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Carola Krauße-Reim
Der Krieg lässt manchen auch nach seinem Ende nicht los

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Jul 2020

Felix Weber ist das Pseudonym für den niederländischen Thriller-Autor Gauke Andriesse. Für „Staub zu Staub“ erhielt er bereits zum zweiten Mal den Gouden Strop, die bedeutendste Auszeichnung für niederländische Kriminalliteratur.

Historische Tatsachen inspirierten den Autor

Ein Artikel über mysteriöse Todesfälle in der katholischen Kirche war die Inspiration des Autors zu diesem Buch. Die Protagonisten sind historisch belegte Personen, die Sint-Norbertus-Affäre bildet die Grundlage.

1949: Der ehemalige Widerstandskämpfer Siem Coburg lebt zurückgezogen auf einem Hausboot. Erst als Bauer Tammens, in dessen Schuld er steht, ihn bittet den Tod seines Enkels aufzuklären, gibt er seine selbst gewählte Isolation auf. Der 17-jährige geistig behinderte Siebold starb in einem katholischen Heim, in dem Mönche das Sagen haben. Bald stellt Coburg fest, dass Siebold nicht der einzige Patient ist, der unter ungeklärten Umständen starb.

Zerrissene Seelen prägen die Geschichte

Alle in diesem Krimi sind gezeichnet durch den Krieg und viele lässt er auch in Friedenszeiten nicht los. Diese geschädigten und zerrissenen Seelen hat der Autor durchweg sehr plausibel und glaubwürdig geschildert. Schon die allgemeine niederländische Bevölkerung leidet 1949 noch unter den Nachwirkungen des Krieges. Neben dem Hunger und der Trauer um Gefallenen spielt die Frage nach Kollaborateuren und Verrätern eine große Rolle. Doch Siem Coburg muss mit mehr fertig werden. Früh zum Waisen geworden, stolpert er mehr ungewollt als beabsichtigt in den Widerstand gegen die Deutschen.

Zuerst druckt er nur Flugblätter, dann liquidiert er Nazis und Kollaborateure. Seine große Liebe Rosa gehört auch dem Widerstand an, bis sie verraten und hingerichtet wird. Das zerstört Coburg und macht ihn zu einem Mann, der sich aufgegeben hat. Diesen zerrissenen Menschen zu begleiten ist anstrengend für den Leser, nicht zuletzt, weil er durchweg unsympathisch beschrieben wird. Er ermordete Menschen, ohne jemals diese Taten auch nur ansatzweise zu hinterfragen und geht auch bei seiner jetzigen Aufgabe ziemlich rücksichtslos vor. Gleichzeitig blitzt immer wieder ein kleiner Funken Menschlichkeit auf, der jedoch bald wieder erlischt. Der Krieg hat Coburg seelisch so zerstört, dass Siebolds Tod und die Ergebnisse seiner Ermittlungen ihn eigentlich unberührt lassen.

Auch Bruder Felix muss immer wieder sein Kriegstagebuch lesen. Nur handelt es sich bei ihm um den ersten Weltkrieg, der ihn nicht los lässt. Die geschilderten Gräuel sind kaum auszuhalten, aber im Krieg wohl grausamer Alltag. Sein Mitbruder Anselmus hingegen kämpft mit sich selbst und seiner umfangreichen und kraftraubenden Aufgabe die geistig Behinderten Kinder und Jugendlichen zu versorgen. Weber schafft es, den Leser mitzunehmen in die Welt einer geschlossenen Gemeinschaft, in die man wenig Einblick erhält und, die für ihre Taten nur selten zur Rechenschaft gezogen wird, weil alles im Verborgenen geschieht und der Abt wenig Interesse an Gerechtigkeit zeigt. Ein auch in unseren Zeiten aktuelles Thema.

Schuld ist das zentrale Thema

Was die Krimi-Handlung betrifft, bleibt der Leser allerdings stets unberührter Betrachter. Dieser Krimi ist eigentlich ein Historiendrama, bei dem der mysteriöse Tod des Jungen nur als Aufhänger dient. Große Teile der Geschichte nehmen Rückblicke in die Zeit des Krieges ein. Coburg durchlebt die Zeit des Widerstandes immer wieder und Bruder Felix die Grauen als Sanitäter im 1. Weltkrieg. Dazu kommt die missliche Lage der Bevölkerung im Jahr 1949. Ständig begegnet der Leser der Frage nach der Schuld.

Schuld am Tod der Geliebten; die Frage nach persönlicher Schuld in Kriegszeiten und die Schuld, die sich aus dem unkorrekten Umgang mit Schwerstbehinderten ergibt. Das ist interessant, verhindert aber jede Spannung. Es ist von vorne herein klar, dass Siebold nicht eines natürlichen Todes starb und, dass einer der Mönche ihn auf dem Gewissen hat. Doch wer das ist, wird nie in den Mittelpunkt der Erzählung gestellt.

Ein Nebel aus Kriegserinnerungen und -folgen umwabert stets die Ermittlungen, die dann zwar zum längst vermuteten Täter führen, den Leser aber nie fesseln. Das Grauen, dass sich im Sint-Norbertus-Heim abgespielt hat, wird erst durch die Anhänge greifbar. Hier listet der Autor die getöteten Patienten auf, beleuchtet die historischen Umstände der Affäre und gibt Details zu den belegten historischen Personen.

Fazit:

Vielleicht hat die Aufarbeitung des 2. Weltkrieges im Hinblick auf Widerstand, Kollaborateure und Verräter in den Niederlanden einen anderen Stellenwert als in Deutschland, denn anders kann ich mir die verliehene Auszeichnung nicht erklären. Felix Weber widmet sich in einem angeblich „besten Krimis des Jahres“ zu sehr den geschichtlichen Hintergründen. Dabei bleibt die erwartete Spannung komplett auf der Strecke. Dadurch ist „Staub zu Staub“ ist ein Buch für Leser mit Interesse an Geschichte, aber nichts für Fans spannender Krimiunterhaltung. 

Staub zu Staub

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