Der Schattenmörder

Erschienen: August 2020

Bibliographische Angaben

Leena Flegler (Übersetzung)

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Thomas Gisbertz
Wenn die Schatten der Vergangenheit einen nicht mehr loslassen

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Aug 2020

Niemals hat Paul den Tag vergessen, an dem er Charlie Crabtree in der Schule zum ersten Mal begegnete. Charlie mit seinem überlegenen Lächeln und den dunklen Fantasien, mit denen er Paul in seinen Bann zog. Sie waren Freunde. Bis zu dem Tag als Charlie den Mord beging und danach spurlos verschwand. Fünfundzwanzig Jahre später kehrt Paul erstmals in seine Heimatstadt zurück. Seine Mutter liegt im Sterben, die Pflegerin hat ihn alarmiert.

Gleich nach seiner Ankunft passieren seltsame Dinge. Die Mutter behauptet, jemand sei im Haus gewesen, und als Paul den Dachboden betritt, findet er alles übersät mit blutig-roten Handabdrücken. In der Stadt bemerkt Paul, dass ihn jemand verfolgt, und er beginnt sich zu fragen: Was geschah damals mit Charlie Crabtree am Tag des Mordes?

Bestialische Morde

Detective Amanda Beck von der Polizei in Featherbank bietet sich ein erschreckender Anblick: Die Leiche eines Teenagers kniet wie zum Gebet vor ihr, die dünnen Arme liegen nach hinten gestreckt neben dem Körper, der zahlreiche Stichwunden aufweist. Der Kopf ist in einem merkwürdigen Winkel zur Seite gedreht und fast vollständigen vom Rumpf abgetrennt. Um den leblosen Körper findet sie hunderte blutroter Handabdrücke, die sorgsam auf den steinigen Boden gesetzt wurden.

Die Täter werden schnell gefasst: Zwei Jungen, die blutverschmiert und orientierungslos durch die Gegend stolpern, werden mit den Tatwaffen verhaftet und gestehen den Mord. Der Modus Operandi ähnelt dem Mord durch Charlie vor fünfundzwanzig Jahren auf frappierende Weise. In beiden Fällen trugen die Täter Traumtagebücher bei sich. Damals wie heute stellt sich aber eine entscheidende Frage: Was ist der Grund dafür, dass die Jugendlichen auf derart bestialische Weise zu Mördern werden?

Englischer Bestsellerautor

Alex North, geboren und aufgewachsen in Leeds, studierte Philosophie und arbeitete nach seinem Abschluss an der Fakultät für Soziologie und Sozialpolitik. Insgeheim hegte er aber immer den Wunsch zu schreiben. Mit seinem atmosphärischen Spannungsroman „Der Kinderflüsterer“ gelang ihm 2019 der große Durchbruch. Der Roman wurde international gefeiert und stand auch in Deutschland wochenlang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Mit „Der Schattenmörder“ erscheint im Blanvalet Verlag ein nicht weniger eindringlicher Roman über eine Clique Jugendlicher, die eine enge Freundschaft verband, die jäh durch einen brutalen Mord zerbrach.

Schreibstil der Extraklasse

Alex North hat bei seinem Debüt „Der Kinderflüsterer“ bereits beweisen, dass er ein unglaublich einfühlsamer Geschichtenerzähler ist. Dies gilt im besonderen Maße für den „Schattenmörder“: ein Roman, der an Spannung kaum zu überbieten ist und dennoch immer wieder ganz leise wird, nachdenklich stimmt und einen berührt. Der Autor versteht es meisterhaft zwischen Nervenkitzel und ruhigenTönen zu wechseln, ohne dass die Handlung an Fluss und Dynamik verliert.

Der Roman ist unheimlich, erschreckend und gleichzeitig hoch emotional. North blickt tief in die Seele seiner Figuren. Bei ihm stehen eindeutig die Charaktere und die Motive für ihr Handeln im Mittelpunkt einer Geschichte, die ohne Effekthascherei auskommt. Stattdessen packt die düstere, unheimliche Atmosphäre den Leser von Beginn an und lässt ihn nicht mehr los. North nimmt sich Zeit für seine Figuren, deren Gedanken und Gefühle. Dies ist auch der Grund, warum es sich beim „Schattenmörder“ um einen Spannungsroman und keinen Thriller handelt, bei dem die Handlung stärker im Vordergrund rückt.

Auch in Sachen Erzähltechnik weiß der Roman zu überzeugen. Wie bereits beim „Kinderflüsterer“ wechselt North immer wieder zwischen der Ich-Erzählperspektive Paul Adams und dem Er-/Sie-Erzähler. Hier nimmt er die Perspektive von Detective Amanda Beck ein, die als Ermittlerin einen objektiven, realistischen Blick von Außen auf das Geschehen ermöglicht. Beck ist im Übrigen die einzige Figur, die bereits in Norths Debütroman vorkam, dort aber noch eine Nebenrolle spielte.

Traum oder Wirklichkeit?

Eine wichtige Rolle innerhalb des Romans spielen „Klarträume“, sogenannte luzide Träume. Dies sind Träume, in denen man völlige Klarheit darüber besitzt, dass man träumt und nach eigenem Entschluss bewusst handeln kann. James und Paul, die bereits seit Kindertagen befreundet sind, werden von ihrem Schulfreund  Charlie Crabtree in diese Thematik eingeführt. Gemeinsam führen sie Traumtagebücher, aus denen sie sich gegenseitig vorlesen.

Aber Charlie geht noch einen Schritt weiter: Er behauptet, dass man in seinen Träumen nicht nur frei handeln, sondern dass man sich einen Traum auch teilen könne (shared dream), in dem man ihn aus verschiedenen Perspektiven erlebt. Zwar gelingt es Paul mit der Zeit, Klarträume zu erleben, er distanziert sich - verunsichert durch die Dominanz und Besessenheit Charlies - aber immer mehr von den anderen und freundet sich stattdessen mit Jenny an, die mit ihm die Begeisterung für Literatur teilt. Schon bald soll die Beziehung zu ihr  Pauls Leben für immer verändern.

Wer während der Lektüre glaubt, das Rätsel um Charlie Crabtree und den Mord vor 25 Jahren gelöst zu haben, wird am Ende mehrere Wendungen und Überraschungen erleben, wenn North sämtliche Handlungsfäden zusammenführt. Denn erst zum Schluss ergibt sich aus den einzelnen Puzzleteilen ein Gesamtbild, welches die Dramatik und Folgen der damaligen Bluttat offenbart und deren Folgen aufzeigt, die bis in die Gegenwart reichen.

Fazit: 

Mit „Der Schattenmörder“ beweist Alex North erneut, dass er derzeit zu den besten Autoren von Spannungsromanen überhaupt gehört. Seine Schreibweise ist so vielschichtig wie beeindruckend. Sein Roman ist unheimlich, beängstigend und gespenstig. Gleichzeitig stimmt er den Leser nachdenklich und berührt einen. Ein Buch, dass einen auf eine Achterbahn der Gefühle mitnimmt.

Der Schattenmörder

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