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Thomas Gisbertz
Mäßig unterhaltsamer Krimi aus Oberbayern

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Apr 2020

Das Fest zum 100-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr nimmt legendäre Ausmaße an – und fatale für Berthold Fellinger. Der hat einen kompletten Filmriss, als ihn Hauptinspektor Josef Lechner am nächsten Tag aus dem Bett klingelt, um ihn in Gewahrsam zu nehmen. In der Polizeiinspektion konfrontiert Lechner seinen langjährigen Freund Fellinger mit der Anschuldigung, Horst Rosenberger, seines Zeichens Jäger, in der vergangenen Nacht in einem Waldstück mit einem Hirschgeweih getötet zu haben. Die Beweislast ist erdrückend. Fellinger steht vor seinem schwierigsten Fall - denn er selbst scheint der Täter zu sein.

Gemeinsame Ermittlung

Fingerabdrücke auf der Tatwaffe, die Jacke samt Portemonnaie am Tatort: Die Karten stehen schlecht für den Lebensmittelkontrolleur Fellinger. Der kann sich erst nach und nach bruchstückhaft an die Ereignisse des Vorabends erinnern. Nachdem er seinen Spezi, Polizeihauptinspektor „Sepp“ Lechner, lange genug bequatscht hat, willigt dieser ein, die Zeit bis zum Eintreffen der Kriminalpolizei am Nachmittag zu nutzen und gemeinsam den Tathergang zu ermitteln, um Fellingers Unschuld zu beweisen.

Erfolgreicher Autor

Oliver Kern wurde 1968 in Esslingen am Neckar geboren und wuchs im Bayerischen Wald auf. Seit rund 25 Jahren lebt er nun in der Region rund um Stuttgart. Während der Autor beruflich im Marketing arbeitet, beschäftigt er sich nebenbei mit vielen Formen der gestalterischen Kunst: Malerei, Illustration und dem Zeichnen von Comics und Cartoons. „Hirschhornharakiri“ ist bereits der dritten Band einer Serie um den schrulligen Lebensmittelkontrolleur Fellinger, die im Bayerischen Wald spielt. Unter dem Pseudonym Luis Sellano veröffentlicht der Autor seit 2016 die Lissabon-Krimireihe um den Ex-Polizisten Henrik Falkner, die es in die Spiegelbestsellerliste geschafft hat.

Schwache Umsetzung

Die Grundidee des dritten Bandes aus der Fellinger-Reihe ist nicht neu, aber durchaus vielversprechend: Der an einer alkoholbedingten temporären Amnesie leidende Hygieneinspektor der Lebensmittelkontrolle kann die Ereignisse der vergangenen Nacht nicht rekonstruieren. Zwar kommt die Erinnerung allmählich wieder, aber der Leser muss genauso wie die Hauptfigur die Ereignisse erst nach und nach wieder in einen Zusammenhang bringen. Was Oliver Kern aus diesem  guten Gedanken macht, ist leider nicht nur zunehmend humorfrei, sondern auch quälend langweilig. Dass die Figuren in einem solchen Regionalkrimi sich gegenseitig ständig nur in der Kombination aus Nachnamen sowie Vornamen, wie Höllmüllerin, Bachstätter, Rosenberger Horst oder Roßhauptner Albin, anreden, mag da noch der bayrischen Eigenart geschuldet sein und hat durchaus seinen Charme - auch wenn es mit der Zeit doch nervt. Die Anreden der Figuren ist allerdings auch das einzige Besondere an ihnen.

Grenzwertiger Humor

Nicht nur, dass die Handlung wenig spannend ist und durch zahlreiche, endlos erscheinende Zwischenepisoden unterbrochen wird, sie überzeugt auch nicht mit dem für einen Regionalkrimi typischen Witz. Während es Autorinnen wie Rita Falk und Nicola Förg gelingt, zumeist eine unterhaltsame Story, gewürzt mit feinem Humor und skurrilen Figuren zu entwickeln, fällt der aktuelle Krimi von Oliver Kern sprachlich deutlich ab und ist - bei allem Respekt für den Autor - oftmals mehr als grenzwertig. Formulierungen wie „Vom Gestüt […] weht eine würzige Brise herüber. Angereichert von Pferdemist und den Ausdünstungen von Tier und Reiter. Wobei es sich vor allem um Reiterinnen handelt. Und die dünsten in erster Linie vor Erregung, weil sie sich in der Lage sehen, die mächtigen Gäule alleine mit dem Druck ihrer Schenkel zu lenken“ ist nicht derb-komisch, sondern nur peinlich. Wenn Kern seine Figuren dann auch in Manier des FC Schalke-Präsidenten Clemens Tönnies feststellen lässt, dass man sich in Afrika ja noch einiges sexuell einfangen könne, ist die Grenze auch des infantilen Humors überschritten.

Nur für Fellinger-Fans

Während der erste Fall der Fellinger-Reihe durchaus unterhaltsam war, wenn man derartige Regionalkrimis mag, so muss man beim „Hirschhornharakiri“ feststellen, dass es inhaltlich wie sprachlich an der nötigen Leichtigkeit fehlt. Stattdessen verfängt sich der Autor in einer zunehmend langatmigen, abstrusen und zu stark konstruierten Geschichte, der es trotz der guten Grundidee nicht gelingt, Spannung aufzubauen. Dass solche Erzählungen oft meilenweit von der Realität entfernt sind, wenn Fellinger als Tatverdächtiger mit seinem Spezi Lechner auf Spurensuche geht, ist bei einem Krimi solcher Art absolut in Ordnung, schließlich lebt er genau von derlei Ideen. Wenn aber besonders die Nebenfiguren, statt eigentümliche, exzentrische Charaktere zu sein, lediglich dümmlich-naiv wirken, hat der Roman eines seiner Hauptziele verpasst: eine extravagante, skurrile und daher unterhaltsame Figurendarstellung.

Fazit:

„Hirschhornharakiri“ ist sicherlich der schwächste Fellinger-Fall bisher. Weder die Figurendarstellung, der in den Regionalkrimis eine besondere Bedeutung zukommt, noch die Handlung können überzeugen. Der aktuelle Roman von Oliver Kern wirkt leider wie eine lieblose Auftragsarbeit. Dass der Autor eigentlich ein besserer Kriminal-Erzähler ist, zeigt seine Lissabon-Reihe. Das Problem beider Reihen ist aber zunehmend, dass sie sich inhaltlich und hinsichtlich ihrer Figurendarstellung kaum weiterentwickeln.

Hirschhornharakiri

Hirschhornharakiri

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