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Jochen König
Rock Me Amadeus

Buch-Rezension von Jochen König Jul 2020

John Connolly stellt für jeden seiner Charlie „Bird“ Paker-Romane Playlists auf seiner Homepage zusammen, Ian Rankins John Rebus-Reihe birst über vor musikalischen Verweisen (inklusive Titelgebung), was zu einer Kooperation mit dem famosen Jackie Leven führte,  während Eyre Price seinen Rock’n’Roll-Krimi „Roadkill“ um einen Downloadcode ergänzte, mit dem sich die geneigte Leserschaft den Soundtrack zum Buch auf die heimische Festplatte holen konnte.

Der österreichische Autor Johann Allacher nun legt seinem „Wiener Blues“ eine CD-Single bei, die den zentralen Song des Romans enthält. „Boogie Street“ ist gefälliger Blues-Rock, der sich gut als Begleitung macht. Das Interesse, das der Song im Text weckt, existiert allerdings bloß in Phantasien.

Licht aus, Spot an: Im samtenen Schatten

„Bummelstudent“ Erki Neubauers zweiter Kontakt mit einem Mordfall (nach „Der Knochentandler“) führt ihn, nach dem Gewinn eines Praktikums (guter Gag),  zunächst tief ins Archiv eines Radiosenders. Dort entdeckt er oben genannte Single, einen unbekannten Livemitschnitt des größten „Hits“ der legendären Siebziger-Jahre-Band Velvet Shades. Erkis Kumpel, Moderator Bernie, spielt die Single und erntet dafür viel Resonanz. Die Velvet Shades scheinen trotz ihrer kurzen Haltbarkeitsphase noch tief im kollektiven Gedächtnis des Radiopublikums verankert zu sein. 

So befördert der Zufallsfund Erki aus den Tiefen des Funkhauskellers in die Rolle eines Journalisten. Er darf den Ex-Sänger der Band interviewen. Leider wird daraus nichts, denn gerade als Erki zum Interviewtermin eintrifft, landet Konrad Zauner unsanft und letal vor Erki auf dem Asphalt. Was zu einem Wiedersehen mit Abteilungsinspektor Franz Jerabek führt, mit dem der Student bereits im „Knochentandler“ zu tun hatte. Denn schnell stellt sich heraus, dass Zauner keineswegs freiwillig und alleine den Abflug gemacht hat.

Erki nimmt dies zur Kenntnis, begibt sich aber lieber auf Spurensuche bezüglich der Geschichte der Velvet Shades. Er sucht sämtliche noch lebenden Bandmitglieder auf und erfährt so eine Geschichte von verratenen Träumen, gescheiterten oder zumindest anders als geplant verlaufender Existenzen. Ergibt letztlich eine Zeitreise in das Rockjahrzehnt der Siebziger, in dem es von Aufbruchsstimmung, Erfolgsaussichten ohne Umschweife Richtung Ausverkauf und kläglichem Katerfrühstück ging.  Beiläufig und wie am Schnürchen gezogen erledigt sich auch der Kriminalfall, ohne dass Inspektor Jerabek und seine Kollegen an Überarbeitung leiden müssen.

Vom Höhenflug zum tiefen Fall – It’s only Rock’n‘Roll

Parallel zu Erkis Streifzug durch die Musikgeschichte wird die Geschichte von Frank Breuer erzählt. Der ehemalige Musikmanager war auch für die Velvet Shades zuständig und an ihrem abrupten Ende nicht ganz unschuldig. Mittlerweile kreuzt er völlig abgebrannt durch Wien, träumt von vergangenen, vorgeblich glorreichen Zeiten zwischen Chic und Falco. Außerdem schuldet er Bordellbetreiber und Unterweltgröße Petko eine Menge Geld. Die einzige Chance, Petko auszuzahlen und damit zu besänftigen, sieht Breuer darin, eine Gitarre zu stehlen und zu verkaufen. Eine „Les Gibson Cherry Sunburst“, die Breuer im besetz eines Bandmitglieds der Velvet Shades vermutet. Deren enormer Wert  nicht nur in ihrer Seltenheit begründet liegt, sondern darin, dass sie ursprünglich dem jungen Eric Clapton gehörte. Bis sie ihm gestohlen wurde. Natürlich wird Breuers Jagd nach der verlorenen Gitarre mit Erkis Umtrieben kollidieren. Zum Glück für Erki.

Eine kleine Nachtmusikgeschichte

„Wiener Blues“ ist eine launige, stellenweise nachdenkliche Reise in die Welt der Popkultur, die bis Mitte der Siebziger noch von Aufbruch, dem Loblied auf individuelle Stärken und der Hoffnung auf den Sieg der Kreativität geprägt war. Das war eine Zeitlang tatsächlich erfolgreich, was mehr oder weniger findige Geschäftemacher, ohne Interesse an Kultur und Individualität, natürlich bemerkten. Diese Finanzexperten sorgten auf ganz eigene Weise für Optimierung, in denen prägende Bandmerkmale meistbietend verhökert wurden. Johann Allacher spezifiziert dies am Schicksal der fiktiven Velvet Shades. Gestartet als hoffnungsvolle Band, deren ursprüngliche Musik irgendwo zwischen Blues, Progressive- und Krautrock (in der österreichischen Prägung) verortet werden darf. Erste Erfolge und eine wachsende Fanschar stellt sich. Ein Plattenvertrag winkt. Der aus den Velvet Shades ein Projekt aus Sessionmusikern plus ursprünglichem Sänger macht, während die eigentlichen Musiker ausgebootet werden. Dazu ein Konzept, dass aus dem urwüchsigen musikalischen Gebräu eine Mixtur aus melodischem Rock, Disco, Soul und Blues macht, aufgenommen in einem angesagten Münchener Studio. Unweigerlich floppt das Album, die Velvet Shades gehen den Weg alles Irdischen. In Windeseile. Dee Musikzirkus zieht weiter. Die Velvet Shades haben die Arena verlassen. Bis dreißig Jahre später ein Praktikant eine verloren geglaubte Single ausgräbt. Und die Musikgeschichte gealterte Ex-Musiker einholt.

Eine Reise durch veränderliche Zeiten – inklusive Namedropping

Allachers Roman versorgt seine Leserschaft mit allerlei Informationen zur Musik der Siebziger, Achtziger und dem wachsenden Business darum herum. Dabei gibt es nicht nur Einblicke in die „Aussie“-Popkultur zwischen Ludwig Hirsch (dessen „Komm großer schwarzer Vogel“ nachts nicht im Radio gespielt werden durfte, da man befürchtete, die Zahl der suizidalen Hörer würde rasant ansteigen) , Georg Danzer und dem, zumindest nach Verkaufszahlen, kurzeitigen Erfolgsmodell Falco. Mitunter ergeht sich der Autor in Namedropping von Jimi Hendrix über Peter Frampton bis Blondie und viele weitere Acts. Aber das passt schon und ist vermutlich der eigenen Begeisterung am Thema geschuldet. Gilt ebenfalls für die stellenweise sehr ausführliche Instrumenten-, Tonstudioausstattungs- und Radiokunde.

Geradezu verwegen ist die Aussage „Als ich 1976 aus Deutschland zurückgekommen bin bin, haben Bands wie Yes und Genesisdas internationale Geschäft dominiert“. Bands aus dem Bereich des Progressive Rock verkauften sich zwar verhältnismäßig gut in jener Zeit und die Konzerte waren ebenfalls ordentlich besucht,  aber Genesis schrieben erst schwarze Zahlen, als sie sich Zur Jahrzehntwende dem  Pop verschrieben und mit dieser Richtungsänderung  oder -erweiterung, je nach Gusto,  tatsächlich Megaseller wurden. Viele andere Bands aus ähnlichem musikalischen Sektor - wie die fiktiven Velvet Shades - fielen damit auf die Nase.

Aber wenn eine Band des Genres seinerzeit zum Goldesel wurde, waren das Pink Floyd, die gar nicht erwähnt werden. Doch die wahren Big Player der ausgehenden Siebziger waren Musiker*innen wie Abba, die Bee Gees, Queen oder Boney M. Von dem kleinen Furor, den der Punk veranstaltete, ganz zu schweigen.

Fazit – Der Kommissar geht nicht wirklich um

Doch „Wiener Blues“ ist kein Sachtext über eine musikalische Epoche, sondern eine persönliche Bestandsaufnahme. Während die Kriminalhandlung, samt kaum stattfindender Ermittlung, blässlich bleibt, ist der nostalgisch-kritische Ausflug in die (Rock-Pop)-Musikgeschichte, auch stilistisch, wohlgeraten und unterhaltsam.  Und die CD-Single ist eine charmante Dreingabe.

Wiener Blues

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