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Thomas Gisbertz
Mord á la Lewis Carroll

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Aug 2020

Die ehrwürdige Oxforder Lewis-Carroll-Bruderschaft ist einer Sensation auf der Spur: Aus dem Tagebuch des weltberühmten Schöpfers von „Alice im Wunderland“ ist ein bis dato verschollene Hinweis aufgetaucht, der Brisantes offenbart. Doch bevor die Bruderschaft den Fund veröffentlichen kann, geschehen mehrere Morde, die durch das literarische Universum von Lewis Carroll inspiriert zu sein scheinen. Auch in ihrem zweiten Fall müssen Logik-Professor Arthur Seldom und sein junger argentinischer Mathematik-Doktorand scharf kombinieren, um den rätselhaften Fall zu lösen.

Das Rätsel um Carroll

Die Oxforder Bruderschaft des bekannten Schriftstellers plant, dessen noch existierenden Tagebücher in einer kommentierten Gesamtausgabe zu veröffentlichen. Man schickt die junge Mitarbeiterin Kristen Hill nach Guildford, wo sich die handgeschriebenen Hefte in einem früheren Haus des Verfassers von „Alice im Wunderland“ befinden.

Dort macht die junge Frau eine unfassbare Entdeckung: In einem Katalog findet Hill Hinweise auf den Aufbewahrungsort einer wichtige Seite, die einst aus Carrolls Tagebücher entfernt wurde. Sie entdeckt tatsächlich in einer Mappe einen Zettel - mit nur einem Satz. Dieser gibt eine unerwartete Antwort auf ein Rätsel, welches Carroll seit jeher umgibt und sein Beziehung zur wahren Alice in einem neuen Licht erscheinen lassen soll.

Doch bevor Hill das Geheimnis lüftet, wird sie nach ihrer Rückkehr mit einem Auto angefahren und beinahe getötet. Dies ist der Beginn einer Kette von Ereignissen. Mit mathematischen Spürsinn und Logik machen sich Seldom und sein argentinischer Doktorand auf die Suche nach dem Täter.

Mathematik meets Literatur

Der argentinische Autor Guillermo Martínez ist promovierter Mathematiker. Zwei Jahre seiner Doktorandenzeit verbrachte er an der Universität Oxford. Für seine Kriminalerzählung „Die Oxford-Morde“ (vom Eichborn Verlag bereits 2005 unter dem Titel „Die Pythagoras-Morde“ veröffentlicht) rund um den angesehenen Professor für Logik, Arthur Seldom, erhielt er mehrere Auszeichnungen. Der Roman wurde in über 40 Sprachen übersetzt und 2008 mit John Hurt und Elijah Wood für das Kino verfilmt. 16 Jahre nach dem ersten Teil der Reihe erscheint nun mit „Der Fall Alice im Wunderland“ der Nachfolgeband, den der Eichborn Verlag zusammen mit der Neuauflage der „Oxford-Morde“ veröffentlicht.

Das dunkle Geheimnis

Martínez verbindet mit der Biografie Carrolls ein hochaktuelles Thema, dass deutlich macht, wie sich die Sichtweise auf dieselben Dingen zu unterschiedlichen Zeiten verändern. Konkret geht es dabei um den Umgang des Autors mit den jungen Töchtern der befreundeten Familie Liddell. Aus heutiger Sicht stellt sich unweigerlich die Frage, ob der bekannte Autor Lewis Carroll ein Pädophiler war, während es im England des 19. Jahrhunderts sozialer Konsens war, Mädchen im Alter von zwölf oder dreizehn Jahren zu verheiraten. Auch die Fotos, die Carroll von den leicht bekleideten, oftmals in lasziven Posen dargestellten Mädchen machte, erregten damals im Gegensatz zu heute keinerlei Aufsehen.

„Ich will, dass der Leser das, was er liest, in Zweifel zieht, dass er zwischen den Zeilen liest“, sagt Martínez über seine Art zu schreiben. In der Tat wägt man als Leser zwischen den beiden „Bewertungsmaßstäben“ ständig ab. Im Roman scheint die unerwartete Entdeckung durch Kristin Hill den guten Ruf Carrolls zu gefährden, was der Mörder anscheinend zu verhindern versucht.

Professor auf Verbrecherjagd

Mit Arthur Seldom, Autor der Ästhetik des Denkens, und seinem jungen Doktoranden, dem Ich-Erzähler der Geschichte, hat Martínez sicherlich ein mehr als ungewöhnliches „Ermittlerteam“ geschaffen, das aber gerade deswegen so unterhaltsam ist. Beide nähern sich auch diesmal - wie bereits im Fall der „Oxford-Morde“ - der bizarren Mordserie nicht aus der polizeilichen Perspektive, sondern versuchen dem Täter mit Hilfe der Mathematik und vor allem der Gesetze der Logik auf die Spur zu kommen.

Beide Hauptfiguren beteiligen sich nicht unmittelbar an der Verbrecherjagd, sondern stellen vielmehr - wie es sich für Mathematiker gehört - Theorien und Hypothesen auf, die sich mit Motiven und Abläufen der Verbrechen beschäftigen. Ein wahrer Meta-Krimi der besonderen Art. Mit viel Scharfsinn gelingt den beiden Protagonisten eine brillanten Fallanalyse. Sie leisten, wenn man so will, logisch-philosophische Aufklärungsarbeit. Unterstützt werden sie dabei aus polizeilicher Sicht von Inspector Petersen.

Spezieller Humor

Martínez bedient sich in seinem Roman oftmals einer ganz besonderen Erzählweise und Sprache. Da es sich beim Ich-Erzähler um einen Mathematik-Doktoranden handelt, verdeutlicht der Autor die Gefühlswelt des jungen Mannes häufig mit mathematischen Bezügen, z.B. als er die wissenschaftliche Mitarbeiterin Kristin Hill kennenlernt und von ihr mehr als verzückt ist: „Alleine schon die schlichte Begrüßung hatte sie erröten lassen, und auch ich spürte, wie in einer Fourier`schen Überlagerung von Wellen, eine Hitzewallung in mir hochsteigen.“

Oder auch: „Wäre es nicht so viel gerechter, wenn unsere jämmerliche, nicht zu behebende Endlichkeit, der winzige Funke unserer Delta-Distribution zwischen zwei unendlichen Nullen, zumindest zu einer Multiplikation der Liebe führen würde?“ Legen Sie sich, wenn Sie wie ich ein mathematischer Laie sind, ruhig ein entsprechendes Lexikon bei der Lektüre beiseite. Sie werden es sicherlich öfters nutzen. Aber keine Sorge: Auch ohne naturwissenschaftlich-philosophisches Vorwissen ist der Roman zu verstehen und äußerst unterhaltsam.

Fazit: 

Guillermo Martínez gelingt ein cleverer, tiefgründiger und besonders wegen seiner Hauptfiguren mitreißender Kriminalroman. Seldom und sein Doktorand erinnern mit ihren auf Mathematik und Logik beruhenden Schlussfolgerungen mitunter an das deduktive Vorgehen von Sherlock Holmes, gleichwohl sie sich in ihrem Habitus gänzlich vom Meisterdetektiv unterscheiden. Ein mehr als beeindruckender Roman des argentinischen Schriftstellers.

Der Fall Alice im Wunderland

Der Fall Alice im Wunderland

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