James Bond 007 - Ewig und ein Tag

Erschienen: Dezember 2019

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen unter dem Titel „Forever and a Day“
- London : Jonathan Cape/Penguin Random House 2018
- Ludwigsburg : Cross Cult Verlag 2019. Übersetzung: Stephanie Pannen. ISBN-13: 978-3-86425-759-9. 271 Seiten
- Ludwigsburg : Cross Cult Verlag 2019 [eBook]. Übersetzung: Stephanie Pannen. ISBN-13: 978-3-96658-000-7. 2,01 MB [ePUB]

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Michael Drewniok
Stilechtes Debüt für Mr. Bond

Buch-Rezension von Michael Drewniok Jun 2020

Im Sommer des Jahres 1950 beklagt der britische Geheimdienst den Tod des Agenten 007. Er wird von Kugeln durchlöchert aus dem Wasser der französischen Hafenstadt Marseille gefischt, wo er feststellen sollte, wieso die bisher an der Riviera blühende Produktion von Heroin quasi eingestellt wurde. Verdächtig ist zum einen der korsische Gangsterboss Jean-Paul Scipio, der die lokale Unterwelt mit eiserner Faust regiert. Möglicherweise steckt auch die Abenteurerin Joanne Brochet mit in der Sache. Sie wurde einst unter dem Decknamen „Sixteen“ von den Briten ausgebildet, hat sich aber selbstständig gemacht und handelt nunmehr mit allerlei brisanten Informationen.

Geheimdienstchef M ist knapp an Leuten und schickt deshalb eine ‚neue‘ Nr. 007 nach Frankreich. James Bond hat sich gerade als Henker seiner Majestät in Schweden bewährt, wurde dafür befördert und stürzt sich mit Feuereifer auf die neue Aufgabe. Vor Ort gerät er nicht nur an Scipio und „Sixteen“, die längst über seine Identität informiert sind, sondern auch an die ‚Konkurrenz‘: Die CIA interessiert, was und wer hinter dem Tod von Bonds Vorgänger steckt.

Während sich zumindest Bond und Brochet näherkommen, gerät ein neuer Spieler ins Visier des Agenten: Der (einfluss-) reiche US-Magnat Irwin Wolfe arbeitet mit Scipio zusammen. Sie planen einen großen Coup, wobei eine Hirnkrankheit Wolfe völlig rücksichtslos agieren lässt. Was der Millionär im Bund mit dem Mörder vorhat, erfahren Bond und Brochet erst, als sie sich in beider Gewalt und fern jeglicher Hilfe auf hoher See wiederfinden. Einfallsreich und rücksichtslos nimmt das Paar den ungleichen Kampf auf Leben & Tod auf …

Back to the roots (und weiter)

2015 hatte Autor Anthony Horowitz im Auftrag des ebenso elitären wie gewinninteressierten „Estate of Ian Fleming“ den James-Bond-Roman „Trigger Mortis“ geschrieben, der den Agenten 007 nicht in gegenwärtige Abenteuer verstrickt, sondern zurück in die Vergangenheit versetzt hatte, Fleming (1908-1964) hatte Bond in seinen Romanen immer wieder Einsätze ansprechen lassen, auf die sich Autoren wie Horowitz beziehen können, soll der Fall in den „Kanon“ eingehen.

Hinzu kamen Flemings Entwürfe für eine nie realisierte 007-Fernsehserie. Der Autor hatte kurze Konzepte für einzelne Folgen geschrieben, die sich nach seinem Tod in blankes Gold verwandelten. Wie „Trigger Mortis“ trägt auch „Ewig und ein Tag“ auf dem Cover den vielversprechenden Zusatz „Mit Originalmaterial von Ian Fleming“: hohler Werbedonner, denn es lagen nur wenige Zeilen vor, die Horowitz in das Kapitel „Russisches Roulett“ einfließen ließ.

Schon „Trigger Mortis“ hatte ‚originale‘ Fleming-Passagen enthalten, die sich jedoch eher schlecht als recht in den Horowitz-Roman fügten. Dieses Mal gelingt die Integration besser, wie überhaupt „Ewig und ein Tag“ der gelungenere Roman ist. Horowitz, ein Schriftsteller von Format, stellt sich erfolgreich der Herausforderung, sowohl den ‚ursprünglichen‘ Bond zu wahren als auch zu berücksichtigen, dass längst das 21. Jahrhundert angebrochen ist und gewisse Ansichten, die Fleming einst unverhohlen vertreten konnte, heute politisch einfach zu unkorrekt geworden sind.

Fast wie in alten Zeiten

Dazu gehören Vorurteile, die heute an Rassismus mindestens grenzen. Fleming ging von einem Primat Großbritanniens aus, das deren Bürger kulturell über die Bewohner dieser Welt erhob. „Rule Britannia“ war für ihn keine Phrase, sondern ein Privileg, das den Briten zustand, weil sie es sich ‚verdient‘ hatten. Horowitz unterlässt jene hässlichen Bemerkungen, mit denen Fleming sicherlich die Mittelmeer-Franzosen und vor allem die Korsen ‚charakterisiert‘ hätte bzw. thematisiert lieber die ‚freundliche Aversion‘ zwischen Briten und US-Amerikanern.

Nach 1945 endete Großbritanniens Zeit als Weltmacht; die USA übernahmen im Westen. Man wusste es, wollte es aber auf der Insel verständlicherweise nicht wahrhaben. Fleming wie Horowitz schildern eine Kooperation, bei der die ‚Partner‘ einander so wenig wie möglich in die Karten blicken lassen. Nicht einmal M gedankt an einem Strang mit den ‚Emporkömmlingen‘ zu ziehen.

Sowjet- und China-Teufel werden zwar erwähnt, bleiben aber als Bösewichte dieses Mal außen vor. An ihre Stelle rückt das schon bei Fleming typische Schurkengespann, das die Welt ins Chaos stürzen will. Für grausame Folter- und Mordtaten ist der durch krankhafte Fettsucht grotesk entstellte und dadurch erst recht entmenschte Mafiosi Scipio zuständig, während der eigentliche, scheinbar ehrbare, tatsächlich (größen-) wahnsinnige Strippenzieher sich lange im Hintergrund verbirgt und final extra zur Rechenschaft gezogen werden muss. Als Schergen bzw. später Kanonenfutter für Bond fügt Horowitz ebenfalls vorschriftsmäßig primitive Schlagetots ein, die nach und nach ihrer ‚gerechten Strafe‘ (= Kopf ab) zugeführt werden.

Ladies first?

James Bond und die Frauen … Dieses Kapitel ist in der „#MeToo“-Ära ein heikles Pflaster. Bond wurde von Fleming als „Womanizer“ beschrieben, wobei dem eine offen chauvinistische sowie latent sadistische Ader innewohnte, die in den 007-Filmen rasch zur bloßen Nummernrevue fallintern beschlafener Damen verharmlost wurde. Frauen sind für Bond Mittel zum Zweck - und dies darf (und soll) man ruhig doppeldeutig verstehen. Horowitz hält sich vorsichtig an diese Vorgabe, stellt sie dabei jedoch als Element seines Bemühens dar (Flemings) Vergangenheit zu rekonstruieren.

Also zeigt auch die zunächst unberührbare „Lady Sixteen“ nach und nach menschliche (= weibliche) Schwäche, während sich Bond diesbezüglich bedeckt hält und ungerührt gibt, was Horowitz wiederum als Selbstschutz eines Mannes deutet, der im Dienst seiner Regierung Menschen umbringt und sich Selbstzweifel oder Gefühle überhaupt nicht leisten kann.

Manchmal scheint Horowitz zu sticheln und schildert ‚selbstständige‘ Frauen, die tatsächlich auf der Suche nach einem Mann sind, der sie ‚halten‘ = versorgen und für sie Entscheidungen treffen kann. Solche Einschübe sind indes ebenso ‚provokativ‘ wie Bonds ständiger Griff zu Zigarette und hochprozentigem Alkohol: Es gehört zur Kulisse und ist nicht ernstgemeint. Wer in dieser Hinsicht nicht abstrahieren kann, ist im Bond-Universum fehl am Platze.

Tücke ohne Sinn & Verstand

Die Story folgt der 007-Logik, hat also mit der Realität rein gar nichts zu tun. „Ewig und ein Tag“ spielt zwar in einer Welt, deren Geografie uns ebenso bekannt ist wie die meisten Automobilmarken, entspricht aber ansonsten einer Illusion, wie sie sehr schön der Film „OSS 117: Le Caire nid d’espions“ (2006; „OSS 117 - Der Spion, der sich liebte“) karikierte: Markige, makellos gekleidete Männer treffen sich mit schönen und eleganten Frauen, fahren schnittige Autos und schwitzen auch unter glühender Sonne nicht. Die einheimische Bevölkerung bleibt Statisterie, die ‚lokalen‘ Kulissen sind malerisch oder pittoresk.

Folgerichtig ist der Fall, der Bond an die Riviera bringt, nur Vorwand für eine Abfolge abenteuerlicher Episoden, die weder für sich noch in ihrer Gesamtheit der 007-Saga Neues bringen. Das sollen und dürfen sie auch nicht, denn das Konzept ‚steht‘ und stützt ein Franchise, das seit Jahrzehnten gewaltige Summen einspielt und keineswegs in Frage gestellt = in Gefahr gebracht werden soll. Auf diesem Niveau leistet Horowitz gute und wie gesagte bessere Arbeit als mit „Trigger Mortis“.

Ist „Ewig und ein Tag“ so ‚gut‘ wie ein ‚echter‘ Fleming-Bond? Diese Frage ist faktisch lächerlich und wird von scheinbar kritischen Geistern höchstens rhetorisch gestellt. Viele Jahre nach Flemings Tod wäre es traurig, würde ein Bond-Roman eine bloße Kopie bleiben. Viele Originale sind erstaunlich durchschnittlich oder sogar minderwertig. „Ewig und ein Tag“ liest sich gut, weil der Autor wie Fleming ‚klingt‘, aber Horowitz bleibt. So entsteht unterhaltsame Populärkultur - und mehr war 007 nie.

Fazit:

Als ‚Prequel‘ zum James-Bond-Roman „Casino Royale” erzählt „Ewig und ein Tag“ vom ersten ‚echten‘ 007-Auftrag, der indes die typischen Elemente berücksichtigt. Inhaltlich wird nichts Neues geboten, aber der sacht ‚altmodische‘ Stil passt zur zügig entwickelten Story: ein deutlicher Fortschritt zum ersten Horowitz-007-Roman!

James Bond 007 - Ewig und ein Tag

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