Trüb

Erschienen: November 2019

Bibliographische Angaben

Else Laudan (Übersetzung)

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Almut Oetjen
Trübe Aussichten – Soziale und private Desintegration

Buch-Rezension von Almut Oetjen Mai 2020

Im Jahr 1984 debütierte Sarah Schulman mit dem Kriminalroman „The Sophie Horowitz Story“ („Die Sophie Horowitz Story“, 1996). In den Jahren darauf veröffentlichte sie Theaterstücke, Romane und Sachbücher. 34 Jahre nach ihrem Debüt kehrte sie 2018 mit „Maggie Terry“ zurück zum Krimigenre. Bei Ariadne ist das Buch nun auf Deutsch unter dem Titel „Trüb“ erschienen. Beiden Romanen gemeinsam ist, dass sie in New York spielen und eine lesbische Protagonistin haben. Das gesellschaftliche Umfeld, in dem die Handlung verortet ist, ist natürlich grundlegend verschieden, während sich die Vornamen der jeweiligen Präsidenten Reagan und Trump im Anfangsbuchstaben unterscheiden.

Maggie Terry arbeitet nach elf Jahren im Polizeidienst und einer Entziehungskur als Privatdetektivin. Sie ist, wie die Reporterin Sophie Horowitz, eine Außenseiterin mit sittlichem Code. Maggie war verheiratet, ihre Ex-Frau hat eine Tochter, Alina, die Maggie nicht mehr sehen darf.

Maggies früherer Dozent in Kriminologie, Mike Fitzgerald, hat mittlerweile seine eigene Anwaltskanzlei und gibt ihr einen Job als Privatermittlerin. An ihrem ersten Arbeitstag erfährt sie recht schnell, dass das Personal der Kanzlei sie nicht mag. Eine neue Klientin, die berühmte Schauspielerin Lucy Horne, will, dass der Mord an der Nebendarstellerin Jaime Wagner aufgeklärt wird. Amtlich ist es ein Suizid, aber Horne ist überzeugt, Jaime sei von ihrem Ex-Mann getötet worden. Maggie soll mit einem Kollegen die Angelegenheit untersuchen.

Alkoholikerin trinkt lauwarmen Pfefferminztee

Maggie ist 43 Jahre alt, blond, gutaussehend, frustriert und einsam. Die drogenabhängige Alkoholikerin aus der weißen Oberschicht schadet sich selbst am meisten. Ihren Besuchen bei den Anonymen Alkoholikern wird viel Raum gegeben. Um in der Spur zu bleiben, trinkt sie zum Frühstück Pfefferminztee, der regelmäßig lauwarm wird, und isst Äpfel, oder versucht dies zumindest, mit der Folge, dass die einander schon mal in ihrer Tasche begegnen. Maggie vermisst Alina und Frances, die sie gelegentlich heimlich beobachtet, wobei sie prompt von Frances erwischt wird.

Um Maggies Vergangenheit mit der Gegenwart zu verbinden verwendet Schulman ein interessantes Verfahren. Maggie kann nicht gut fokussieren. Während sie ein (Ermittlungs-)Gespräch führt, werden ihre Gedanken durch eine Äußerung oder eine sinnliche Wahrnehmung umgelenkt auf beispielsweise ihre gescheiterte Beziehung mit Frances oder ihr Versagen allgemein, was Gesprächspartner irritieren kann. Eins ihrer wichtigsten Ziele ist es, wenigstens Besuchsrechte für Alina zu bekommen.

Menschen die Seele zer-trump-eln

Schulman steigt in die Handlung mit einigen Anmerkungen zu den USA unter Donald Trump ein. Die nehmen so viel Platz ein, dass die Leserinnen denken, Politik würde eine größere Rolle in der Erzählung spielen. Schulman setzt Maggies persönlichen in Beziehung zum nationalen Niedergang. Sie liefert einige Absurditäten, belässt diese aber weitgehend im satirischen Raum. Das zeigt, wie der Alltag in dieser Zeit vielen Menschen auf das Gemüt schlägt, ohne dass sie ein bestimmtes Ausmaß intellektueller Durchdringung der politischen Ereignisse leisten müssten. 

Die Gentrifizierung New Yorks, an der sich investiv auch mindestens ein namentlich genannter Hollywoodstar beteiligt, scheint immer mal wieder auf, bis am Ende Nick‘ Deli, ein Relikt aus Maggies früherem Leben und jetzt ein Rettungsboot, nach 30 Jahren geschlossen werden muss, weil der Inhaber die ständig steigende Miete nicht mehr aufbringen kann.

Korruption und Polizeigewalt

Schulman thematisiert auch den Missbrauch polizeilicher Macht, der in den letzten Jahren in den USA verstärkt Gegenstand öffentlicher Diskussionen und Auseinandersetzungen ist. In einen derartigen, in der Vergangenheit liegenden Missbrauchsfall ist Maggie selbst verwickelt, woraus sich ein Stück weit ihre Probleme ergeben. Als Eddie, der Sohn ihres Partners Julio einen unbewaffneten Schwarzen erschoss und suspendiert wurde, wollten Maggie und Julio einen Zeugen über Einschüchterung dazu bringen, seine Aussage zu ändern. Mehr als der Fall, an dem Maggie arbeitet, interessiert Schulman offensichtlich die Geschichte ihrer Hauptfigur.

Komparativer Stresstest für Kakteen

Während Maggie an ihrem Fall arbeitet, versucht sie zugleich, ihr Leben zu organisieren, ihr jämmerliches kleines Apartment einzurichten, Teebeutel zu kaufen, zu ihren AA-Treffen zu gehen. Sie lernt, im Alltag zurechtzukommen, kauft einen Kaktus für ihre Wohnung und einen für ihr Büro, um in einer Art Feldstudie herauszufinden, welcher von ihnen länger überlebt, von ihr und ihrer Fürsorge abhängig.

Maggie erzeugt ständig einen Abgleich ihrer Position oder Situation mit anderen Menschen. Als Mike ihr stolz Kollegin Enid nebst privaten und beruflichen Leistungen vorstellt, wird ihr sofort das eigene Versagen in beiden Bereichen gegenwärtig. Aber die komplexe Persönlichkeit Maggie verfügt auch über einige Fähigkeiten, so in der Analyse und Bewertung gruppendynamischer Zusammenhänge. Deshalb weiß sie auch Enid schnell richtig einzuordnen.

Fazit:

Sarah Schulmans „Trüb“ ist primär eine subtile Charakterstudie einer abhängigen Frau, die den Weg zurück ins Leben sucht. Darüber hinaus ist der Text ein gesellschaftspolitischer Kommentar zur Gegenwart New Yorks oder der USA, schließlich geht es dann noch um die Auflösung eines Verbrechens. Die Charaktere sind subtil entwickelt und ausdifferenziert. Sprachlich ist der Roman überdurchschnittlich gut.

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