Altlasten

Erschienen: April 2020

Bibliographische Angaben

Laudan & Szelinski (Übersetzung)

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Almut Oetjen
Spuren des Kalten Krieges im Heute

Buch-Rezension von Almut Oetjen Mai 2020

„Altlasten“, der 18. Roman, in dem V.I. „Vic“ Warshawski uns an ihrem Leben teilhaben lässt, führt die Detektivin nach Lawrence im Staat Kansas, mitten hinein in Relikte des Kalten Krieges, dessen Zeitzeuge der stillgelegte Raketensilo für mit atomaren Sprengköpfen bestückbare Marschflugkörper ist. Lang anhaltende Nachwehen sind Getreidefelder auf radioaktiv kontaminierten Böden. Um in den Genuss dieses touristisch bedeutungslosen Raumes zu kommen, muss Warshawski ihr vertrautes Soziotop Chicago verlassen. Natürlich bietet dieses neue Umfeld eine schöne Gelegenheit, die Segnungen der Präsidentschaft Ronald Reagans, wenigstens zum Teil, Revue passieren zu lassen. Die gesellschaftlichen Folgen der Reagan-Zeit scheinen im Werk Paretskys immer mal wieder auf, ähnlich wie die des Thatcherismus bei Ian McEwan.

Die Schauspielerin Emerald Ferring und der Regisseur August Veriden, je nach Sichtweise Möchtegern oder Independent, außerdem Hauptverdächtiger in einem Drogendelikt, wollten für einen Dokumentarfilm über Ferring in Lawrence, wo die Schauspielerin ihre frühen Jahre verbrachte, und in Fort Riley, wo ihr Vater während des Krieges stationiert war, Aufnahmen machen. Ihre Spuren verlieren sich in Lawrence.

Veriden ist ein Cousin Angela Creedys, einer Freundin Bernadine Fouchards, deren Vater der beste Freund von Warshawskis Cousin Boom-Boom war. Angela und Bernadine bitten Warshawski um Hilfe. Also fährt sie mit ihrer Hündin Peppy nach Lawrence, während Peppys Sohn Mitch auf einer Hundefarm in Wisconsin betreut wird und Warshawskis Freund, der Bassist Jake Thibaut mit seinem Ensemble in eine Schweizer Künstlerresidenz gereist ist.

Rassentrennung im 21. Jahrhundert

Lawrence ist eine Stadt, in der die Einwohner schön sortiert nach Hautfarbe mit ausreichend Sicherheitsabstand leben. Da die beiden von Warshawski gesuchten Personen Afroamerikaner sind, sie hingegen weiß, trifft sie auf viel Argwohn und Zurückhaltung. Sie kann zum Glück telefonisch auf wichtige Kontakte in Chicago zugreifen, wie die Ärztin Lotty Herschel und ihren Anwalt, denn das Büro des County Sheriffs Gisborne, der Warshawski gerne bei jedem Zusammentreffen verprügeln würde, ist wenig hilfsbereit. Daran ändert sich nichts, als Peppy eine Leiche findet.

„Es war fast neun, als das Gesetz befand, dass es für heute Abend genug Zeit mit mir verbracht hatte.“

Warshawski lernt in Fort Riley und Lawrence einige seltsame Menschen kennen, Zivilisten wie Militärs, aber auch (wenige) hilfreiche Personen. Sie erfährt in Gesprächen etwas über Nachbarn, meist nichts Freundliches. Sie findet dennoch manche Dinge über Ferring heraus, so über das Jahr 1983, in dem diese an einer Protestaktion auf dem Kanwaka-Raketensilo beteiligt war. Glaubt man zu Beginn, dies wäre ein wichtiger Bestandteil der Ermittlungen Warshawskis, wird bald klar, dass es der Ausgangspunkt für vergangene und gegenwärtige unschöne Handlungen verschiedener Regierungsinstitutionen und Unternehmen ist. Die Biowaffenforschung spielt eine wichtige Rolle. Vor Jahrzehnten wurden biochemische Waffen von der US-Regierung in der Region getestet. Daran beteiligt waren einige Einwohner, einige andere mussten die gesundheitlichen Folgen tragen.

Familie als politisches Konstrukt

Nicht nur die lokalen Sozialstrukturen sind auffällig politisch sortiert. Paretsky zeigt am Beispiel der Kiels, dass auch Familie ein politisches Konstrukt ist. Der Wissenschaftler Dr. Nathan Kiel und seine Frau Shirley haben drei Kinder. Vater dominiert Mutter. Die beiden Söhne Stuart und Larry leben weit entfernt von Zuhause. Tochter Sonia, das jüngste Kind, ist in ihren vierziger Jahren, wohnt in der Nähe, hat ein Drogen- und Alkoholproblem sowie eine bipolare Störung. Ihre Eltern wollen mit ihr nichts zu tun haben, ja, mit Warshawski nicht einmal über sie sprechen. 

In der Region gibt es auffällige Aktivitäten. Das Verteidigungsministerium ist involviert, Homeland Security, FBI, NSA, das Sheriffs-Büro von Douglas County und, natürlich, die Air Force. Schließlich nimmt an diesem Spiel noch ein Gruselkabinett von wahren Patrioten teil.

Natürlich ist auch Lawrence ein Ort, in dem es bei derartigen Ermittlungen zu Feindseligkeiten und Toten kommt. Die Ermittlungen der Detektivin gestalten sich recht zäh. Warshawski ist im Verlauf ihrer Gespräche, die sie führt, zunehmend frustriert. Korruption, illegitime Geldströme und Drohungen bestimmen, was als Fakten vermittelt wird. Der Sheriff veranstaltet Machtspielchen mit Warshawski, die von ihr als ritualisiert erkannt werden. 

„Altlasten“ ist einer von Paretskys komplexeren Romanen. Man kann ihm aber gut folgen, weil die Autorin viele Hinweise liefert, die eine sinnvolle Beteiligung an Warshawskis Ermittlungen ermöglichen.

Fazit:

Sara Paretskys 18. Roman mit Victoria Iphigenia Warshawski, die 1982 das Krimi-Genre revolutionierte, führt die Detektivin auf der Suche nach zwei vermissten Personen von Chicago nach Kansas. Dort lernt sie eigenartige Leute kennen, leidet unter ihrer Einsamkeit, so weit weg von ihrem Zuhause, ihrer Ersatzfamilie und ihrer gewohnten Umgebung, unter der im Streit erfolgten räumlichen Trennung von ihrem Freund Jake, der für ein Jahr in Europa ist. Dies, Probleme um die Biowaffenproduktion und die unsichtbare Trennlinie, die der Rassismus an ihrem Ermittlungsort (und in Chicago) erzeugt, verleihen dem intelligent gestrickten Krimi eine gewisse Schwere.

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