Ich bin dein Ende

Erschienen: Juni 2021

Bibliographische Angaben

Anu Katariina Lindemann (Übersetzung)

Couch-Wertung:

72°
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Sabine Bongenberg
Gut gekühlte Unterhaltung bei verhaltenem Auftakt

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Aug 2021

Geht man mit seinem Date romantisch Schlittschuhlaufen, so denkt man an daran, Hand in Hand über das Eis zu kurven, unter blinkenden Lichtern ein paar Küsse auszutauschen oder ein schönes Glas Glühwein zu trinken. Sicherlich denkt man nicht daran, mit einem regelrechten Bauchplatscher auf das Eis zu knallen, darüber hinweg zu pflügen und dabei festzustellen, dass einen ein Gesicht unterhalb der Eisfläche anstarrt.

So ergeht es dem Reporter Elliot und natürlich alarmiert er sofort seine alte Bekannte Detective Jude Fontaine, die nach eigenen Schicksalsschlägen gerade mühsam versucht, wieder auf die Beine zu kommen. Schnell stellt sie fest, dass es sich bei dem gefundenen Körper um den eines Kindes handelte, das bereits vor Jahren verschwand. Das macht die Ermittlungen nicht gerade einfach und erschwerend kommt auch noch dazu, dass ein anderes, aber noch viel jüngeres Kind während eines Schneesturms vor ihrer Tür deponiert wird. Jude findet bald heraus, dass der aufgefundene lebendige Kleine schwere Spuren von Misshandlungen und Vernachlässigungen aufweist und stellt sich auch alsbald die Frage, ob er mit dem aufgefundenen Jungen im Eis in Verbindung steht. Das aber könnte ihr „Findelkind“ in Gefahr bringen, zumal auch noch weitere Körper gefunden werden.

Spannung, die sich langsam aufbaut

Ich muss sagen, ich war von Anne Frasiers drittem Roman über die Ermittlungen der Detective Jude Fontain eingangs nicht so begeistert. Mir erschien er ein wenig lieblos aufbereitet, allein in der Eingangssequenz findet sich auf einer Seite viermal das Wort „Leichen“, ohne dass sich offensichtlich jemand darüber Gedanken machte, dass dieses Wort auch sicherlich durch ein anderes hätte ersetzt werden können. Ab und zu ist „der Dativ dem Genetiv sein Tod“ und allein sprachlich gesehen, wirkt es doch manchmal ein wenig ungeschliffen. Dazu kam, dass ich mir kaum vorstellen konnte, dass bei einem - nächtlichen – Sturz auf einem See tatsächlich ein eingefrorener Körper sichtbar werden könnte. Aber dennoch gelang es Anne Frasier mich im Laufe ihres Romans eines besseren zu belehren. Es ist für meinen Geschmack nicht alles logisch, manchmal dachte ich auch, dass diese oder jene Schleife extra wegen eines zusätzlichen Spannungsbogens eingebaut wurde, dennoch entschädigt die gut erzählte Handlung für diese Kleinigkeiten. In ihrem Krimi, der während eines brutalen Winters in Minneapolis spielt und somit allein schon das Klima gelegentlich zum Komplizen der verschiedenen Böswichte macht, erzählt Frasier spannend und packend, wie die Geschichte über das Verschwinden kleiner, blonder Jungen letztendlich aufgeklärt werden soll und wie gewieft und bösartig sich die Täter diesen Untersuchungen widersetzen.

Die Autorin macht bei diesem Buch sicher kein Hehl daraus, dass es sich um das dritte Werk einer Reihe handelt und im Zusammenhang mit Jude Fontain wird mehrfach Bezug auf ihr Vorleben in den beiden anderen Bänden genommen. Dennoch kann der Leser, der großmütig darüber hinwegsieht, dass er aus ihrem Leben nun eben nicht alles wissen muss, getrost über diese Andeutungen hinweg lesen und mit der Aufklärung des neuen Falles haben sie letztendlich wenig zu tun. Frasier baut ihren Roman übrigens nicht als einen „Whodunnit“ auf, der Leser weiß vielmehr von Anfang an, wer im großen und ganzen hinter den Verbrechen steckt, dennoch wird er von ein paar besonderen Schleifen, die er nicht vorhersehen konnte noch einmal zusätzlich überrascht und auch das Ende birgt einiges Unvorhergesehenes. Auch das spricht für die gute Unterhaltung, die Frasier bietet.

Fazit:

Im dritten Buch ihrer Reihe um Detective Jude Fontain präsentiert Anne Frasier einen ansprechenden und soliden Krimi um die neuen Entwicklungen im Leben und bei der Arbeit von Jude Fontain und ihren Kollegen. Sicher – es gibt Andeutungen auf die Handlungen der Vorgängerbände und gelegentlich „kommen auch wieder die Götter den Helden zu Hilfe“. Aber unterm Strich bleibt ein gut aufgebauter, solider Krimi mit einer gut gemachten Spannungskurve. „Ich bin dein Ende“ mit seinen flatternden Vögelchen auf dem Cover – bei denen ich mich übrigens immer noch frage, ob es nur einer ist, der sich spiegelt oder dann doch zwei - kann wesentlich mehr, als es anfangs den Anschein hat.
 

Ich bin dein Ende

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