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Andreas Kurth
Kurden, Killer und eine starke jüdische Frau

Buch-Rezension von Andreas Kurth Aug 2020

Nach seiner Trilogie über die Staatsanwältin Helena Faber schickt Thriller-Autor Uwe Wilhelm nun eine neue Protagonistin ins Rennen. Auf der Buch-Rückseite wird Noa Stern beschrieben als “eine Frau, so tough wie die Straßen Berlins”. Ketzerisch könnte man fragen, welche Straßen gemeint sind? Die in Zehlendorf, die in Lichtenberg, oder die im Wedding? Vermutlich geht es um eine Mischung, denn Noa Stern zeigt sich als starke, aber auch überaus verletzliche Frau. Die  Personenschützerin ist auch noch Jüdin, was nicht in der Geschichte selbst, aber in ihrer Biografie durchaus schon zu Problemen - mit einer potenziellen Schwiegermutter und deren  - Familie geführt hat.

Noa Stern arbeitet als Bodyguard, ausschließlich für Frauen. Bei Schauspielerinnen und anderen Klientinnen, die es sich leisten können, stellt sie entsprechende Rechnungen - damit sie auch die schützen kann, die nicht so viel oder gar kein Geld haben. Als plötzlich eine junge Frau vor ihrer Tür steht, wird es kompliziert und zugleich gefährlich. Tiara ist die Tochter von Samy Moussa, dem Oberhaupt einer Familie von Mhallamiye-Kurden. Sie ist abgehauen - und Noa hatte schon Stress mit Samy wegen einer anderen Sache. Als die Gorillas von Tiaras Vater auftauchen, versteckt Noa das Mädchen - und hängt damit schon in der Sache drin.

Es wird dann schnell problematisch für Noa Stern. Samy Moussa erpresst sie mit einer alten Geschichte - und will, dass sie ein Mitglied der Nasser-Familie tötet, das aus dem Libanon nach Berlin kommt, um seinerseits Samy zu töten.

Er nahm das Gewehr aus dem Schrank. Dazu eine Schachtel 7,62 x 51 mm NATO.
“Du weißt, wie Du es zerlegen musst?”, fragte er.
“Ja.”
Er drückte Noa eine Gewehrtasche in die Hand, begleitete sie noch bis in die Tiefgarage. Sie legte das Gewehr in den Kofferraum eines BMW von Drive Now.
“Du weißt, was unser Freund Sunzi jetzt sagen würde?”, sagte Maik.
“Die beste Art, eine Schlacht zu gewinnen, besteht darin, gar nicht erst anzutreten, Oder so ähnlich.”
“Viel Glück.”
“Du kriegst das Geld für das Schätzchen, sobald ich wieder flüssig bin.
“Ich weiß.”
Sie startete den BMW. Als sie die Tiefgarage verließ, blendete die Sonne sie so sehr, dass sie einen Moment lang blind war.

Aus unterschiedlichen Gründen kommt Noa am Flughafen nicht zum Schuss - und entdeckt dann, dass eine lange totgeglaubte Person doch noch lebt. Die Lage wird nun immer komplizierter, und Noa ist mehrfach kurz davor, den Überblick zu verlieren. Als Leser muss man sich in diese Geschichte erstmal reinlesen, um all den Wendungen und neuen Konstellationen einigermaßen folgen zu können. Uwe Wilhelm schraubt die Spannung dabei immer höher, “Die Frau mit den zwei Gesichtern” ist in meinen Augen kein Buch, das man so nebenbei weglesen kann. Wilhelm schafft eine dichte Atmosphäre, auch mit der Beschreibung der unterschiedlichen Kieze.

Und für das Nebenbei-Lesen ist die Gesamtkonstellation auch zu komplex.  Noa Stern ist Jüdin, stammt aber mit ihrer Familie aus dem Libanon. Genau wie die Mhallamiye-Kurden, zu denen die Clans der Moussa und der Nasser gehören, die sich jetzt in Berlin und auf anderen Schauplätzen einen erbitterten Konkurrenzkampf liefern. Die Verwicklungen, die sich schon daraus ergeben, sind enorm, aber richtig kompliziert ist es eben, weil Tiara Moussa Schutz vor ihrem Vater bei Noa sucht. Es gibt noch andere Komplikationen, aber die kann ich nicht verraten, ohne zu spoilern.

“Ihr seid zu spät”, sagte er.
Noa fand die Kritik keiner Antwort wert. Als sie an ihm vorbei das Restaurant betreten wollte, hielt er sie auf.

“Bist Du bewaffnet?”
“Was denkst Du denn?”
“Ich kann Dich mit der Pistole nicht ins Restaurant lassen. Hauspolitik.”
“Dann sag der Hauspolitik einen schönen Gruß. Und sag ihm, dass ich nicht weiß, wie er auf mein Angebot reagieren wird. Deswegen möchte ich in der Lage sein, mich zu verteidigen und ihn notfalls zu erschießen. Und Dich auch. Wenn die Hauspolitik das für nicht zumutbar hält, wird er auch nicht erfahren, wo seine Tochter sich vor ihm versteckt.”

Noa Stern geht ein hohes Risiko ein, indem sich sich von Samy Moussa nicht einschüchtern lässt. Dabei hat sie es schon mit ihrer Tochter, ihrer Mutter und nun noch Tiara Moussa nicht leicht. Uwe Wilhelm hat dabei trotz aller Spannung auch ein feines Händchen für Situationskomik. So kommt Noa von Verhandlungen mit Moussa nach Hause, hört laute Musik, und finden die drei anderen Frauen in der Küche. Sie tanzen selbstvergessen, ahmen Rapper-Moves nach und lachen fröhlich. Noa ist auf 180 - weil jetzt das ganze Haus weiß, dass die Familie Stern Besuch hat. Die ganze Situation wird aber zunächst mit einem üppigen Mahl orientalischer Küche aufgelöst.

Neben den verwickelten familiären Problemen bei nahezu alle Beteiligten wird die Spannung noch durch andere Faktoren getrieben. Der Autor hat dazu auch ein interessantes Personaltableau aufgestellt. Noas Freundin Alma, ihr Ex Amir, der Polizist Gabriel Bukowski, der sein Werben um Noa immer wieder von neuem aufnimmt - das passt alles hervorragend zusammen.

Fazit:

Uwe Wilhelm hat hier einen richtig spannenden Kriminalroman vorgelegt. Das Buch lebt von einer guten Geschichte, einer sehr speziellen Protagonistin, guten Nebenfiguren und vielen Wendungen. Clan-Kriminalität, eine Jüdin als Bodyguard und Ermittlerin und viele Verwicklungen - allerfeinstes Lesekino. Da freut man sich als Leser schon auf den nächsten Fall der toughen Noa Stern.

Die Frau mit den zwei Gesichtern

Die Frau mit den zwei Gesichtern

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Letzte Kommentare:
06.08.2020 22:59:08
Der Waldschrat

Oh je, oh weh, "Kurden, Killer und eine starke jüdische Frau"...
Das klingt erstmal brisant und spannend aber entpuppt sich dann schnell als" politisch korrekter 08 /15 Mainstream, die ewig gleichen banalen Charaktere, der üblich langweilige Plot aber hey, das spricht halt viele an, somit hat die ewig gleiche Geschichte stets seine Daseinsberechtigung.
Da lese ich lieber zum wiederholten Male Agatha Christie, Arthur Conan Doyle etc., da weiß man,, daß man Qualität bekommt und nicht banalen hochgelobten (warum auch immer?) Mainstream.

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