Enigmas Schweigen

Erschienen: Juli 2020

Bibliographische Angaben

Übersetzung: Susanne Van Volxem, Olaf Matthias

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Birgit Stöckel
Viel Spannung, wenig Logik

Buch-Rezension von Birgit Stöckel Aug 2020

„Enigmas Schweigen“ ist der vierte Thriller des italienischen Autors Donato Carrisi in dem Mila Vasquez die Hauptrolle spielt. Eigentlich ist sie aus dem Polizeidienst ausgeschieden und lebt mit ihrer Tochter an einem abgelegenen See. Doch ihre ehemalige Vorgesetzte überredet sie, noch einmal zu ermitteln, da die früheren Kollegen nicht weiterkomme: Auf einem Bauernhof findet sich eine Menge Blut, dafür sind die Bewohner verschwunden.

Noch nicht einmal ihre Leichen lassen sich auffinden. Trotz fehlender Spuren gelingt der Polizei dank eines anonymen Tips ein überraschender Ermittlungserfolg und sie verhaftet einen Mann, der über und über mit Zahlen tätowiert ist - und ansonsten schweigt. Mila findet heraus, dass diese Zahlen Koordinaten darstellen, mit deren Hilfe sie sich in ein Computerspiel einloggen kann. Als ihre Tochter entführt wird, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit in der digitalen und der realen Welt.

Misslungene Charakterzeichnung

Mila Vasquez ist eine auf den ersten Blick interessante Figur, hat sie doch eine psychische Besonderheit. Sie leidet an Alexithymie oder Gefühlsblindheit, von ihr selbst wird dieser Zustand als „Seelenkälte“ bezeichnet. Sie ist unfähig, sowohl Empathie und Mitgefühl zu empfinden (was sie zu einer fähigen Ermittlerin macht), als auch Liebe (was sie zu einer nicht so fähigen Mutter macht). Primär also eine gute Vorraussetzung für eine spannende Protagonistin.

Leider gelingt es dem Autor aber nicht, den Charakter Milas durchgehend glaubhaft zu skizzieren. Dabei spielt es nicht einmal so sehr eine Rolle, dass Alexithymie von der Psychiatrie bis heute nicht als eigenständiges Krankheitsbild gesehen wird, sondern immer nur als Teilaspekt einer tiefergehenden Persönlichkeitsstörung. Nein, das Problem ist, das Mila einen Haufen Gefühle hat und sich derer auch bewusst ist. Etwas, das sie mit Gefühlsblindheit nicht können dürfte.

Zwar zeigt sie über weite Strecken hin tatsächlich wenig bis keine Empathie, doch Liebe und Empathie sind ja nun nicht die einzigen Gefühle, die die Menschheit kennt. So wird Mila regelmäßig wütend, hat Angst, fühlt sich unwohl, kämpft gegen Klaustrophobie und Panikattacken an oder wird von tiefer Trauer überwältigt. Diese Gefühle durchlebt sie alle und kann sie auch korrekt benennen - was somit ihrer angeblichen Seelenkälte völlig zuwider läuft. Man hat sogar mehrfach das Gefühl, das Mila nur aus Emotionen besteht und diesen ohne die Kontrollinstanz durch den Verstand einfach folgt. Schade, dass der Autor sich offenbar zu wenig Gedanken über diese psychische Eigenheit gemacht hat, um eine glaubwürdige Figur zu erschaffen.

Gute Idee unzureichend umgesetzt

Der Kriminalfall an sich hält leider auch nicht, was er verspricht. Dabei ist die Idee sehr gut: Mithilfe von Koordinaten kann man sich in ein Online-Spiel, das Anderswo einloggen. Das Anderswo wurde ursprünglich dafür konzipiert, dass die Spieler sich in einer glücklichen Welt ohne „das Böse“ ein Alter-Ego erschaffen und ein besseres Leben führen können. Klappt natürlich nicht und mittlerweile beherrscht eben „das Böse“ dieses Spiel. Mila taucht in diese Schattenwelt ein und erhält immer wieder Hinweise, denen sie in der realen Welt nachgehen muss. Meistens wird sie dabei zu bisher unaufgeklärten Vermisstenfällen geführt, deren Lösung ihr neue Koordinaten für das Anderswo beschert. Das klingt erstmal spannend, und das ist es auch. An Spannung mangelt es dem Buch wirklich nicht, man könnte es tatsächlich als „Pageturner“ bezeichnen. Zusammen mit Mila hetzt man als Lesender von Hinweis zu Hinweis, und fragt sich fasziniert, wie das nun eigentlich alles zusammen hängt.

Allerdings hält die Spannung nur so lange an, so lange man einfach der Geschichte folgt und sich nicht allzu sehr fragt, wo denn nun die innere Logik ist und wohin das Ganze führen soll. Dann fällt einem nämlich auf, dass die ganze Geschichte doch sehr konfus, teilweise sogar abstrus ist. Und die Auflösung hilft dabei kein bisschen - im Gegenteil sie lässt einen hauptsächlich verwirrt und mit der Frage zurück, was genau eigentlich die Absicht des Täters hinter der ganzen Sache, insbesondere der Entführung von Milas Tochter Alice, war. Vielleicht ist es klarer, wenn man auch die vorherigen Bände um Mila Vasquez gelesen hat. So aber fehlt die übergeordnete Logik doch schmerzhaft. Auch die Beweggründe von Milas ehemaliger Vorgesetzter, sie in diesen Fall hineinzuziehen, bleiben mehr als nur nebulös.

Gute kritische Ansätze

Interessant an der Geschichte ist die Kritik an der Technik und insbesondere des Internets. Mehrfach sprechen handelnde Personen über die Gefahren des World-Wide-Webs, insbesondere die Verlagerung der Aggressionen und des Hasses in die virtuelle Welt und die zunehmende Enthemmung dort, die im Umkehrschluss wieder in die reale Welt übertragen wird. Ein Phänomen, das nahezu jeder, der im Netz unterwegs ist, bestätigen kann. Doch leider reicht diese angedeutete Gesellschafts- und Technikkritik nicht aus, um die genannten Schwächen auszugleichen.

Fazit:

„Enigmas Schweigen“ bietet rasante Spannung - so lange man nicht allzu viel über die Geschichte nachdenkt, über die fehlenden Zusammenhänge hinwegsehen und mit einer unglaubwürdig gezeichneten Protagonistin leben kann. Ein Buch, das man zwar lesen kann, aber definitiv nicht muss.

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