Der Hyazinthen-Mörder

Erschienen: Mai 1995

Bibliographische Angaben

  • Originalausgabe erschienen unter dem Titel „Singing in the Shrouds“

    - London : William Collins/Collins Crime Club 1959

    - Bern - Stuttgart - Wien : Scherz Verlag 1960 [Die schwarzen Kriminalromane 131]. Übersetzung: N. N. 191 S.

    - München : Heyne Verlag 1980 [Heyne Crime Classics 1879]. Übersetzung: N. N. 191 S.

    - München : Goldmann Verlag 1987 [Goldmann Krimi 5036]. Übersetzung: N. N. 191 S.

    - München : Goldmann Verlag 1.1.1995 [Goldmann Krimi 5900]. Übersetzung: N. N. 191 S.

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Michael Drewniok
Unruhige Seereise mit tatendurstigem Serienwürger

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mär 2021

In London geht die von der Presse eifrig geschürte Angst vor dem „Blumen-Mörder“ um: Bei Nacht und Nebel fällt er über Frauen her, erwürgt sie, bedeckt ihre Leichen mit Schnittblumen und entfernt sich, wobei er ein Liedchen singt. Zwei Opfer sind bereits zu beklagen, ein drittes findet sich im Hafen.

Einzige Spur ist der Fetzen einer Bordkarte, die zwischen den starren Fingern steckt: Sie wurde für einen der Passagiere ausgestellt, die direkt nach dem Mord an Bord der „Cape Farewell“ eine Reise nach Südafrika angetreten haben. Das Schiff ist eigentlich ein Frachter, der aber zum Leidwesen des bärbeißigen Kapitäns Jasper Bannerman auch Platz für neun zahlende Passagiere bietet.

Die Polizei geht davon aus, dass der Mörder sich unter den männlichen Passagieren befindet. Da die „Cape Farewell“ bereits abgelegt hat, soll die Ermittlung auf hoher See stattfinden, was den Vorteil bietet, dass der Täter nicht die Flucht ergreifen kann. Zuständig für den Fall ist Chefinspektor Roderick Alleyn von Scotland Yard; er kommt inkognito an Bord.

Dabei steht er unter Druck, denn bisher hat der Täter pünktlich an jedem zehnten Tag zugeschlagen - hält er sich an dieses Schema, wird sich bald ein weiterer Mord ereignen, Unter den Passagieren gibt es einige potenzielle Opfer. Deshalb versucht Alleyn den Täter aus der Reserve zu locken - doch dessen Maske sitzt. Der Tag des nächsten Mordes rückt näher, und es gibt eindeutige Anzeichen dafür, dass der Würger seinen ‚Zeitplan‘ einzuhalten gedenkt …

Wo Flucht unmöglich ist

Auf der Suche nach der isolierten Stätte, die einen Mörder, sein/e Opfer und den Ermittler bis zum bitteren Ende = bis zur Auflösung des Falls zur Gruppenbildung zwingt, konnte es nicht lange dauern, bis Autorinnen und Autoren auf den Ozeandampfer stießen. Bevor das Flugzeug ihm den Rang ablief (sowie sich prompt zur neuen Tatort mauserte), stellte das Schiff die einzige Möglichkeit dar, weite Reisen zwischen den Kontinenten zu unternehmen.

Vor allem Briten waren ständig unterwegs: Das Commonwealth war riesig, die Entfernungen beträchtlich. Mit dem Schiff konnte man sie überwinden, aber es dauerte Wochen, die man an Bord verbringen musste. Dort wurde man - wenn man es sich leisten konnte - komfortabel untergebracht und war nicht allein. Passagierschiffe mutierten zu schwimmenden Palästen, die alles boten, was das Herz des (zahlenden) Kunden begehrte.

Wer nicht so gut betucht war und eher eine Dienstfahrt unternehmen musste, wich auf eines der Frachtschiffe aus, die zusätzlich Passagiere beförderten. Der Komfort hielt sich in Grenzen, aber man reiste dennoch behaglich und vermied die Fallstricke einer Gesellschaft, die ‚falsches‘ Verhalten durch soziale Verbannung strafte. An Bord lernten sich die wenigen Reisenden kennen und bildeten eine Gemeinschaft auf Zeit. Man musste sich zusammenraufen, denn aus dem Weg gehen konnte man sich nicht: Zwischen den Häfen gab es nur das Schiff.

Ngaio Marsh war - ihr ungewöhnlicher Vorname verrät es - auf der Doppel-Insel Neuseeland beheimatet, hatte aber immer wieder in England zu tun. Der Fernflug war ihr zu mühsam und zu riskant; lieber nahm sie sich Zeit und reiste per Schiff und an Bord besagter Frachter. Der Hyazinthenmörder profitiert ungemein von den einschlägigen Erfahrungen der Autorin, denn es wird deutlich, dass sie sehr genau wusste, worüber sie schrieb.

Mord steht dir nicht ins Gesicht geschrieben

Ngaio Marsh leitet den 20. Roman um Roderick Alleyn in jeder Hinsicht klassisch ein: Sie stellt uns die Hauptfiguren elegant vor, indem sie diese an Bord der „Cape Farewell“ gehen lässt. Für erste Brüche sorgt die Andeutung von Konflikten, die auf eine mögliche Schuld hinweisen können, aber nicht müssen und in den meisten Fällen nicht werden: Zum Rätselkrimi gehört die Verwirrung der Leser, die durch viele und meist nur scheinbare Indizien auf falsche Fährten gelockt werden sollen.

Für die notwendige Dramatik sorgt ein erster Mordfall, der eindeutig auf die Schuld eines dieser Passagiere hindeutet. Die „Cape Farewell“ hat abgelegt. Der Mörder vermag nicht zu flüchten, aber eigentlich will er das gar nicht, denn er wird an Bord sein nächstes Opfer finden: Er kann nicht anders - so fordert es der „Cozy“-Kodex, der die Ermittlung in ein ‚Spiel‘ mit uhrwerkähnlichem Ablauf verwandelt, und so setzt es auch Marsh voraus, die auf der Basis (vergleichsweise rudimentärer) zeitgenössischer Fakten über psychisch derangierte ‚Triebtäter‘ recherchiert hat, um dieses Wissen romantauglich zu trivialisieren.

Die Spannung steigt, als und indem der Ermittler inkognito zusteigt. Nun beginnt das Duell zwischen „Gut“ und „Böse“; es wird durch die Maskierung der Kontrahenten angefacht, wobei stets die Frage im Raum steht, ob Alleyn nicht längst erkannt ist. Das Tempo zieht an, als sich die aktuelle ‚Ruhephase‘ des Würgers dem Ende zuneigt und ein neuer Mord ansteht. Der soll verhindert werden, was selbstverständlich aufgrund unvorhersehbarer Zwischenfälle misslingt. Zudem steht Alleyn einer Mehrzahl potenzieller Täter gegenüber. Auf die Ressourcen von Scotland Yard kann er nicht zurückgreifen. Alleyn muss sich auf seinen Verstand verlassen und den Mörder aus der Reserve locken.

Umkreisen - beschnuppern - zuschnappen

Für eine Autorin wie Marsh müssen die Schiffreisen eine wahre Quelle der Inspiration gewesen sein. Sie konnte die übrigen Passagiere quasi studieren und dieses Wissen in ihre Figurenzeichnungen einfließen lassen, als sie Der Hyazinthenmörder schrieb. In der Tat stellen die Charaktere (sowie die auf hoher See schaukelnde Kulisse) das Pfund dar, mit dem die Autorin wuchern kann. Zwar bedient Marsh viele Stereotypen, aber das ist typisch für den Rätsel-Krimi der „Cozy“-Kategorie.

Hinter manchem Klischee kommen zeitgenössische Vorurteile zum Vorschein; hier sticht die Figur Miss Abbott negativ hervor. Marsh stellt sie als ‚Mannweib‘ mit lesbischen = ‚krankhaften‘ Neigungen dar, die nie beim Namen genannt werden (dürfen) und mit Hilfe eines mitreisenden Paters ‚gebannt‘ und zurück in die Flasche gezwängt werden können/müssen. Selbstverständlich räumt Marsh als ‚gesundes Gegengewicht“ einer ‚vorbildlichen‘ Liebesgeschichte (zum Glück nicht zu viel) Raum ein.

Ermittler Alleyn ist fest in das soziale Gefüge seiner Ära eingebunden. Wenn er eine Liste der Mitreisenden zusammenstellt, folgt dem Namen umgehend die besuchte Schule, denn deren Name und das damit verbundene ‚Gütesiegel‘ prägt gnadenlos sein Bild der betreffenden/betroffenen Person. Als Spross einer uralten Adelsfamilie wurde Alleyn eine Elite-Ausbildung zuteil, was ihn zu solcher Kategorisierung (und zur exemplarischen Verachtung des „ordinären“ Tuchhändler-Ehepaars Cuddy) ‚berechtigt‘.

Die Auflösung kann mit dem Rätsel nicht mithalten. Kritiker warfen Marsh oft Plot-Schwächen vor - hier ist es der dem Großen Finale direkt vorausgehende und dieses damit einleitende Mord, der nicht nur umständlich, sondern sogar abstrus wirkt. Das Schlägt sich auf die Entlarvung des Täters nieder = bestätigt, dass Der Hyazinthenmörder primär als Schilderung einer ereignisreichen Seereise seine Qualitäten beweist.

Fazit

Zum 20. Mal ermittelt Roderick Alleyn, wobei die Schilderung der Kulisse - Täter, Opfer und Ermittler sind an Bord eines Schiffes ‚gefangen‘ - den Plot an Glaubwürdigkeit und Raffinesse übertreffen. Zum Teil  beinahe parodistisch überzeichnete Figuren tragen dazu bei, dass auch dieser Band der Alleyn-Serie lesenswert geblieben ist.

Der Hyazinthen-Mörder

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Letzte Kommentare:
22.03.2005 17:17:51
Elmar

Ein erstaunlicg gelungenes Buch. Vielleicht hätte Marsh es öfter mit Psychothrillern versuchen sollen. Dieser hier ist spannend bis zum Schluß und enthält erstaunliche, tiefsinnige Figurenporträts (u.a. von einer lesbischen Frau, ziemlich ungewöhnlich und liberal für das Marsh-Milieu).

14.06.2004 02:07:41
Anja S.

Ein raffinierter Krimi, den ich bereits als Teenager geliebt habe, mit einem Moerder, der ein "Problem" mit Juwelen und Frauen hat...

BEHIND THE DOOR
Der Raum. Die Tat. Das Rätsel.

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