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Carola Krauße-Reim
Thriller minimiert sich zur Milieustudie mit eingestreutem Kriminalfall

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Mai 2020

1995 tötet ein Hausbrand fast eine ganze Familie. Nur Anna, die Tochter überlebt. Jetzt, 20 Jahre später, veranlassen anonyme Briefe, dass sie zurückkehrt nach Gollwitz in Brandenburg. Doch hier möchte jeder das Geschehene einfach nur vergessen, nur den ehemaligen Polizisten Willy Urban lässt die alte Geschichte nicht los. Doch nicht nur Anna kehrt zurück, auch der Brandstifter von damals wird aus der Psychiatrie entlassen. Und schon bald drohen gut gehütete Geheimnisse ans Licht zu kommen, die Anna und auch anderen gefährlich werden.

„Zerbrochene Existenzen und ein Dorf am Abgrund“

Dieses Zitat vom Buchumschlag gibt den Hintergrund für diesen Thriller exakt wieder. Gollwitz ist ein Kaff, das zu den Verlierern der Wende gehört. Im verschlafenen Havelland gibt es nicht viele Möglichkeiten, Arbeit und Geld zu bekommen. Lediglich der Sternenpark zieht Touristen an und bietet Wenigen ein Einkommen. Doch die meisten Einwohner von Gollwitz sind vom Staat genauso abhängig, wie vom Alkohol oder Drogen. Ein trostloses Nest, in denen die alten Machtstrukturen noch bestehen, die Menschen sich beargwöhnen und jeder, der einigermaßen den Absprung geschafft hat, mit Misstrauen bedacht wird.

Diese Atmosphäre hat der Autor sehr treffend beschrieben. Die Trostlosigkeit und die Missgunst sind greifbar, das Gefühl der Menschen abgehängt worden zu sein auch. Man kann sich das Dorf sehr gut vorstellen, mit seinen immer noch DDR-grauen Rauputzhäusern, der maroden Dorfstraße und dem mühsam renovierten Gutshaus. Dieses anschaulich geschilderte Milieu ist einer der wenigen Pluspunkte dieses Buches.

Traurige Gestalten bevölkern die Geschichte

In Gollwitz ist jeder ein Verlierer, selbst die Besitzer des Gutshof-Hotels. Alle, die Arbeit haben, sind von den Sterneguckern, den „Astronisten“, abhängig, die auch nicht gerade in Heerscharen ins Dorf einfallen. Alle anderen sind erst recht abgehängt. Diese Personen bevölkern die Geschichte und sind in ihrer Charakterisierung ein weiterer Pluspunkt. Heiden schafft es bestens, die Verzweiflung, den Neid und auch den Hass zu vermitteln.

Auch Anna ist mental nicht wirklich aus Gollwitz herausgekommen, immer wieder wird sie an die Brandnacht und den Verlust ihrer Familie erinnert, auch, wenn sie den Kontakt zu Tante, Onkel und Cousin im Gutshaus fast abgebrochen hat. Sie ist auch eine der verlorenen Seelen, die keinen festen Halt haben.

Genauso ergeht es dem Polizisten Willy Urban. Nach dem Tod seiner Frau stürzt er völlig ab, wird Alkoholiker und verrennt sich in den alten Fall. Der Leser sieht alle diese Personen vor sich, kann den Dreck auf Willys Weste riechen, Annas Selbstzweifel spüren und die Dummheit einiger anderer Gollwitzer nur noch mit Kopfschütteln ertragen.

Mehr Milieustudie als Thriller

Doch genaue Charakterisierungen und gut geschilderte Atmosphäre haben ihren Preis. Viel zu lange hält sich der Autor damit auf. Die Geschichte zieht sich wie Kaugummi in die Länge. Nicht immer hätte jeder Schritt, jede ausgetrunkene Bierflasche oder jede abgeräumte Kaffeetasse erwähnt werden müssen. Zwar streut Heiden ganz geschickt Rückblenden in das Jahr des Brandes ein, die den Leser bei der Stange halten, aber er verlangt viel, sehr viel Geduld.

Die Spannung kommt nur extrem langsam in Fahrt und kriecht auch dann nur im Schneckentempo vorwärts. Der angekündigte Thriller minimiert sich selbst zur Milieustudie mit eingestreutem Kriminalfall, denn trotz aller Langsamkeit, wird klar, dass die Brandnacht mehr Geheimnisse hat, als anfangs gedacht. Der Schluss ist dann auch durchaus logisch, aber dennoch etwas weit hergeholt. Aber er passt zum Rest und schließt das Geschehen zwar wenig spannend, trotzdem passend ab.

Fazit:

Erwarten sie keinen Thriller der herkömmlichen Art. Hier steht alles etwas auf dem Kopf, wie das Haus auf dem hervorragend gestalteten Cover. Heiden legt viel Wert auf gute Charaktere und anschaulich wiedergegebene Atmosphäre, erzeugt damit aber nur latente Spannung. „Zurück im Zorn“ ist eine problemlos zu lesende Geschichte, die Zeit braucht um sich zu entfalten, dann aber die Abgründe in Gollwitz anschaulich offenbart.

Zurück im Zorn

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