Knochenteppich

  • Autor: JD Kirk
  • Verlag: Zertex Crime

Erschienen: Juni 2020

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen unter dem Titel „A Litter of Bones“
- Fort William : Zertex Media Ltd. 2019
- Luxembourg : Zertex Crime/Amazon Media EU 2020. Übersetzung: N. N. ISBN-13: 978-1-912-76723-6. 293 Seiten
- Luxembourg : Amazon Media EU 2020 [eBook]. Übersetzung: N. N. ASIN: B088WZ75YZ. 949 KB (Kindle)

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Michael Drewniok
Ein Kinderfänger kehrt zurück

Buch-Rezension von Michael Drewniok Jul 2020

Detective Chief Inspector Jack Logan ist ein erfahrener Kriminalist im Dienst der Kriminalpolizei von Glasgow. Sein größter Erfolg gelang ihm vor zehn Jahren, als er den Kidnapper und Mörder Owen Petrie - genannt „Mr. Whisper“ - fasste, der es auf minderjährige Jungs abgesehen hatte. Während der Festnahme gab es einen ‚Unfall‘, der den Täter von einem Parkhaus stürzen ließ. Seither fristet er sein Dasein in einem Heim, wo ihn Logan - der an einen echten Hirnschaden nicht glaubt - regelmäßig ‚besucht‘ und bedrängt, die Grabstätte seines letzten, nie gefundenen Opfers preiszugeben.

Für einen aktuellen Fall ruft man Logan in die westlichen schottischen Highlands. Nahe der Kleinstadt Fort Williams wurde der siebenjährige Connor Reid verschleppt. Die Umstände gleichen denen der „Whisper“-Fälle bis ins Detail! Wurde damals der falsche Mann festgenommen? Logan kann und will dies nicht glauben, sondern setzt auf einen Nachahmungstäter. Während er sich auf die Unterstützung seiner Kollegen verlassen kann, halten sich seine Vorgesetzten zurück, um einen Sündenbock präsentieren zu können, sollte der stetig wachsende Druck durch Politik, Medien und Öffentlichkeit ein Opfer fordern.

Falls der neue „Mr. Whisper“ tatsächlich Owen Petrie imitiert, bleiben der Polizei 48 Stunden, um den vermissten Jungen lebend zu finden. Logan setzt darauf und baut einen hohen Fahndungsdruck auf, dem sein Team zunächst nicht gewachsen ist. Schnell rauft man sich zusammen, und endlich ergeben sich erste Erkenntnisse. Es existiert eine Verbindung zum ursprünglichen Fall, die schleunigst geklärt werden muss, will man Connor retten, dessen Zeit beinahe abgelaufen ist …

Noch ein mörderischer Schotte

William McIlvanney, Ian Rankin, Val McDermid, Stuart MacBride, Tony Black, James Oswald … Die Reihe der Autoren, die dem Subgenre „Tartan Noir“ zugerechnet werden, ist bereits lang und hier in der Auflistung keineswegs vollständig. Diese Krimis spielen in Schottland, wo es offenbar ständig regnet, früh dunkel wird und ungeachtet des Klimawandels kalt bleibt.

Das Verbrechen fühlt sich wohl dort, ist einerseits fest verwurzelt in der schottischen Historie und andererseits bereits globalisiert, weshalb es in sämtlichen Spiel- bzw. Abarten auftritt. Die Spezialität des „Tartan Noir“ liegt in einer Weltsicht, die Schmerz und Schrecken durch rabenschwarzen Humor gleichermaßen entschärft und unterstreicht. Das spiegelt sich in charakterlich exzentrischen Gesetzeshütern und Verbrechens wider, wobei das Spektrum zwischen McDermid (dezent) und MacBride (exzessiv) schwankt.

In diese illustre Schar möchte sich JD Kirk einreihen, wobei umgehend darauf hinzuweisen ist, dass hinter diesem Pseudonym ein erfahrener Autoren-Hase steckt: Barry Hutchinson, 1978 immerhin tatsächlich in Schottland geboren, wurde vor allem als Autor von Kinderbüchern bekannt, von denen er bisher ca. 150 schrieb. An ein ‚erwachsenes‘ Publikum wandte er sich bisher als „Barry J. Hutchinson“, bevor er als „JD Kirk“ Krimi-Neuland betrat. Fort Williams, Schauplatz von „Knochenteppich“, kennt er gut, weil er dort aufgewachsen ist. Seine Ortskenntnis gibt der Story eine wichtige Stütze.

Tartan-Noir light: bedingt frisches Krimi-Blut

„JD Kirk“ ist wie „Barry Hutchinson“ ein fleißiger Schriftsteller: Obwohl er sie erst 2019 begann, arbeitet er bereits am fünften Roman seiner Serie. Das schlägt sich nicht unbedingt formal, auf jeden Fall aber inhaltlich nieder. „Knochenteppich“ liest sich zwar erstaunlich flüssig (und ist ungeachtet zahlreicher Druckfehler flüssig übersetzt), was die handwerkliche Routine des Verfassers belegt. Mit dem das Recht notfalls (und allzu unbekümmert) beugenden DCI Logan hat er freilich keine originelle Figur in die Krimi-Welt gesetzt, und die Männer und Frauen der Kriminalpolizei von Fort Williams ähneln verdächtig den schrägen Gestalten, mit denen Rankin und vor allem MacBride ihre Romane bevölkern, auch wenn Kirk die Zügel fester in der Schreibhand hält.

Generell verzichtet Kirk auf eine Verknüpfung des beschriebenen Verbrechens mit aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Zu- bzw. Missständen, was man als Leser nicht unbedingt vermisst. Ansatzweise geißelt er die rücksichtsfreie Faktengier der modernen, durch das Internet in Auflösung geratenen Medien, doch das wirkt eher wie eine Pflichtübung, da sich Krimi-Polizisten und Journalisten quasi traditionell hassen.

Die Handlung beschränkt sich auf eine Handlungsebene = die zunehmend fieberhafte Suche nach dem verschleppten Kind. Hin und wieder (und nicht unbedingt gelungen) blendet Kirk auf den verstörten Connor um, der unter den eher publikumsorientierten Faxen seiner allzu offensichtlich geistesgestörten Entführer leidet. Dies deutet die wenig elegante, sondern (zu) stark auf den Effekt zugeschnittene Auflösung an. Während das Geschehen bisher stringent ablief, wirft der Verfasser im letzten Drittel die Disziplin über Bord und zwingt ein weder plausibles noch glaubwürdig in Worte gefasstes Action-Finale herbei, das ziemlich deutlich belegt, dass JD Kirk unter den eingangs beschriebenen Kolleg/inn/en (noch) ein geduldeter Gast ist.

Fazit:

Der Auftakt zu einer neuen Serie schottischer Polizei-Krimis bewegt sich in bewährten „Tartan-Noir“-Spuren, ohne dabei eigene Marken zu setzen. Handwerklich gefällt Autor Kirk mit routinierter Schreibe, während der Plot final auf dünnes Eis gerät: Womöglich ist dies der Preis, den die Leser für Kirks enormes Arbeitstempo zahlen müssen.

Knochenteppich

Knochenteppich

  • Autor: JD Kirk
  • Verlag: Zertex Crime

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