Die Oxford-Morde

Erschienen: Mai 2020

Bibliographische Angaben

Angelica Ammar (Übersetzung)

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Sabine Bongenberg
Kühle Akteure und der eigenartige Fall des Opossums

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Jun 2020

Es ist eine aufregende Reise, die der frisch promovierte und unbenannt bleibende junge Mathematiker antritt. Aus dem südamerikanischen Buenos Aires kommend verschlägt es ihn unmittelbar ins ehrwürdige Oxford und bevor er sich auch nur richtig eingelebt hat, wird seine Vermieterin - die alte Mrs. Eagleton -  mit einem Kissen erstickt. Offensichtlich soll das aber nicht der einzige Mord bleiben, denn es wird eine Nachricht gefunden, die ihn als „ersten in der Reihe bezeichnet“ und wenn etwas schon das Erste ist, dann muss auch mit den Zweiten und Dritten gerechnet werden.

Immerhin hat der Mörder eine spezielle Handschrift – ein mathematisches Symbol – hinterlassen und wer, wenn nicht ein anderer Mathematiker kann Zahlenrätsel innerhalb einer bestimmten Reihe entschlüsseln? Der Zugereiste nimmt mit zusammen mit dem berühmten Mathematiker Arthur Seldom die Untersuchungen des Verbrechens auf, aber immer scheint ihnen der gesichtslose Mörder einen Schritt voraus zu sein.

Der Eichborn Verlag legt mit diesem Buch den bereits 2006 unter dem Titel „Die Pythagoras-Morde“ veröffentlichten Roman von Guillermo Martínez neu auf. Schauplatz dieses  klassischen Kriminalromans rund um die Verschlüsselung von Zahlenreihen ist England, das seinerzeit dank des Bletchley Parks und der Decodierung des „Enigma-Codes“ im zweiten Weltkrieg dazu prädestiniert sein sollte, einen Zahlenschlüssel zu knacken.

Ermittlungen wirken seltsam altertümlich

Angesiedelt ist die Geschichte im beschaulichen Oxford im Sommer 1993 und hier beginnen auch schon die Haken, denn wenn der Roman mit den Werken Sir Arthur Conan Doyles verglichen wird, dann sollte nicht vergessen werden, dass die Arbeit der Polizei in Doyles Werken naturgemäß noch eine ganz andere war. Sein Sherlock Holmes war ein Kind des 1900 Jahrhunderts und seiner Zeit mit seinen Ermittlungen voraus. Die hier beschriebenen Morde spielen nun aber am Ende des 20. Jahrhundert und wenn auch möglicherweise die Kriminaltechnik seit damals einige größere Sprünge absolviert hat, so lässt es den Leser doch immer wieder stutzen, dass die Ermittlungen des Mordes ein ähnliches Verfahren aufzuweisen scheinen wie zu Sherlock Holmes’ literarischen Zeiten. Um das noch zu übertreffen scheint auch die Denkweise der Bevölkerung in dieser Zeit stehen geblieben zu sein. So scheint diese beispielsweise der Meinung zu sein, dass Morde durch Hypnose oder starke Gedankenströme möglich sind. Die Arbeit der Polizei bewegt sich dagegen irgendwo in der Ferne und obwohl der ermittelnde Inspector Petersen sein Möglichstes tut, geht es keinen Schritt voran.

Relativ blass und farblos bleiben auch die Personen, die der Autor einführt. Ihre Motive und Gedankenwelten werden verkürzt und damit eindimensional dargestellt. So äußert beispielsweise die Nichte des ersten Mordopfers, dass sie die alte Dame hasse und diese ihr das Leben zur Hölle mache. Worin diese „Hölle“ allerdings besteht, das bleibt leider im Dunkeln. Auch die Affäre des Ich-Erzählers mit der attraktiven Krankenschwester Lorna gibt Rätsel auf, spielt man doch eingangs nur miteinander Tennis um dann doch an einem nicht nur temperaturmäßig heißen Sommertag eine kühle Beziehung zu beginnen.

Es fällt daher schwer, sich richtig in die Welt der Akteure hinein zu versetzen und mit ihnen den Kampf gegen die Zeit aufzunehmen. Damit erscheint die Handlung aber steril und distanziert. Schwer fällt es auch, ein besonderes Interesse an den Mordopfern aufzubringen, werden diese doch jeweils nur kurz eingeführt, ehe sie auch schon den literarischen Tod erleiden.

Rätsel um das namenlose Opossum

Unglücklicherweise führt Martínez auch ungewollt ein weiteres Rätsel ein – das des namenlosen Opossums. Dieses Tierchen hat unter dem Reifen eines Pkw sein Leben ausgehaucht und wird aufgrund seines familiären Verhaltens zu einem besonderen, mehrfach beschriebenen Symbol der Handlung. Scheinbar war der Autor der Meinung, dass diese – besonders in Australien und Neuseeland verhassten Tiere – auch in Europa und näherhin in England auftreten. Das aber ist außerhalb von Zoos nicht gegeben und so wundert sich der Leser und kann mit diesem Symbol nicht so recht etwas anfangen. Hier sollte auch ein Mathematiker die Tierwelt eines Landes ein wenig genauer recherchieren.

Die starken Seiten des Buches liegen dagegen in seiner Bildsprache. Regelrecht beklemmend ist die Schilderung eines siebenstöckigen Krankenhauses. Wer in der obersten Etage untergebracht ist, der braucht sich keine Sorgen zu machen. Jedes weitere Verlegen um eine Etage nach unten, dokumentiert aber nicht nur den körperlichen Abstieg und wer letztendlich Parterre angekommen ist, der kann getrost alle Hoffnungen fahren lassen. Leider gehen diese Schilderungen neben diversen – meiner Meinung nach zu weitschweifigen – mathematischen Erörterungen und Symboldiskussionen unter. Ein mutiger Schritt ist dagegen, die eigentliche Auflösung des Falls in einem einzigen Satz zu präsentieren. Das ist der eigentliche Knalleffekt und der Leser fragt sich dann doch, ob er vorher einiges übersehen hat.

Fazit:

“Die Oxford-Morde“ hinterlassen ein zwiespältiges Gefühl, werden hier doch konservative und altmodisch wirkende Verbrechen und deren Aufklärung in eine vordergründig moderne Zeit versetzt. Aber auch diese moderne Zeit spiegelt sich in erster Linie in der Jahreszahl wieder und nicht in den Aktionen der Helden. Die spielen wie vor 100 Jahren Tennis, besuchen klassische Konzerte oder sehen sich eine magische Varietevorstellung an. Somit kann an dem intelligent angelegten Plot streckenweise keine rechte Freude aufkommen, und die im Sommer spielende Handlung ist abschnittsweise so wie der englische Sommer: Ein wenig zu kühl.
 

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