Thousand Islands - Ein rätselhafter Mord

Erschienen: Oktober 2020

Bibliographische Angaben

Anke Kreutzer (Übersetzung)

OT: A Death in the Family

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Michael Drewniok
Auch alte Hüte können kleiden

Buch-Rezension von Michael Drewniok Okt 2020

Nachdem sie eine Ermittlung nur knapp schwerverletzt und psychisch angeschlagen überlebte, verließ Polizistin Shana Merchant Manhattan und zog mit ihrem Verlobten nach Upstate New York an die Atlantikküste, wo am St.-Lorenz-Strom zwischen den USA und Kanada die Ferienregion Thousand Islands einen ruhigen Dienstalltag sicher- und Merchants Seelenfrieden wiederherstellen soll.

Dreizehn Monate, nachdem sie als Senior Detective in den Dienst der Bundespolizei des Jefferson County getreten ist, ermittelt Merchant in einem Verbrechen, das die ortsüblichen Schurkereien in den Schatten stellt: Auf der weitab im Strom gelegenen Insel Tern Island steht das feudale Anwesen der Familie Sinclair, die viel Geld mit Einrichtungsmode verdient. Aktuell wollte Jasper, Enkel der Clan-Matriarchin Camilla, dort der versammelten Familie seine Freundin und womöglich Braut Abella vorstellen. Sie ist am Morgen allein im gemeinsamen, mit Blut getränkten Bett erwacht; Jasper ist verschwunden.

Mit ihrem Kollegen Tim Wellington erreicht Merchant gerade noch die Insel, bevor schlechtes Wetter die Verbindungen zur Außenwelt kappt. Ohne die Unterstützung der Spurensicherung müssen die beiden Polizisten die Untersuchung durchführen. Sechs Familienangehörige, Abella und Hausmeister Philip Norton sind anwesend. Für Merchant und Wellington gelten sie alle als Verdächtige - und sie benehmen sich auch so. Die Sinclairs sind eine prominente, aber keineswegs liebevolle Familie, deren Mitglieder diverse Geheimnisse voreinander hüten. Während der Sturm Tern Island isoliert, fragen sich Merchant und Wellington dorthin durch, wo der oder die Täter/in zusehends nervös und unberechenbar wird …

Schroffe Natur und heimtückische Menschen

Manche Idee ist so gut, dass sie nicht altert, sondern reift. Man kann sie jederzeit verwenden und muss sie höchstens entstauben, soll die erzählte Geschichte beispielsweise in der Gegenwart spielen. Hier haben wir das von üblem Wetter abgeschottete Haus, in dem ein Mord geschieht. Der Täter konnte den Ort nicht verlassen und tarnt sich durch unschuldige Anwesenheit. Die Polizei ist auf sich gestellt. Hilfe von außen bleibt aus, während im Inneren des Hauses die Ermittlung beginnt. Für den Täter gilt es, Ruhe zu bewahren, falsche Indizien zu streuen oder notfalls lästige Mitwisser auszuschalten, während die Fahnder einer Gruppe gegenüberstehen, deren Mitglieder nicht darauf erpicht sind, sich zu offenbaren; als es doch geschieht, spitzt sich die Lage explosiv = lebensgefährlich zu.

Die Sinclairs zählen (sich) zum alten Geldadel des Staates New York und sind entsprechend selbstbewusst sowie unwillig, die lästigen Fragen profaner Polizisten zu beantworten, die ihnen auch im 21. Jahrhundert als Dienstboten gelten. Man ist reich, politisch und juristisch bestens vernetzt und fühlt sich über schnöde Gesetze und Regeln erhaben, die höchstens für den zur Arbeit verdammten Alltagspöbel gelten.

Dabei stinkt es gerade hinter dieser Fassade gewaltig. Rätsel-Krimis wie Thousand Islands - Ein rätselhafter Mord leben von an die Oberfläche gezerrten Geheimnissen, die solche Anmaßung Lügen strafen. In dieser Hinsicht wandelt Autorin Tessa Wegert in ihrem Debüt-Roman - der (natürlich) Start einer Reihe ist, die Shana Merchant in den Mittelpunkt stellen wird - auf den Spuren von Agatha Christie, Ellery Queen & Co.

Starke Frau mit schwächender Erfahrung

Mit Shana Merchant hat Wegert eine Hauptfigur kreiert, die sich um Konventionen wenig schert. Weder die ständig geäußerte Drohung, ‚wichtige‘ Freunde zu alarmieren, noch allgegenwärtig kläffende Anwälte einzuschalten, kann sie von ihrer Arbeit abhalten, die wie so oft im Kriminalroman auch eine Mission ist. Zwar hat Merchant aufgrund dieser Haltung körperlich und geistig mächtig einstecken müssen, aber grundsätzlich ist sie die genretypische Verfechterin von Recht und Moral geblieben.

Eine angeschlagene Psyche ist heutzutage fast eine zwingende Voraussetzung, um (in Serie) ermitteln zu dürfen; gesunde Ermittlungsbeamte, die einfach ihren Job leisten, sind offensichtlich langweilig. Deshalb muss sich auch Shana Merchant mit Albträumen und bösen Erfahrungen herumschlagen. Das soll Spannung generieren, denn in der Krise macht sich der jeweilige Dachschaden bemerkbar, weshalb die Heldin mit dem Strolch und der Schwäche gleichzeitig fertigwerden muss.

Merchants Nemesis trägt den Namen „Bram“. Was er ihr antat, bleibt weitgehend Andeutung - noch, denn da Bram seinen Häschern entging, treibt er weiterhin sein Unwesen und wird garantiert in den Folgebänden der Serie eine wichtige Rolle spielen. Bram ist einer dieser genialischen Sadisten, die viel Grips in die Ausarbeitung kruder Folter-Grausamkeiten investieren, welche in der Umsetzung so komplex sind, dass man sich (zumindest als skeptischer/ketzerischer) Leser fragt, wie sie in die Untat umgesetzt werden können. Bram soll als latente Drohung die Handlung beleben, wobei zu hoffen bleibt, dass die Verknüpfung zwischen ihm und Merchant zukünftig eleganter realisiert wird.

Die Form will gewahrt bleiben

Von der auf dem rückwärtigen Cover behaupteten „Neuerfindung der klassischen Detektivgeschichte“ kann keine Rede sein. Tatsächlich wäre dies ohnehin kontraproduktiv: Die angepeilte Leserschaft will keine „Neuerfindung“, sondern schätzt gerade die alten Muster, die höchstens variiert werden sollen. Die Autorin weiß dies gut, weshalb sie sich an die Konventionen hält: Alle haben Dreck am Stecken, doch mindestens eine/r ist zudem ein/e Mörder/in.

Viele Seiten vergehen, während lügenboldige ‚Ehrenmänner‘ und ‚Damen‘ befragt werden. Maske um Maske fällt, wobei sich hässliche Wahrheiten offenbaren. Diese haben mehrheitlich nichts mit dem Fall zu tun, sondern schüren Verdachtsmomente, wobei Wegert noch lernen muss, die Schrauben ein wenig schärfer anzuziehen, statt Hauptfigur Merchant in den Flashback-Zombie-Modus zu schalten, wenn das Geschehen Tempo entwickeln soll. Blass bleiben klischeestarke High-Society-Widerlinge und eine Auflösung, die funktioniert, ohne originell zu sein; auch das nicht wirklich dramatische Finale wirkt wie die Ableistung einer vom Genre geforderten, aber der Verfasserin lästigen Pflicht (Immerhin gelingt Wegert ein Mystery-Krimi, in dem Handys funktionieren und fleißig genutzt werden).

So bietet dieser erste Band der Thousand-Islands-Serie einerseits solide Krimi-Kost, lässt aber gleichzeitig Luft nach oben. Die Kulisse spielt eine recht nebensächliche Rolle, die Handlung würde in jeder Abgeschiedenheit funktionieren. Das Fundament ist gelegt, zukünftig relevante Figuren werden eingeführt, ungelöste Rätsel lappen in die Folgebände hinüber. Wegert hat ihre Hausaufgaben gemacht; bleibt abzuwarten, wie (oder ob) sich die Serie entwickeln wird/kann.

Fazit

Der Auftaktband der Thousand-Islands-Serie bietet solide Krimi-Kost nach klassischem Vorbild, aber im modernen Gewand. Formal wie inhaltlich bleiben Überraschungen aus, und die Hauptfigur ist noch stärker traumatisiert als üblich.

Thousand Islands - Ein rätselhafter Mord

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Letzte Kommentare:
14.11.2020 14:57:23
Vielleser

Ein durchaus solider Krimi, sauber konstruiert und logisch aufgelöst, wenn auch etwas einfache Lösung.
Leider nicht gut über setzt - oder lektoriert.
Uns die kursiv gesetzten Gedanken der Hauptfigur sind teilweise nervig.
Als Serienauftakt gelungen, sollte aber etwas mehr werden.

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