Unschuldige Täter

Erschienen: März 2020

Bibliographische Angaben

Ursula Gräfe (Übersetzung)

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Thomas Gisbertz
Japanisch zurückhaltend, aber intensiv

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Mai 2020

In der kleinen Ortschaft Harigaura, malerisch an der japanischen Küste gelegen, findet eine Anhörung zur Erschließung von Bodenschätzen auf dem Meeresboden statt. Das Thema spaltet die Stadt. Die einen fürchten die Zerstörung der Natur und sind gegen das Vorhaben. Die anderen sehen darin die einzige Zukunftsmöglichkeit für die Stadt, die ihre Glanzzeit als Touristenmagnet längst eingebüßt hat.

Auch Physik-Professor Manabu Yukawa ist angereist, um als Experte zu sprechen. Dann wird plötzlich ein Mann tot aufgefunden. Ein tragischer Unfall? Suizid - oder doch Mord? Kriminalkommissar Kusanagi nimmt gemeinsam mit Yukawa, der der Polizei schon bei einigen Fällen behilflich war, die Ermittlungen auf, und stößt auf einen mysteriösen Fall, der 16 Jahre zurückliegt.

Verschleierung eines Mordes?

Masatsugu Tsukahara, so der Name des Toten, hat tagsüber noch an einer Anhörung der DESMEC (Deep Sea Metals Corporation) durch die ortsansässige Bürgerinitiative teilgenommen, bei der es um die Rohstoffen vor der Küste Harigauras ging. Nun ist er tot. Was zunächst nach einem Unfall aussieht, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als mysteriöser Todesfall.

Das Opfer liegt mit eingeschlagenem Schädel auf einem tiefer gelegenen Felsen hinter einem Damm. Im Körper können Schlafmittel nachgewiesen werden. Alles deutet zunächst auf Selbstmord hin. Allerdings weist der Carboxyhämoglobinwert im Blut einen tödlichen Sättigungswert auf. Kommissar Kusanagi ist klar, dass jemand mit einer Kohlenmonoxid-Vergiftung nicht auch noch von einem Damm in die Tiefe springt. Gut, dass es Professor Yukawa gibt, der in derselben kleinen Pension wie das Opfer untergebracht ist. Auf seine ganz eigene Art nimmt er die Ermittlungen auf.

Japanischer Erfolgsautor

Für Autor Keigo Higashino, geboren 1958 in Osaka, war der Weg zum Erfolg lang. Nach seinem Ingenieursstudium begann der Kapitän einer Bogenschützen-Mannschaft, wovon auch sein erster Roman handelt, Kriminalromane zu schreiben. Er bewarb sich immer wieder erfolglos um den Endogawa-Rampo-Preis, der jährlich vom Verband der japanischen Krimiautoren verliehen wird.

Nachdem er diesen 1985 mit „Hōgako“ endlich gewonnen hatte, begann seine Karriere als Schriftsteller. Viele seiner Kriminalromane wurden seitdem für Kino und Fernsehen adaptiert und mit Preisen ausgezeichnet. Sein größter Erfolg bisher ist die Erzählung „Verdächtige Geliebte“. In seiner Heimat wurde der Kriminalroman mehr als zwei Millionen Mal verkauft. Mit „Unschuldige Täter“ erscheint nun im Tropen Verlag der dritte von bisher vier Bänden der Professor-Yukawa-Reihe. In Japan wurde er bereits 2011 veröffentlicht.

Ungewöhnlicher Ermittler

Wer die Romane von Higashino kennt, der weiß, dass diese nicht von einem hohen Erzähltempo bestimmt sind. Eher gemächlich startet auch der neue Fall um den ungewöhnlichen Manabu Yukawa, Professor am Fachbereich Physik der Kaiserlichen Universität in Tokio. Unweigerlich muss man beim Lesen an den kauzigen TV-Inspektor Columbo denken, wenn der unscheinbare und doch so clevere Yukawa seine Ermittlungen aufnimmt.

Dabei erfüllt diese Figur eine ganz besondere Funktion innerhalb des Romans: Sie gibt Kommissar Kusanagi immer wieder wichtige Hinweise für die Tätersuche. Er selber ermittelt vor Ort in seiner für ihn typischen Art. Er kommt immer wieder unvermittelt ins Gespräch mit Personen im Ermittlungsumfeld. Ohne sie dabei direkt auszufragen, gelangt der Professor durch eine geschickte, unauffällige Gesprächstaktik an Informationen. Einige Ermittlungsergebnisse sind auch für den Leser überraschend, da Higashino Yukawa phasenweise im Verborgenen agieren lässt.

Gemeinsames Schicksal

Keigo Higashino ist ein genauer Beobachter. Im Zentrum seiner Romane stehen die Figuren und ihre Schicksale. Auch diesmal steckt eine tragische Geschichte hinter der Suche nach dem Täter, in die mehr Protagonisten verwickelt sind, als man zunächst glauben mag. Man muss aufmerksam und genau lesen, um den Ursachen für den Tod Tsukahara auf die Spur zu kommen.

Immer wieder gibt es unerwartete Wendungen. Mehr und mehr zeigt sich, wie die Schicksale der einzelnen Figuren miteinander verwoben sind, und die Gründe hierfür fast zwei Jahrzehnte in die Vergangenheit zurückreichen. Es geht um Liebe, Familie und eine ungewöhnliche Freundschaft. Im Mittelpunkt steht aber die Geschichte des Opfers: ein pensionierter Polizist, der sich auf sehr menschliche Weise mit einem alten Fall auseinandersetzt, den er einst gelöst, aber nie abgeschlossen hat.

Besonderer Schreibstil

Dass man als Mitteleuropäer vielleicht etwas Zeit benötigt, die doch zum Teil ähnlich klingenden japanischen Namen auseinanderzuhalten, beeinträchtigt den Lesefluss nicht. Man muss aber den mit seinen bedächtigen Formulierungen etwas seltsam anmutenden Professor Yukawa mögen. Dann macht die Lektüre große Freude. Ein Clou gelingt dem Autor besonders: Er stellt dem sonderbaren Ermittler den kleinen Jungen Kyohei zur Seite, der zu Besuch bei seiner Tante und seinem Onkel in der Pension ist. Ihm erklärt er oftmals physikalische Gesetzmäßigkeiten, die zunächst wie ein Unterhaltungsprogramm für den Jungen wirken, die aber nicht unwichtig für die Lösung des Falls sind und auch dem Leser wichtige Informationen liefern.

Fazit:

Keigo Higashino ist ein erneuter Beweis für die hohe Qualität asiatischer Krimiautoren. Allerdings muss man die ruhige, teilweise eher beschauliche Art des Schreibens mögen. Auch wenn Higashino vielleicht mit diesem Band nicht ganz die Brillanz eines Hideo Yokoyama („64“) oder eines Chan Ho-kei („Das Auge von Hongkong“) erreicht, ist er dennoch eine klare Empfehlung. Ein klassischer „Whodunit“, der unaufgeregt, aber nicht weniger fesselnd und spannend ist.

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