Tot bist du perfekt

Erschienen: März 2020

Bibliographische Angaben

Sibylle Schmidt (Übersetzung)

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Sabine Bongenberg
Spannung der anderen Art

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Mai 2020

Manchmal wacht man morgens ja etwas verknittert auf. Der Nacken schmerzt, es fühlt sich an, als hätte man ein Mäusenest im Mund und die Sprache, die fusselt und fisselt irgendwie so vor sich hin und will noch gar nicht so recht. Meistens geht es aber dann schnell wieder aufwärts. Bei Abby ist das genauso – aber doch ganz anders. Denn Abby kommt nicht so langsam zu sich, sie erlebt ein Upload. Danach erfährt sie, dass sie kein Mensch mehr, sondern ein Cobot ist.

Eine Maschine, geschaffen für die, die den Verlust eines geliebten Menschen nicht verkraften und sich sein Abbild und sein Wesen als Roboter erhalten. Auch wenn die Trauernden möglicherweise nicht ganz unschuldig daran sind, dass der geliebte Mensch sie verlassen hat…

Will ich unsterblich sein?

J P Delaney wirft in seinem neuen Thriller eine neue Frage der Unsterblichkeit auf. Es ist nicht mehr die der Seele, natürlich auch nicht der des Körpers, sondern die Unsterblichkeit des Erscheinungsbildes, des Ausdrucks – wissenschaftlich formuliert die des Phänotyps. Für die „Person“, die das gerade erlebt, ist es ein Schock – sich zu fühlen, wie ein Mensch, sich an schöne Momente zu erinnern, Emotionen zu durchleben und doch ein Roboter zu sein.

Ein Roboter ist nun mal kein Mensch – er ist von Menschen erdacht und konstruiert und darauf beschränkt, das zu können, was ein anderer für wichtig hält. Wenn eine begeisterte Surferin nun nicht mehr ins Meer springen darf, weil dann das Gerät einen tödlichen Defekt erleidet, lässt das natürlich tief blicken, was der Erbauer von ihrer Leidenschaft hielt.

Wenn Geschlechtsteile nicht eingebaut wurden, weil diese offensichtlich auch überflüssig sind, könnte das zeigen, dass die Ehe in dieser Hinsicht offensichtlich auch nicht mehr ganz rund lief. Wenn eine begeisterte Köchin nicht riechen und nicht schmecken kann, wie soll sie dann noch Freude an diesem Hobby haben? Aber warum baut ein Mann dann seine Gattin nach – wenn nicht, weil er ohne sie nicht leben kann?

Fragen quälen die wieder auferstandene Künstlerin

Diese verschiedenen Ungereimtheiten und die Fragen, die die wieder auferstandene Künstlerin Abbie Cullen-Scott immer weiter quälen und belasten, bilden die Basis dieses ungewöhnlichen und auf eigenwillige Art erzählten Krimis. Hier treffen zwei Handlungsstränge aufeinander. Der eine erzählt in der Gegenwart und berichtet, ungewohnt und gewöhnungsbedürftig in der zweiten Person – Du, hoffentlich aufmerksamer Leser, wirst also die ganze Zeit angesprochen.

Der zweite Handlungsstrang wird erzählt aus der Sicht eines aufmerksamen Publikums – ähnlich eines griechischen Chors – das von Anfang an Zeuge der Liebesgeschichte zwischen Abbie und ihrem späteren Ehemann und noch späterem „Schöpfer“ Tim Scott war. Diese beiden Erzählweisen heben „Tot bist du perfekt“ von einem gewöhnlichen Krimi ab. Ähnlich wie in „Westworld“, wo Touristen zwischen anderen Robotern ihr eigenes Abenteuer erleben, stellen sich Fragen nach Ethik und nach Grenzen. Wie weit ist ein menschlich empfindender Roboter eine Maschine? Was schmerzt ihn, was freut ihn? Was geschah mit der „echten“ Abbie?

Dennoch kann sich ein Thriller natürlich nicht alleine auf diese Fragen beschränken. Sondern es stellt sich vielmehr die Frage, wo ist eigentlich die echte, die lebendige Abbie abgeblieben? Die aus Fleisch und Blut, die auf verschiedenen Dating-Apps angemeldet war, die sich – ohne Rendezvous - von allen Dating-Apps wieder abmeldete. Die sich rührend um ihr behindertes Kind kümmerte, die dieses Kind möglicherweise einfach zurückließ. Wer war die echte Abbie?

Die, die bei einem heftigen Sturm surfen ging und nie wieder auftauchte, die bei diesem Wetter nicht auf ihr Surfbrett stieg, sondern abtauchte? Es ist ein Rätsel, aber Abbie II ist entschlossen es zu lösen. Dennoch stellt sich auch hier die Frage – ist das ihr Antrieb, wurde sie dazu gebaut, dazu programmiert oder ist es ihre eigene Entwicklung?

Fazit:

J P Delaney sprengt mit diesem Thriller das eigentliche Genre auf. Durch die Spannung der Handlung wird natürlich ein Thrill erzeugt, aber ist das Unrecht, was eine Maschine begeht - oder das Unrecht, was ihr zugefügt wird, ein strafbare Tat? Oder hat sich diese Tat schon lange vorher ereignet? Oder soll sie jetzt erst herbeigeführt werden? Ungewöhnlich auch, dass der Leser sich relativ schnell an die Cobot Abbie gewöhnt und sie – bei allen menschlichen Zügen – dennoch mit einer gewissen Distanz betrachtet. Aber es ist auch nicht die Sympathie, die der elektronischen Abbie gilt – auch wenn sie Gefühle zu spüren vermag – sondern ihrem lebendigen Vorbild, das letztendlich in einen Abgrund sah. „Tot bist du perfekt“ ist ein ungewöhnliches und eigenwilliges Buch, ob alles logisch und schlüssig ist, soll dahingestellt sein, aber es ist ein Thriller einer neuen Leseart, der sich auch bei allem Fremdgefühl das Durchhalten lohnt.

Tot bist du perfekt

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Letzte Kommentare:
23.05.2020 22:30:04
Sandy

Habe das Ende irgendwie nicht so ganz verstanden. War doch etwas verwirrend. Schade