Die verlorene Frau

Erschienen: Mai 2020

Bibliographische Angaben

Carola Fischer (Übersetzung)

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Stephanie Manig
Feinsinniger Spannungsroman um ein unglaubliches Familiengeheimnis

Buch-Rezension von Stephanie Manig Aug 2020

Über ein Jahr nach ihrem Romandebüt „Das Haus der Verlassenen“ legt die englische Schriftstellerin Emily Gunnis mit „Die verlorene Frau“ nach.

Beides sind sogenannte „Stand Alones“, also keine Bücher, die einer Reihe angehören – und doch haben die Romane jede Menge gemeinsam. Typisch für Emily Gunnis sind zwei Dinge: Erstens hat sie ein Faible für Familiengeschichten, die sich an gesellschaftlichen Tabus früherer Zeiten orientieren. Und zum Zweiten ist sie eine Meisterin des bildhaften Schreibens.

Die Autorin bietet Kopfkino pur

Hauptschauplatz in ihrem aktuellen Buch ist Seaview Cottage, ein kleines malerisches Häuschen mit einer bewegten Vergangenheit am Strand in der englischen Grafschaft Sussex. Man schmeckt das Salz auf den Lippen beim Lesen förmlich, und man hört das Tosen der Wellen, so anschaulich beschreibt die Autorin die Szenerie. Die beste Grundlage für Kopfkino vom Feinsten.

Die Geschichte pendelt zwischen der Zeit des Zweiten Weltkriegs und den frühen 50er Jahren sowie dem Jahr 2014 hin und her. Das sorgt nicht nur für Abwechslung, sondern verhilft dem Leser auch dazu, die vermeintlich losen Enden, die er zu Beginn des Buchs zahlreich in den Händen hält, miteinander zu verflechten.

Charakterstarke Frauen über Generationen hinweg

Charakterstarke Frauen sind eine weitere Spezialität von Emily Gunnis. Hier sind es die Frauen dreier Generationen, die sich ihrem Schicksal stellen – so unterschiedlich die jeweilige Zeit und ihre Umstände auch sein mögen. Im Mittelpunkt steht die Kinderärztin Rebecca, die als 13-Jährige den Mord an ihrer Mutter mitansehen musste.

Als wäre das nicht schon eine kaum zu ertragende Bürde, stößt sie mithilfe ihrer beiden Töchter auf ein unfassbares Familiengeheimnis. Allen Frauen ist eines gemein: Sie sind keine toughen Heldinnen im Superwoman-Kostüm, die spielend leicht ihr Leben meistern, sondern sie haben Ecken und Kanten, sie hadern, sie zweifeln, sie stellen vieles infrage. Das macht sie so sympathisch und lebensecht.

Das Grauen der Nervenheilanstalten

Ein Gutteil des Romans befasst sich mit der Behandlung psychisch kranker Menschen in der Nachkriegszeit. Damals wurden Elektroschocks als probates Mittel zur Linderung von Depressionen eingesetzt und man sprach von „Kriegstrauma“ statt von einer posttraumatischen Belastungsstörung. Zudem war es erschreckend einfach für Ehemänner, die ihrer Gattinnen überdrüssig geworden waren, diese in eine Nervenheilanstalt einweisen zu lassen.

Fazit:

„Die verlorene Frau“ bietet auf 384 Seiten packendes Lesevergnügen und kommt vollständig ohne Längen aus. Emily Gunnis schreibt wunderbar – und auch, wenn es sich bei diesem Buch nicht um einen Thriller im eigentlichen Sinne handelt, ist es ebenso spannend, dem Familiengeheimnis auf die Spur zu kommen wie dabei mitzufiebern, ob die verlorene Frau in Gestalt von Rebeccas ältester Tochter Jessie mit ihrem neugeborenen Baby gefunden wird, bevor es zu spät ist. Für eingefleischte Fans bluttriefenden Horrors ist „Die verlorene Frau“ nichts. Dafür bietet Emily Gunnis in ihrem aktuellen Roman jede Menge feinsinnigen Thrill.

Die verlorene Frau

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Letzte Kommentare:
25.08.2020 00:58:16
Sagota

Das verlorene Kind (Originaltitel The Lost Child)

1960, Seaview Cottage, Sussex, England:

Rebecca Waterhouse wächst auf Seaview Cottage bei ihrer Mutter Harriet auf. Der Vater, der an Kriegstraumata leidet und ein gewalttätiger Trinker ist, prügelt seine Frau nach seiner Heimkehr (er verbrachte einige Jahre in der Psychiatrie) jeden Abend. Rebecca flüchtet dann regelmäßig zu Harvey, einem Nachbarjungen und Freund, in dem Wissen, dass sie ihrer Mutter nicht helfen kann. Als Harriet eines Nachts von Rebecca blutend und mit schwersten Verletzungen im Vorzimmer liegt, findet man die Leiche des Vaters in der Nähe; er hat sich mit seiner Pistole selbst gerichtet...

2014, Chichester:

Jessica, eine der zwei Töchter von Rebecca, schwanger und durchleidet eine schlimme Schwangerschaft: Sie glaubt, dass man ihr Baby stehlen, ihr fortnehmen wird und flieht mit der neugeborenen Elisabeth aus dem St. Dunston's Hospital.
Iris, die Schwester von Jessie, wird von Rebecca gebeten, Jessica und das Baby zu finden und Rebecca muss sich erstmals seit Jahrzehnten der Frage stellen und ihren Töchtern erzählen, was sich in der schicksalhaften Nacht auf Seaview Cottage ereignet hat, denn das Auffinden von Jessica ist eng mit dieser Frage verwoben.....

Meine Meinung:

Emily Gunnis gelingt es auf einzigartige Weise auch in diesem Roman (der erste hat mich so sehr begeistert, dass ich sehr gespannt auf "Die verlorene Frau" wartete), den Leser durch unterhaltsame und tiefgründige Spannung zu fesseln. Nach und nach lernt man die vielschichtigen Charaktere der Hauptpersonen dieses Romans, der tragische Ereignisse in der Nachkriegszeit Englands um ein Familiengeheimnis schildert, kennen: Da ist Harriet, die Mutter von Rebecca, die auf taube Ohren stößt, als sie sich Hilfe vor ihrem gewalttätigen Ehemann holen will und Rebecca selbst, die das Ereignis 1960 auf Seaview Cottage ihr ganzes Leben, das sie als Ärztin führt, um anderen Menschen zu helfen, begleitet und unausgesprochen ist, bis Jessica, ihre Tochter, die von Liz, deren Stiefmutter, systematisch von Rebecca getrennt wurde, schwanger ist und mit ihrer kleinen Tochter aus der Klinik flieht: Die postpartalen Depressionen scheinen in der Familie zu liegen und wiederholen sich auf schmerzhafte Weise.

Iris, die Schwester Jessicas, macht sich auf die schwierige Suche nach Jessie und dem Baby (sie selbst glaubt, keine Kinder haben zu können und ist frisch geschieden), wohl wissend, dass "die Zeit läuft", sollte die kleine Elisabeth, die Medikamente benötigt, am Leben bleiben können....

Die Suche nach dem Baby, aber auch Rückblicke in die Vergangenheit und das unglückliche Leben Harriets, einer sehr sympathischen Figur, die wie viele andere Frauen damals keine Möglichkeiten hatte, sich von einem gewalttätigen Ehemann zu trennen, sind die Kernzentren dieses unter die Haut gehenden Romans. Harvey, der Vater von Jessica, geht dabei stets den "Weg des geringsten Widerstandes" und erkennt dies am Ende des Romans, dennoch ist auch er ein Sympathieträger.

Die Themen dieses emotionalen, aufwühlenden, tragischen und zuweilen schmerzhaft-schockierenden, aber auch sehr berührenden Romans sind jedoch vielschichtiger Natur: Er beschäftigt sich mit den Traumata des 2. Weltkrieges, die teils gewalttätige, jedoch oft psychisch gestörte Männer in ihre Familien zurückbrachte, die damals keinerlei Therapie oder Hilfe bekamen (im Gegensatz zu heute); mit ungewollter Kinderlosigkeit und postpartaler Depression, häuslicher Gewalt, Vergewaltigung, aber auch Liebe und Vertrauen in der Familie. Dramatik kommt durch die Geschichte Harriets ins Spiel, die für mich eine der stärksten Charaktere des Romans und die eigentlich "verlorene Frau" ist: Sie opfert sich in gewisser Weise, um Rebecca zu retten.

Fazit:

Trotz aller Tragik, Familiengeheimnissen und der Verschleierung von Wahrheiten, die familiäre Dramen wie diese am Leben halten - sie sich manchmal sogar wiederholen lassen, steht dieser Roman für mich für Offenheit, Klarheit und Ehrlichkeit in der Familie. Auch dafür, sich nicht an eine unglückliche Vergangenheit zu klammern, sondern loslassen zu können, frei zu sein - zu leben! Zugleich ist es für mich ein literarisches "Denkmal" für all die Frauen (hier personifiziert durch Harriet Waterhouse), die Gewalt von kriegstraumatisierten Männern nach dem 2. Weltkrieg (und auch davor) erleben mussten - und ihr nicht entkommen konnten. Ein starker Roman mit authentischen, sympathischen Figuren (besonders Harriet, Rebecca und Iris), den ich gerne weiterempfehle und selbst gelesen habe! 4* und 87°

BEHIND THE DOOR
Der Raum. Die Tat. Das Rätsel.

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