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Michael Seitz
Ein Nazijäger auf Abwegen

Buch-Rezension von Michael Seitz Mai 2020

Max Weill jagt Nazis. Wie Simon Wiesenthal - den er wegen seiner Popularität nach dem Eichmann-Prozess eher gering schätzt - will er diejenigen zur Strecke bringen, die ihm und nicht nur ihm - dem jüdischen Arzt - und seiner Familie unsägliches Leid zufügten. Nicht aus Rache, sondern um Recht und Gerechtigkeit willen. Aber Max ist alt. Er fühlt seine Kräfte schwinden und versucht, seinen Neffen Aaron Wiley, Analyst an einem Schreibtisch der CIA, davon zu überzeugen, sein „Geschäft“ zu übernehmen. Aaron ist nicht begeistert, hat er doch in Amerika sein eigenes Leben, und 17 Jahre nach dem Krieg will sowieso keiner mehr etwas von den Verbrechen der Nazis wissen, schon gar nicht im Wirschaftswunder-Deutschland.

Ein „Untoter“ auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Im Alsterpavillon genießen Max und Aaron einen Spätsommerabend, zu dem sich zufällig auch Fritz gesellt, Journalist und ein Freund des Alten, als Max seinen einstigen Peiniger Otto Schramm im Vorbeigehen wiedererkennt - und stikum einen Herzanfall erleidet. Weder Aaron noch Fritz wollen Max so recht glauben, denn es gibt ein Problem: Otto Schramm ist zwei Jahre zuvor in Argentinien bei einem Autounfall um´s Leben gekommen und wurde zweifelsfrei identifiziert. Aber Max ist sich ganz sicher. Unter allen Umständen habe er seinen einstigen Kommilitonen als den Mann wiedererkannt, der seinen Sohn in‘s Gas schickte, während er ihn selbst am Leben ließ, um ihn als Helfer für seine Menschenversuche zu missbrauchen. Fritz wittert eine Story, und auch Aaron geht der Sache nach, mehr um des aktionsunfähig im Krankenhaus liegenden Max‘ Willen denn aus Überzeugung. Und tatsächlich! Ottos geschiedene Frau ist gestorben, und der taucht nach der Trauerfeier an ihrem Grab auf dem Ohlsdorfer Friedhof auf. Aaron und Fritz versuchen, ihn zu fotografieren, um seine Existenz zu beweisen, aber Otto entkommt.

Die Jagd beginnt

Max ist fest entschlossen, die Jagd aufzunehmen, um Otto zu stellen und in Deutschland vor Gericht zu bringen, aber der Tod durchkreuzt seine Pläne. Und so nimmt Aaron die Fährte auf, denn das, so meint er, ist er seinem verstorbenen Onkel schuldig. Seine einzige Spur ist Ottos Tochter, die unter falschem Namen in Argentinien lebt. Sie war bei der Trauerfeier für ihre Mutter in Ohlsdorf dabei und Aaron ist überzeugt, dass sie etwas weiß. Mit Hilfe des lokalen Repräsentanten der CIA in Buenos Aires nimmt er unter dem Vorwand, gemeinsam mit Fritz eine Serie über die Söhne und Töchter führender Nazis zu schreiben, Kontakt zu Hanna auf. Doch bereits das erste Treffen der beiden verläuft völlig anders, als Aaron sich das vorgestellt hat, und mit einem Mal findet er sich zwischen allen Stühlen wieder. Denn nicht nur die CIA und der Mossad, sondern auch die vielen Nazi-Größen, die in Argentinien ganz offen das Vierte Reich herbeischwadronieren, nicht zuletzt aber auch Hanna selbst haben Ihre ganz eigene Agenda, was die Zukunft des „Untoten“ Otto Schramm angeht. Und wie in einem Spiegelkabinett bleibt bis zum Schluss offen, wer hier eigentlich wessen „Accomplice“ war oder ist.

Spannendes Thema, brillant umgesetzt

Joseph Kanon greift in seinem neuesten Buch ein Thema auf, dass noch immer zu den unerfreulichsten der Nachkriegsgeschichte zählt: Die Flucht tausender Nazigrößen nach Südamerika, besonders in das Argentinien des Hitler-Bewunderers Perón, und das unter tatkräftiger Mithilfe der katholischen Kirche. Aber diese Geschichte greift viel tiefer in menschliche Abgründe, als es solch unappetitlichen Begebenheiten oberflächlich vermuten lassen, und dass macht die eigentliche Stärke des Buches aus. Aaron gerät in ein menschliches Dilemma, aus dem es kein Entrinnen gibt, und er muss sich entscheiden, wie weit er zu gehen bereit ist, um Recht und Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen. Und das ist noch viel spannender als der Plot selbst. Obwohl weder die Stringenz der Erzählung noch die Spannung der einzelnen Wendungen zu wünschen übrig lassen, liegt die eigentliche Faszination doch in den differenziert gezeichneten und beinahe jederzeit glaubwürdig wirkenden Hauptfigur Aaron, die den Leser manchmal zu fragen scheint: Wie hättest Du denn an meiner Stelle gehandelt?

Aber nicht nur inhaltlich, auch stilistisch ist dies ein starker Roman. Kanon erzählt überwiegend in äußerst knappen, ganz auf das Wesentliche reduzierten Dialogen. Die wirken manchmal fast abgehackt, treiben aber die Handlung mit rasanter Geschwindigkeit voran und verleihen den Figuren dennoch zugleich Authentizität und Glaubwürdigkeit.

Fazit:

Ein äußerst spannendes Buch über ein in mehrerlei Hinsicht faszinierendes Thema, facettenreich, stilistisch wie inhaltlich brillant umgesetzt, das den Leser zudem noch zum Nachdenken animiert. Was will man mehr?

The Accomplice

The Accomplice

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