: „Nun, es konnte nicht schaden, gleich einmal Maß zu nehmen - für den Fall, dass doch ein Sarg gebraucht wurde. Dazu war an der Bahre eine unauffällige Messskala angebracht.“ (S. 157) Solche Details sind nicht nur urkomisch, sie ersetzen auch tausend beschreibende Worte.

Markante Figuren im Serieneinsatz

Als Bill Knox 1957 mit Deadline for a Dream (dt. Aus sicherer Quelle) seinen ersten Kriminalroman schrieb, wurde dieser nur zufällig der erste einer Serie, die mehr als vier Jahrzehnte lief und 24 Bände umfasst. Knox wollte als Schriftsteller seinen Lebensunterhalt verdienen. Er ging dies schottisch-pragmatisch an: Als der genannte Roman sich gut verkaufte, ging Knox in die Serienproduktion. Dabei verhielt er sich überaus ökonomisch; so formte er seine beiden Hauptfiguren nur vage aus und beschränkte sich auf einige grundsätzliche Charakterzüge, die zukünftig immer wieder Erwähnung fanden.

Colin Thane ist somit vor allem Polizist - ein entschlossener Ermittler, hinter dessen ruhiger Fassade die Ungeduld nicht immer im Zaum gehalten bleibt. Privat ist Thane verheiratet und Vater, Besitzer eines kleinen Eigenheims mit Garten, zu dessen Pflege die Freizeit niemals reicht. Sergeant Phil Moss ist Wasserträger und Ratgeber seines Chefs und Freundes; er ist außerdem für humorvolle Einlagen zuständig, die sich primär aus seinem Doppelstatus als Junggeselle und Hypochonder speisen.

Mit romanübergreifenden Handlungssträngen, die mit den Jahren zu einer privaten Parallelgeschichte der Hauptfiguren zusammenfließen, hält Knox sich dagegen zurück. Die Ära der ‚menschelnden‘ Verbrecherjäger, deren außerberuflicher Stress mindestens ebenso stark ausgeprägt wie der Druck im Dienst ist, erlebte er zwar noch mit, ohne sich ihr jedoch stärker als nötig zu beugen. Das macht seine Romane heute zum Tipp für Krimi-Freunde, die ihre Lieblingslektüre knapp und ohne künstliche Zusätze wünschen.

Fazit

Der Giftmord an einem Vogelschutzwart an der schottischen Atlantikküste ruft die Polizei auf den Plan, die unter Fischern, Wilderern und Touristen dem Täter beinahe zu spät auf die Schliche kommt: In kundig dargestellter maritimer Kulisse spielt der spannende, sauber geplottete und mit einprägsamen Figuren besetzte fünfte Kriminalroman um das schottische Ermittlerteam Thane & Moss - eine erfreuliche Wiederentdeckung!

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