Broken

Erschienen: März 2020

Bibliographische Angaben

Übersetzng: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann, Joannis Stefanidis, Peter Friedrich, Kerstin Fricke

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Almut Oetjen
Hart und zerbrechlich

Buch-Rezension von Almut Oetjen Jul 2020

Don Winslows „Broken“ enthält sechs Novellen: Broken, Crime 101, The San Diego Zoo, Sunset, Paradise und The Last Ride. Der Sammlung vorangestellt ist ein Zitat von Stephen King über das Schreiben und Lesen. Die Novelle Broken wird eingeleitet mit einem Zitat von Ernest Hemingway. Drei weitere Geschichten sind drei Männern gewidmet, die beiden letzten niemandem.

Family of Cops

Jimmy und Danny McNabb entstammen einer Polizistenfamilie mit irischen Wurzeln und arbeiten im Drogendezernat der Polizei von New Orleans. Mutter Eva ist in der Polizeinotrufzentrale tätig. Vater John, eine Legende im Polizeiapparat, ist Pensionär. Als Jimmy und sein Team dem Kartellmitglied Oscar Diaz während eines Einsatzes ein paar Millionen Dollar in Form von Metamphetaminen abnehmen, quält Oscar Danny grausam zu Tode und stellt das Tatvideo online. Jimmy und das Team nehmen Rache. Man bekommt, was man liest, die auf den Punkt gebrachte Arbeit eines brutalen Mechanikerteams. Winslow illustriert eines der beliebtesten Nietzsche-Zitate. Am Ende gibt es eine kleine inhaltliche Überraschung, die sich in moralisches Ödland verläuft.

Windmills of your Mind

Davis beraubt Juwelenkuriere. Sein Zuhause ist der Highway 101, er fährt einen getunten Mustang und einen Camaro ZL1. Ansonsten besitzt er nur wenig, trägt aber hochwertige Kleidung. Für Davis ist der Schauspieler Steve McQueen die Verkörperung kalifornischer Coolness. Sein Gegenspieler ist Lieutenant Ronald „Lou“ Lubesnick, der aus Überzeugung einen pensionsreifen Honda Civic fährt und sich in einer Hotdog-Bude ernährt. Seine Frau hat eine Affäre mit ihrem Anwalt. Natürlich kommt Lou irgendwann auf Davis, der noch den klassischen letzten Job erledigen will. Juwelen, Hochrisikoversicherungen: Auftritt Sharon Coombs, Ende 30, getunte Brüste, fleischgewordenes Südkalifornien.

Crime 101 enthält Motive aus dem McQueen-Klassiker „Thomas Crown ist nicht zu fassen“, Verweise auf „Getaway“ und „Bullitt“. Auch Highway 101 hat ein überraschendes Ende. Wenn man Steve McQueen nicht kennt, dem Winslow seine Geschichte gewidmet hat.

Make my day, Chimp

Der aus dem Zoo von San Diego entflohene Schimpanse Champion stellt Cop Chris Shea und Kollegen vor Probleme. Am Museum of Man treibt er sich mit einem geladenen Revolver herum. Carolyn Voight aus der Primatenabteilung kann Champion wegen Verletzungsgefahr nicht betäuben. Eine Menschenmenge achtet darauf, dass er nicht Opfer von Polizeigewalt wird. Polizist Grosskopf fordert ihn über Megaphon auf, die Waffe fallen zu lassen. Champion könnte, so Carolyn, sexuell frustriert sein, weil Alicia ihn abgewiesen hat. Das erklärt aber nicht, wie er an die Waffe gekommen ist. Carolyn gibt der National Rifle Association die Schuld. Grosskopf fragt sich, ob Champion im Kabelfernsehen gewalttätige Programme gesehen haben könnte. Um die Angelegenheit abzurunden, laufen noch ein SWAT-Team und ein Fernsehteam auf.

Die Sache wird lächerlich aufgelöst, Chris auf peinliche Weise zum Thema in Presse und Internet. Aber damit ist noch nicht Schluss. Zu klären ist noch, woher der Schimpanse den Revolver hat. Oder auch nicht. The San Diego Zoo ist eine der beiden besten Geschichten in „Broken“, eine Groteske, gewidmet dem unvergleichlichen Elmore Leonard, der den Krimifans als Vermächtnis Raylan Givens hinterlassen hat.

Der lange Abschied

Die nächste Geschichte heißt Sunset und ist Raymond Chandler gewidmet. Terry Maddux war ein Topsurfer, alle liebten ihn. Er hatte zuviel Geld für Partys und Drogen, wurde schließlich vom Heroin bezwungen und versackte in Grund und Boden. Nun ist er 54 Jahre, hat drei Verurteilungen hinter sich, eine weitere vor sich und ist untergetaucht. Duke Kasmajian, eine Legende in San Diego, droht deshalb seine 300.000 $ Kaution zu verlieren. Kopfgeldjäger Boone Daniels, der in einem früheren Leben Surfer war, soll Terry vor der Polizei finden, damit Duke sein Geld behalten kann.

Eine melancholische Geschichte über das Altern und die Freundschaft, begleitet von Jazz: Stan Getz, Chet Baker, Nat King Cole. Alt werden ist scheiße, aber besser als die Alternative, heißt es einmal.

Ben Chon O im Paradies

Don Winslows „Savages“ war nach vielen Jahren der erste Kriminalroman, bei dem ich das Gefühl hatte, etwas Neues zu lesen. Nicht nur einen guten, unterhaltsamen, komischen und spannenden Roman, beinahe auch experimentelle Literatur.

Hawaii, 2008, ein Intermezzo von Ben, Chon und O, den drei Freunden aus „Savages“ und „Kings of Cool“. Ben und Chon sind geschäftlich hier, O will Urlaub machen. Gegenüber den Romanen erfahren wir wenig, was neu wäre. Ein nettes Wiedersehen für Fans. Vielleicht etwas interessanter, wenn man die Romane nicht kennt. Informationen in Form von Redundanz werden für diese Gruppe mitgeliefert, damit man die Geschichte als Standalone goutieren kann.

Das Schweigen der Lämmer

Carl Strickland findet sich, wie sehr viele Amerikaner, völlig überrascht in Trumpland wieder. Carl arbeitet bei der Border Patrol, im Auffanglager Clint. Illegale Migranten werden getrennt, den Eltern die Kinder weggenommen. In Clint befinden sich 281 Kinder in schlechter Käfighaltung. Statt sie, wie vorgeschrieben, nach drei Tagen in eine Pflegefamilie zu vermitteln oder die Familie wieder zu vereinen und abzuschieben, hängen viele wochenlang in Auffanglagern fest.

Carl sieht im Käfig die etwa sechsjährige Luz Gonzáles aus El Salvador. Ihre Mutter wurde bereits abgeschoben. Carl versucht sie ausfindig zu machen, damit Mutter und Tochter wieder vereint sein können. Die letzte Story, The Last Ride, ragt in „Broken“ in jeder Hinsicht heraus. Melancholischer als Sunset, auf andere Weise grausam als der Rest, weniger Mechanik, mehr Tiefgang.

Fazit:

Don Winslow erzählt in „Broken“, einer Sammlung von sechs Novellen, thematisch unterschiedlich überwiegend von Männern verschiedener Härtegrade, die in Teilen des heutigen diskursiven Klimas als Anachronismen, gerne auch als auserzählte weiße Männer bezeichnet werden. Männer und Frauen auf Augenhöhe, Sexismus gibt es – naturgemäß - trotzdem. In manchen Texten gibt es Begegnungen mit Protagonisten aus früheren Büchern Winslows.

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Letzte Kommentare:
27.07.2020 10:57:54
Bücherratte

wie alle Bücher von Don Winslow Lesenswert.Ich warte schon sehnsüchtig auf weiteres von Ihm.

Echte Täter,
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