Der Teufel will mehr

Erschienen: Februar 2019

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen unter dem Titel „The Devil’s Share“
- New York : Minotaur Books/St. Martin’s Press 2015
- Bielefeld : Pendragon Verlag 2019. Übersetzung: Alf Mayer. 314 Seiten
- Bielefeld : Pendragon Verlag 2019 [eBook]. Übersetzung: Alf Mayer. [ePUB]

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Michael Drewniok
Stets ein As (und eine Waffe) im Ärmel bereithalten!

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mai 2020

Berufsverbrecherin Crissa Stone geht nach einjähriger ‚Arbeitspause‘ das Geld aus. Also lässt sie sich auf einen zunächst nur schwierigen Deal ein: ‚Geschäftsmann‘ Emile Cota hatte während der Golfkriege das Durcheinander genutzt, um geraubte Kunstschätze aus dem Irak in die USA zu schmuggeln. Die Regierung ist ihm auf die Schliche gekommen, will aber Medienrummel vermeiden und zwingt Cota deshalb nur, die Objekte auf eigene Kosten zurück in den Irak zu schaffen.

Ausgerechnet jetzt meldet sich ein krimineller Kunde und will die Stücke kaufen. Cota kann der Versuchung nicht widerstehen. Er plant den Transport der Schätze überfallen und ausrauben zu lassen, um das Geschäft auf diese Weise realisieren zu können. Damit das komplizierte Verbrechen gelingt, engagiert Cota Crissa Stone, die nach sorgfältiger Prüfung den Job übernimmt.

Allerdings haben ihr sowohl Cota als auch seine rechte Hand Randall Hicks gewisse Hintergrundinformationen verschwiegen. Zudem hat Crissa Pech mit den ausgewählten Gaunerkollegen. Zwar gelingt der Überfall, doch trotzdem geht alles schief. Es wird blutig, und es gilt Verrat zu ahnden; dies alles muss Crissa stemmen, während sie von Killern gejagt und ohne dass die staatliche Ordnungsmacht aufmerksam wird …

Kriminell mit Prinzipien gegen einfach nur böse

Zunächst schien die Kriminalliteratur primär der Aufklärung von Verbrechen gewidmet zu sein. Dies entsprach jener gleichermaßen beruhigenden wie bedrohlichen Schutzbehauptung, nach der sich Verbrechen nicht lohne, weil emsige, allzeit bereite Ordnungshüter jeden Unhold schnappen und hinter Gitter bringen würden. Dass dies von der Realität abwich, fiel den Zeitgenossen natürlich auf. Ebenfalls interessant war die Beobachtung, dass längst nicht jeder Strolch gefasst wurde und es zumindest einigen Kriminellen gelang, auf Kosten ihrer Opfer ein angenehmes und aufregendes Leben zu führen. Über allem schwebte die alte Erkenntnis, dass gerade dem Verbotenen ein Reiz innewohnt, dem man sich gern hingibt, solange man von unerfreulichen Konsequenzen verschont bleibt.

Dies führte zum Erblühen eines fruchtbaren Genre-Zweigs, der nicht die Aufklärung und Ahndung von Straftaten, sondern die Abenteuer nicht unbedingt gewaltfrei vorgehender, aber intelligenter und trickreicher Verbrecher schilderte. Ihre Taten glichen einem Spiel, in dem sie jedem Hindernis - ausgeklügelten Sicherheitssystemen, misstrauischen Polizisten, fast ebenso genialen Detektiven - ausweichen mussten. Letztlich hofften und bangten die Leser um das Gelingen eines Coups, den sie doch moralisch verdammen sollten. Auch dafür gab es eine Lösung: Geschädigt wurden primär andere Verbrecher, die ihrem Gewerbe brutal und menschenverachtend nachgingen und deshalb ihre gerechte Strafe durch Kollegenhand erhielten.

Riskanter Job in unsicherer Parallelwelt

Die nostalgische Romantik ist dem Verbrechen weitgehend ausgetrieben worden. Der Kriminelle als Held hat erwartungsgemäß überlebt. In den gänzlich dunklen Winkeln der Kriminalliteratur ist der tatsächlich ‚böse‘ Schurke zum irren, perversen, ständig über neue Folter- und Mordmethoden nachgrübelnden „porn torturer“ degeneriert. Glücklicherweise hat der Profi-Schurke überlebt. Crissa Stone gehört zu denen, die das Verbrechen als Job betrachten, dem sie ohne psychologisches Hintergrundgetöse schlicht deshalb nachgehen, weil sie durch relativ kurze, intensive ‚Arbeit‘ viel Geld verdienen können. Wehrhafte Wachleute, Polizei und Gefängnis werden als Risiken in Kauf genommen.

Von Parker (Richard Stark/Donald E. Westlake) und Wyatt (Gary Disher) unterscheidet sich Crissa Stone durch einen Vornamen und ihr Geschlecht. Dem meint Autor Wallace Stroby - männlich - offenbar eine emotionale Note zu schulden, die (wirklich nur) leicht tiefer ist als bei den weiter oben genannten Berufsstrolchen. Crissa ist verliebt in ihren langjährig einsitzenden Mentor sowie Mutter einer Tochter, die sie nur aus der Ferne zu betrachten wagt.

Ansonsten entspricht Crissa dem Bild des geradezu besessenen „professionals“. Sie ist darauf geeicht, möglichst keine Spuren zu hinterlassen, was eine echte Herausforderung darstellt, denn die Gegenwart hat das Verbrechen längst eingeholt und erheblich erschwert. Heutzutage sind klassische Schwerverbrechen wie der Überfall auf einen Werttransporter dank frühalarmierender Hightech nur noch in Ausnahmefällen möglich. Gute Planung ist deshalb mehr als die halbe Untat - eine Weisheit, die Crissa kompromisslos in die Tat umsetzt. Lieber lässt sie einen Coup sausen, als von ihren Prinzipien abzuweichen.

Keine Kette ohne schwaches Glied

Dies ist auch die Folge trüber Erfahrungen. „Der Teufel will mehr“ ist der vierte Band einer Serie. Wallace Stroby hat bereits drei frühere Aktionen dokumentiert, die eine Gemeinsamkeit aufwiesen: Irgendwann ging etwas schief. In der Regel steckt menschliches Versagen dahinter. Im Verbrechen gibt es keinen Meisterzwang. Für Spezialist/innen wie Crissa wird es zunehmend schwieriger Spießgesellen zu finden, auf die man sich verlassen kann. Stattdessen geraten ehrbare Gauner an ‚globalisierte‘ Kriminelle, die nicht auf Köpfchen, sondern auf Gewalt setzen. Hinzu kommt der Faktor Zufall, der nie wirklich auszuschließen ist.

Auch in dieser Geschichte erweist sich der Mensch als eigentlicher Stolperstein. Der Coup wird zur Nebensache. Während dieser glatt über die Bühne geht, sorgen bandeninterne Querelen und schnöder Verrat für einen beachtlichen Bodycount. Zwar nimmt Crissa immer das Schlimmste an. Trotzdem wird sie überrascht, reagiert aber rascher als von ihren Gegnern erwartet, sodass sie nicht so einfach ausgeschaltet werden kann. Nicht der Gedanke an Rache motiviert sie, sondern die Erkenntnis, dass man sie als unerwünschte Zeugin nicht in Frieden lassen wird. Außerdem schuldet man ihr Geld, auf das Crissa auf keinen Fall verzichten will.

Anders als ein vergleichsweise simpler Überfall ist der Kampf gegen gewiefte ‚Kollegen‘ ungleich gefährlicher. Beiderseits kommt es zu Fehlentscheidungen, doch letztlich ist es Crissa, die nicht nur über die nötige Findigkeit, sondern auch über das entscheidende Quäntchen Glück verfügt. So übersteht sie - fast als einzige Überlebende - dieses kriminelle Desaster knapp und keineswegs unverletzt. Bedauern kann und soll man sie nicht. Dafür sorgt Verfasser Stroby, der jederzeitig nüchtern im Ton bleibt und seine Geschichte nicht in die Länge zieht.

Fazit:

Auch im vierten Teil der Crissy-Stone-Serie wird präzise Planung durch schnöden Verrat torpediert. Es folgt ein gnadenloses gegenseitiges Auslöschen, sodass letztlich insgesamt 16 Opfer auf der Strecke bleiben: ausschließlich auf das Verbrechermilieu zentriertes, spannendes und lakonisches Gangster-Epos.

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