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Andreas Kurth
Illustres Quartett stemmt sich gegen den Sumpf in Politik und Gesellschaft

Buch-Rezension von Andreas Kurth Mai 2020

Der Verlag Elster & Salis aus der Schweiz hat mit dem Buch des Journalisten Jorge Zepeda Patterson ein ebenso spannendes wie interessantes Werk auf den deutschsprachigen Markt gebracht. Auf dem so genannten Waschzettel für die Medien wird aus der französischen Zeitung Le Monde zitiert: “Weit mehr noch als ein Thriller ist ‘Die Korrupten’ ein großes politisches Buch, das von den Erfahrungen seines Autors, eines Ökonomen, Soziologen und Chefredakteurs mehrerer Zeitungen genährt wird.” Das Werk ist in der Tat ein politisches Buch, ob man es als Polit-Thriller bezeichnen sollte, darüber kann man trefflich diskutieren. Für meinen Geschmack ist der kriminalistische Thrill nicht so ausgeprägt, dass ich hier von einem Thriller sprechen würde - der Verlag bezeichnet das Buch auch “nur” als Roman. Das nimmt dem Werk nicht an Qualität, aber der Sog, den die lesenswerte Erzählung entwickelt, speist sich aus anderen Quellen.

“Raus damit, wer wohnt da?”, bellte Tomás verärgert, weil Mario ihn so lange hinhielt.
“Wie zum Teufel konntest Du eine Adresse veröffentlichen, ohne vorher zu überprüfen, wer da wohnt?”, gab Mario zurück und rächte sich für die jahrelange Demütigung, immer das fünfte Rad am Wagen zu sein.
Tomás war inzwischen so aufgebracht, dass er unwillkürlich Marios Bein anstarrte, über das nie gesprochen wurde.  Als er ihm wieder in die Augen sah, war dessen Blick wie gewohnt ausweichend.
Immerhin lieferte Mario ihm jetzt die gewünschte Information. “Wie es aussieht, befindet sich in dem Haus seit Kurzem das Ersatzbüro des Innenministers. Du hast also praktisch Salazar öffentlich an den Pranger gestellt.”

Tomás Arizmendi ist ein erfahrener Journalist. Dennoch hat er in seiner Kolumne über die Ermordung der Schauspielerin Pamela Dosantos eine gefährliche Information verarbeitet, die ihm - wie sich schnell herausstellt - gezielt untergeschoben wurde. Dosantos war aktuell die Geliebte des mexikanischen Innenministers Salazar - und so ist Tomás gefährlich ins Fadenkreuz geraten.

Er gehört aber zu den “Blauen”, einem Quartett von Freunden aus Jugendzeiten, benannt nach blauen Notiz-Heften, die sie damals benutzt haben. Die weiteren “Blauen” sind Mario Crespo, ein Universitätsprofessor, Jaime Lemus, der im Geheimdienst-Sektor arbeitet, und Amelia, die Vorsitzende der linken Partei PRD. Ihr Kontakt war in jüngster Zeit eher lose, aber angesichts der gefährlichen Situation treffen sich die vier Freunde mal wieder, um Tomás zu helfen.

Erste Recherchen zeigen, dass es sich offenbar um einen Auftragsmord gehandelt hat. “Die Blauen” treffen sich in unterschiedlichen Konstellationen, und dann nach langer Zeit erstmal wieder als komplette Gruppe. Prompt wird das Meeting von acht schwer bewaffneten Männern überfallen, aber Jaimes Leibwächter warnen “Die Blauen” gerade noch, die unverletzt entkommen. Wenig später wird klar, dass ein Kommando des Sinaloa-Kartells es auf Jaime abgesehen hatte. Das hat mit dem Mord an Dosantos offenbar nicht zu tun, sondern galt Jaime persönlich, aber die Situation wird dadurch nicht einfacher.

Multi-perspektivische Erzählweise bringt viel Dynamik in die Geschichte

Jetzt kommt noch mehr Dynamik in die Handlung, die multi-perspektivisch erzählt wird, je nachdem, wer sich gerade trifft. Die Geschichte gewinnt dadurch ungemein an Tempo, weil es keine eingeengte Perspektive gibt. Für den Leser ist es nicht leicht, bei den vielen Personen und Interessengruppen den Überblick zu behalten. Die Lektüre dieses fast schon epischen Werks erfordert einiges an Konzentration - das ist kein Buch für den Strandurlaub. Allein der Erzählstil ist in meinen Augen schon deutlich anders, als man es von europäischen oder US-amerikanischen Autoren gewohnt ist.

Im Interview mit der Krimi-Couch bestätigt Jorge Zepeda Patterson, dass Korruption mittlerweile das zentrale Charakteristikum der mexikanischen Politik ist. Der neue Präsident López Obrador habe sich den Kampf dagegen auf die Fahnen geschrieben, aber laut Patterson bleibt abzuwarten, ob sich etwas ändert. Der Autor gibt auf den fast 500 Seiten ebenso tiefe wie interessante Einblicke in die mexikanische Politik, die Medien, in Intrigen, Korruption, die Verbrechen der Kartelle, das Drogengeschäft und die Rolle der amerikanischen Drug Enforcement Agency (DEA).

“Setzt man sie wegen meiner Kolumne unter Druck, Don Rosendo?”
“Natürlich setzt man mich unter Druck,” erwiderte er und lachte kurz auf. “Dieser Hurensohn von Salazar hat nicht einmal die Form gewahrt. Die glauben, dass in diesem Land alles wieder so läuft wie früher.”
“Hat er Sie bedroht?”
“Ich lasse mich nicht bedrohen, Tomás, ich bin ja keine Marionette. Nein. Salazar ist ein alter Fuchs und handelt mit Bedacht, aber so hat schon lange keiner mehr mit mir geredet: Verantwortung der Presse, bla, bla, Respekt vor der Autorität und der Regierungsführung, bla, bla, schmutzige Interessen, die sich in meinem Blatt breitmachen.”
“Hat er meinen Kopf gefordert?”
“Immer mit der Ruhe, Tomás. An dem Tag, an dem ich mir von diesen Mistkerlen etwas befehlen lasse, werde ich das Blatt verkaufen.”

Neben den vier “Blauen” ist der Innenminister Salazar eine zentrale Figur, aber auch weitere Akteure spielen in der Erzählung wichtige Rollen. Die interessanteste Nebenfigur ist in meinen Augen der junge Hacker Luis, ein Freund des Sohnes von Mario. Seine Recherchen im Internet bleiben nicht unbemerkt, und lösen eine enorme Dynamik aus, die für die Geschichte insgesamt mehr als wichtig ist. Es gibt weitere Morde, Erpressungen, sinistre Gespräche und - offenbar unvermeidbar - Sex-Geschichten am Rande der eigentlichen Handlung.

“Die Blauen” sind ein illustres Quartett. Im Zentrum steht vermeintlich Tomaś Arizmendi, der mit seiner Kolumne die ganze Krise ausgelöst hat. Mario ist sein treuer Freund, aber die schillernde Figur der Amelia ist der Kitt, der die Gruppe zusammenhält. Zwiespältig erschien mir von Beginn an Jaime Lemus, der Geheimdienstmann, den ich zunächst für den faulen Apfel im Quartett gehalten habe. Das sieht der Autor anders: “Jaime ist eine faszinierende Figur. Sich selbst betrachtet er nicht als den faulen Apfel unter den vier Hauptfiguren. Vielmehr glaubt er, von ihnen der einzige zu sein, der realistisch und praktisch veranlagt ist im Gegensatz zu seinen Freunden, die er für zu idealistisch und damit angreifbar hält.”

Fazit:

Jorge Zepeda Patterson hat mit “Die Korrupten” einen grandiosen Roman verfasst. Die Erzählung vermag von Beginn an zu fesseln, wie man es von einem erfahrenen Journalisten auch erwartet. Der Autor nutzt sein langjähriges Insider-Wissen, um eine Geschichte zu schreiben, die nahe an der mexikanischen Realität angesiedelt ist. Die Figur des Kolumnisten Tomás Arizmendi nutzt Patterson, um seine persönlichen und beruflichen Erfahrungen einfließen zu lassen. Wer sich für Politik und Gesellschaft von Mexiko interessiert, findet hier eine ebenso spannende wie lebensnahe Schilderung, die außerordentliches Lesevergnügen bereitet.

Die Korrupten

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