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Brigitte Grahl
Spannender Geschichtsunterricht

Buch-Rezension von Brigitte Grahl Jul 2020

Für alle, die nicht länger auf den nächsten Krimi von Volker Kutscher warten wollen, für alle, die sich für die Geschichte und Politik interessieren, ist „Die goldenen Jahre des Franz Tausend“ ein heißer Tipp. Aber obwohl Volker Kutscher und Titus Müller das gleiche Genre, die gleiche Zeitepoche und zum Teil den gleichen Schauplatz gewählt haben, hat Titus Müller seinen ganz eigenen Stil und eine ganz eigene Herangehensweise an den Stoff.

Ein Hochstapler als Symbol für den Aufstieg der Nazis

Ein Betrüger, der den Menschen Gold verspricht und sie dafür finanziell ruiniert ist der Titelgeber des Buches „Die goldenen Jahre des Franz Tausend“. Autor Titus Müller erzählt von dem Aufstieg eines skrupellosen Hochstaplers und Blenders in der Zeit der Weimarer Replik. Es ist ein wahrer Fall, der symbolisch für die Zeit steht, in der die Nationalsozialisten aufsteigen und Deutschland ruinieren, weil geldgierige und verblendete Industrielle auf ihre deren Versprechungen hereinfallen.

Der Autor spannt virtuos den Bogen von 1928 bis 1936 und erzählt die Zeit aus dem Blick mehrerer Personen. Der Ich-Erzähler, Kommissar Heinrich Ahrendt, bekommt es in München mit dem Goldmacher Franz Tausend zu tun, der von rechten Industriellen und hochrangigen Nazis hofiert wird. Sie wollen mit dem Gold die Wiederaufrüstung Deutschlands finanzieren.

Kommissar Ahrendt durchschaut Franz Tausend gleich als Hochstapler, soll ihn aber vor Geldrückforderungen armer Leute schützen. Ahrendt ist ein sehr reflektierter Mensch mit sozialem Gewissen und politischem Bewusstsein. Er merkt schnell, dass er auf der falschen Seite steht, was ihn in eine moralische Zwickmühle bringt.

Vom Krimi zum Politthriller

Von der Kriminalgeschichte des falschen Goldmachers verlagert sich die Geschichte immer mehr zum politischen Thriller. Kommissar Heinrich Ahrendt muss sich in seinem neuen Job bei der Politischen Polizei in Berlin bewähren. Er wird beauftragt, den unbequemen Journalisten und Pazifisten Carl von Ossietzky zu beschatten. Auch in diesem Fall fühlt der Kommissar, dass er wieder auf der falschen Seite steht.

Berühmte Zeitgenossen als Erzähler: Thomas Mann und Carl von Ossietzky

Ein weiterer Erzähler, der sich ebenfalls manchmal wie ein Hochstapler fühlt, ist der Schriftsteller Thomas Mann. Die Passagen, in denen er in dritter Person über seine Schreibblockaden und Selbstzweifel reflektiert, gehören zu den vergnüglichen Passagen des Buches und lockern die ansonsten ernste Handlung auf. Mit viel Kenntnis erzählt Titus Müller, der neben Geschichte auch Literatur studiert hat, von Frust, Neid und Unsicherheit des großen deutschen Schriftstellers, der seine literarische Bedeutung noch nicht erkannt hat und seine politische Haltung erst noch finden muss.

In der zweiten Hälfte von „Die goldenen Jahre des Franz Tausend“ verschwindet Franz Tausend fast gänzlich aus der Handlung, dafür steht Carl von Ossietzky, ebenfalls ein Zweifelnder, im Mittelpunkt. Mit Ossietzkys Geschichte schließt der Krimi - es sind die berührendsten Passagen von „Die goldenen Jahre des Franz Tausend“. Am Ende des Buches sind die Hauptpersonen nicht mehr dieselben wie am Anfang und auch Deutschland ist anderes Land geworden.

Fazit:

Titus Müller schafft mit „Die goldene Zeit des Franz Tausend“ das Kunststück, auf nur 380 Seiten viel Geschichte und Geschichten unterzubringen. Er entwirft ein Sittenbild der Weimarer Republik und stellt ihren Übergang in den Nationalsozialismus dar. Titus Müller lässt sein immenses zeitgeschichtliches Wissen immer wieder an den passenden Stellen als Hintergrundwissen für die Leser einfließen, ohne zu dozieren. Seine Liebe zur Literatur und zum Schreiben spiegelt sich in den Figuren von Thomas Mann und Carl von Ossietzky. Die Wortwahl trifft den Duktus seiner Zeit und ist nicht auf modern getrimmt. „Die goldene Zeit des Franz Tausend“ ist kein typischer Krimi, statt Hochspannung gibt es spannenden Geschichtsunterricht.

Die goldenen Jahre des Franz Tausend

Die goldenen Jahre des Franz Tausend

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