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Thomas Gisbertz
Krimi über die dunkle Vergangenheit Portugals

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Aug 2020

Ein Hitzesommer hat Portugals Hauptstadt fest im Griff, als ein Toter in der Kirche São Miguel im malerischen Altstadtviertel Alfama gefunden wird. Inspetora-Chefe Dora Monteiro erkennt auf den ersten Blick, dass der Mord nicht zufällig genau an dieser Stelle geschah.

Ein vergilbtes Foto führt sie auf die Fährte eines mächtigen, aber seit Jahrzehnten tot geglaubten Mannes. Ist er der Mörder? Je weiter Dora ermittelt, desto tiefer gerät sie in ein gefährliches Netz aus alten Seilschaften, die weit in die Geschichte Lissabons zurückreichen.

Tod in der Kirche

Warum hat der getötete Elías Inácio eine Bibel, ein fast 50 Jahre altes Foto einer unbekannten Frau und vier Getreidekörner mit in die Kirche genommen? Eine erst Spur für Dora Monteiro vom Morddezernat der Kriminalpolizei Lissabon zum Bruder des Toten, einem angesehenen Steinmetz. Bei der Tatwaffe, die in der linken Stirnseite des Opfers steckt, handelt es sich nämlich um ein Stecheisen: ein Werkzeug für Bildhauer. Die Kommissarin und ihr Assistent, Inspector Cardoso, erkennen schnell, dass das Motiv für die Tat eng mit einem dunklen Kapitel der portugiesischen Geschichte verwoben ist.

Beide müssen Jagd auf ein Phantom machen, das beim versuchten Militärputsch gegen die dritte portugiesische Republik im November 1975 eine entscheidende Rolle spielte und seitdem eigentlich als tot galt. Wer ist der Unbekannte, der bis heute eine mächtige Position einnimmt und die Fäden im Hintergrund zieht? Monteiro und Cardoso können bei ihrer Suche bald niemanden mehr trauen und begeben sich dabei in höchste Gefahr.

Journalistin, Reiseführerin und Autorin

Catrin George Ponciano, geboren 1967 in Bielefeld, ist seit 1999 in Portugal beheimatet und arbeitet als freiberufliche Journalistin und Schriftstellerin. Ihres Berufs wegen ist sie überall in Portugal unterwegs, kennt die Metropolen Lissabon und Porto, die Algarve, den Alentejo, das Herz Portugals rund um Coimbra, und fühlt sich im gesamten Land zu Hause. Als Journalistin ist sie Verfasserin zahlreicher Artikel, Reisebücher und Essays über ihre neue Heimat Portugal und bringt den Lesern die Geschichte des Landes nahe. „Leiser Tod in Lissabon“, der im Emons Verlag erscheint, ist ihr Debüt als Krimi-Autorin.

Äußerst atmosphärisch

Das Erstlingswerk von Catrin George Ponciano darf man allen Lesern nur wärmstens als Sommer- bzw. Urlaubslektüre empfehlen. Sicherlich wird es nicht jedem zusagen, dass jede Straßenecke Lissabons, jede Tischdekoration oder sämtliche typisch iberischen Spezialitäten im Detail beschrieben wird, da es doch auch immer wieder den Spannungsbogen unterbricht.

Aber mit jeder Seite wird auch deutlich, dass hier jemand schreibt, der sich mit der portugiesischen Lebensart und dem Flair Lissabons nicht nur auskennt, sondern es auch den Leser fühlen lässt. Man riecht förmlich die leckeren Speisen, erlebt die Hektik des Straßenverkehrs ebenso wie die Ruhe der zahlreichen Kirchen, spürt die Sommerhitze in der Stadt und blickt in die Seele der „Lisboetas“. Dies dürfte nicht nur Lissabonurlauber gefallen. Die Lektüre begeistert aber nicht unbedingt mit einem großen Erzähltempo. Das ist aber auch gut so, denn ansonsten würde man so manches interessante Detail vielleicht einfach überlesen.

Politischer Hintergrund

Der aktuelle Roman von Catrin George Ponciano ist aber keineswegs nur eine leichte Sommerlektüre oder gar ein „Werberoman“ für Portugals Hauptstadt. „Leiser Tod in Lissabon“ überzeugt auch mit einem gut recherchierten Plot, der sich mit den Folgen der Nelkenrevolution von 1974, dem Militärputsch gegen die autoritäre Diktatur des Estando Novo, auseinandersetzt. Geschickt verbindet die Autorin hier historische Fakten mit der fiktiven Geschichte um die „alte Garde“, einem exklusiven Herrenclub, der finanzielle Interessen verfolgt und bis heute ein einflussreiches Netzwerk bis in das portugiesische Parlament unterhält. Man erfährt viel über die Geschichte des Landes, ohne das der Roman auch nur ansatzweise zum Sachbuch verkommt.

Unspektakuläre, aber interessante Ermittlerin

Dies liegt auch daran, dass vor allem mit Kommissarin Dora Monteiro und ihrem  Assistenten, Inspector Cardoso, zwei Figuren mitspielen, die sicherlich ihre speziellen Eigenarten haben, aber keineswegs übertrieben dargestellt werden. Besonders diese Normalität der Figuren, die sich in erster Linie mit Ermittlungsarbeit beschäftigen, tut dem Roman sehr gut. Dennoch ist vor allem die 39-jährige Ermittlerin keineswegs langweilig.

Angetrieben von der Tragödie um ihren Vater, der ebenfalls im Polizeidienst stand, lebt sie nur für ihren Beruf. Mit schneller Kombinationsgabe und durchschlagenden Ergebnissen macht sie schnell Karriere, was auch Neid bei den Kollegen schürt. Sie wirkt zunächst unnahbar und widerspricht auch gerne einmal ihren Vorgesetzten, wenn ihr das für die Lösung des Falles nötig erscheint. Ihr Privatleben ist dagegen eher langweilig. Dennoch taugt ihre Lebensart für ein Familienleben weniger - auch wenn bei ihr immer wieder Gefühlschaos in Sachen Männern herrscht.

Für und Wider

Wie bereits gesagt, muss man detailreiche, mitunter überbordende Darstellungen mögen und sich auf die Beschreibung Lissabons und des Lebens in dieser Stadt einlassen. Wer das mag, wird einen interessanten Kriminalroman vorfinden, der mit viel Wissen, sympathischen Figuren und einem brisanten politischen Plot überzeugt. Das Handlungstempo ist - wie das Leben in Lissabon während der beschriebenen großen Hitzewelle - eher gemächlich. Der Roman punktet dafür mit viel Lokalkolorit und einer spannenden Geschichte, die vielleicht etwas stringenter erzählt werden könnte, dafür aber viel über die Vergangenheit Portugals verrät.

Fazit:

„Leiser Tod in Lissabon“ ist ein gelungener Debürroman, der Lust auf weitere Fälle des portugiesischen Ermittlerteams macht. Besonders die sehr authentische Atmosphäre der Stadt zwischen Tejo und den sieben Hügeln sowie die angenehm zurückhaltende, aber stets unterhaltsame Figurendarstellung machen den Roman unbedingt lesenswert. Reiseführer und Kriminalroman verbinden sich im Debütroman von Catrin George Ponciano zu einem großen Lesevergnügen.

Leiser Tod in Lissabon

Leiser Tod in Lissabon

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