Das dunkle Flüstern der Schneeflocken

Erschienen: Oktober 2020

Bibliographische Angaben

- aus dem Isländischen von Ulrich Thiele

- Broschur, 432 Seiten

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Carola Krauße-Reim
Nur bedingt ein Krimi für ältere Semester

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Nov 2020

Sif Sigmarsdóttir schreibt Kinder- und Jugendbücher, die vor allem in Island großen Anklang finden. Auch bei dem vorliegenden Buch ist die Zielgruppe Jugendliche ab 14 Jahren, was sich natürlich in Plot und Stil niederschlägt.

Nordic-Noir für Jugendliche

Hannah ist 16 Jahre alt und hat so gar keine Lust auf Island. Doch ihre englische Mutter ist gestorben und ihr isländischer Vater hat ihr ein Praktikum als Journalistin bei einer Tageszeitung in Reykjavík angeboten. Was sich anfangs wie ein notwendiges Übel anfühlt, wird bald zur spannenden Angelegenheit. In einem Interview lernt Hannah die junge Influencerin Imogen Collins kennen, die kurz darauf unter Mordverdacht verhaftet wird. Hannah beginnt zu recherchieren - und bringt sich damit in große Gefahr ...

Imogen und Hannah - die Heldinnen der Geschichte

Imogen und Hannah sind beide mit 19 und 16 Jahren im Zeitalter der Social Media aufgewachsen; für sie gehören Facebook, Instagram, Twitter und wie sie alle heißen zum täglichen Leben. Die Anzahl der Likes ist genauso wichtig wie essen und schlafen. Für Imogen bedeutet der Erfolg ihrer Posts dazu bares Geld, immer neue Gratis-Klamotten, die Bewunderung ihrer Follower und natürlich Einfluss auf ihre Zielgruppe, was ja Sinn und Zweck von Influencern ist. Doch sie hat auch einen Job in einer Marketingfirma, für den sie ihr Studium in Cambridge geschmissen hat - und genau der führt sie jetzt nach Island.

Die Autorin schickt mit Imogen und Hannah zwei Protagonistinnen ins Rennen, mit denen sich junge Erwachsene mit Sicherheit besser identifizieren können als ältere Semester – muss ja auch so sein, beim angepeilten Zielpublikum. Die beiden jungen Frauen sind sehr unterschiedlich und haben dennoch einige gleiche Nenner, die Sigmarsdóttir auch gut vermittelt: ihre Verletzlichkeit, ihre Suche nach Geborgenheit und ihr Bewusstsein, dass die Social-Media-Welt von „einem endlosen Strom aus Liebe und Anerkennung“ ganz schnell in einen Shitstorm umschlagen kann und man „im digitalen Ozean“ genauso schnell gehypt wie vergessen ist. Die Charakterisierung dieser beiden jungen Heldinnen ist geglückt: Hannahs schwierige Lebensumstände mit einer alkoholabhängigen Mutter; einem Vater, der seinem Job mehr Zeit opfert als seiner Familie; ihre Einsamkeit, aber auch ihr starker Wille sind ihr Hintergrund, der manchmal auch zwischen den Zeilen zu finden ist. Auch Imogens gequältes Ich wird immer offensichtlicher: Mit ihr hat die Autorin sehr einfühlsam die positiven, wie auch die negativen Seiten der Social-Media personalisiert; Erfolg und Geld bedeuten nicht immer auch ein sorgloses Leben.

Eine Geschichte, die manchmal hakt

Sigmarsdóttir hat den Versuch gestartet, einen Nordic-Noir für Jugendliche und junge Erwachsene zu schreiben – kein leichtes Unterfangen, ist dieses Genre doch geprägt von der sprichwörtlichen Düsternis gepaart mit Gesellschaftskritik und Einblick in menschliche Abgründe, oft zusammen mit hoch dosierter Gewalt. Bis auf die Gewalt (die ja auch nicht unbedingt sein muss) hat es die Autorin aber geschafft - die Kritik an der alles bestimmenden Social-Media-Gesellschaft ist nicht zu überlesen, die menschlichen Abgründe mit der Me-Too-Thematik auch abgedeckt und die Dunkelheit und Kargheit Islands tut den Rest. Und dennoch hakt die Geschichte: Sie wirkt konstruiert, wenig homogen und manchmal wäre eine eingehendere Recherche auch vonnöten gewesen, die nervige Fehler hätte vermieden können. So dürfen z.B. 16-Jährige in Island kein Auto fahren, und für die Einreise nach Großbritannien brauchen Isländer kein Visum. Dass sie dann auch noch zwei sehr junge Frauen so abgeklärt agieren lässt, nimmt der Geschichte viel an Glaubwürdigkeit – jedenfalls für einen älteren Leser. Vielleicht hat die Autorin etwas zu viel gewollt und so den Plot überladen, denn die Lösung ist auch wenig plausibel und sehr realitätsfern. Aber obwohl es dem Thriller an Plausibilität und Logik mangelt, hält er eine durchgehende Spannung aufrecht - und das immerhin auf mehr als 400 Seiten.

Der Stil ist dem Thema angemessen

Zwei Protagonistinnen, zwei Zeitebenen, zwei Perspektiven: Hannah erzählt ihren Part aus der Ich-Perspektive in der Gegenwart. Imogen wird durch einen personalisierten Erzähler repräsentiert, der es allerdings nicht schafft, ihre Gefühle und Gedanken zu transportieren, und so kratzt der Leser bei ihr oft nur an der Oberfläche. Ihre Kapitel sind teilweise Rückblenden in eine Zeit kurz vor den gegenwärtigen Ereignissen. Was sich aber wie ein roter Faden durch das ganze Buch zieht, ist der abgehackte und stakkatohafte Schreibstil, der zugegeben dem Thema angemessen ist und die Diktion und Syntax von Social-Media-Beiträgen anschaulich repräsentiert, aber auf Dauer keinen Spaß macht. Eingangs eines jeden Kapitels wird ein Post von Imogen oder Hannah wiedergegeben, der natürlich diesen Schreibstil haben muss, aber für den Rest der Geschichte hätte ich mir einen ausgefeilteren und narrativeren Stil gewünscht. So aber sind alle Sätze kurz gehalten, die Informationen werden dem Leser um die Ohren gehauen und selbst Gedanken und Dialoge werden telegramm- oder besser postartig formuliert. Aber auch hier sollte man das Alter der Zielgruppe nicht aus den Augen verlieren, die vielleicht gerade diesen Stil authentisch findet.

Fazit

Das dunkle Flüstern der Schneeflocken ist ein für Jugendliche geschriebener Spannungsroman, und die beiden jungen Heldinnen werden diese angepeilte Zielgruppe auch mit Sicherheit begeistern. Etwas ältere Leser allerdings sind bei Thrillern von Sigurðardóttir, Indriðasson, Jónasson und Co. besser aufgehoben.

Das dunkle Flüstern der Schneeflocken

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