Die Tote

Erschienen: Mai 2021

Bibliographische Angaben

Sabine Schilasky (Übersetzung)

Couch-Wertung:

55°
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Carola Krauße-Reim
Wenig überzeugender Psychothriller

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Jul 2021

Nach ihrem Debüt „Die Freundin“ legt Heidi Perks nun mit „Die Tote“ nach. Doch anders als der Vorgänger ist dieser Psychothriller kaum als solcher zu bezeichnen.

Eine Tote im Garten

Stella und ihre Familie mussten die kleine Insel Evergreen sehr überstürzt verlassen. Jetzt, nach 25 Jahren, findet man eine Tote im Garten ihres Elternhauses. Stella nimmt das zum Anlass zurück zu kehren, Nachforschungen anzustellen und alte Freunde zu treffen. Die Lage ändert sich als Stellas autistischer Bruder, der die Familie schon lange verlassen hat, den Mord gesteht. Stella kann nicht glauben, dass Danny schuldig ist; sie will die Wahrheit herausfinden und bringt sich damit in große Gefahr.

Eine ziemlich verkorkste Familie

Die regelrechte Flucht von der Insel hat der Familie nicht gutgetan. Die Eltern lassen sich scheiden, Stellas Schwester rutscht immer tiefer in die Alkoholsucht und ihr Bruder zieht mit unbekanntem Ziel aus. Stella selbst wird auf dem zweiten Bildungsweg Familientherapeutin, doch ihrer eigenen Familie kann sie kaum helfen.

Die Figurenzeichnung ist Perks gut gelungen. Von der, wie unter Starkstrom stehenden Schwester Bonnie, über den autistischen Bruder bis hin zum dementen Vater und Stella selbst, sind die Charaktere, wenn auch nicht unbedingt sympathisch, so doch glaubhaft. Stella als Protagonistin versucht auszugleichen, was in Schieflage gerät - nicht nur beruflich, auch privat, denn Bonnie ist, anders als sie, ein aufbrausender Charakter, der relativ unversöhnlich erscheint und zudem die Kindheit auf Evergreen mit ganz anderen Augen sieht als Stella.

Evergreen macht manches wieder gut

Neben den Charakteren ist Perks ein wirklich gutes Setting gelungen. Evergreen, die kleine Insel vor England kann nur mit einer Fähre erreicht werden. Sie ist kaum bewohnt, hier kennen sich alle und das oft besser als ihnen lieb ist. Die eingeschworene Gemeinschaft tut sich schwer mit Fremden und jetzt auch mit der zurückkehrenden Stella. Der kleine Fährhafen, die verstreut liegenden Häuser und die Strände und Klippen sind gut beschrieben.

Die Atmosphäre auf der Insel ist glaubhaft und beängstigend. Doch das reicht nicht um einen raffinierten Thriller zu erzählen.

Was geschah vor 25 Jahren?

Das ist die zentrale Frage des Thrillers. Rückblicke in die Kindheit von Stella zeigen eine relativ normale Familie mit einem autistischen Sohn, einer pubertierenden Tochter und einem Kind, dass die einsame und wenig bevölkerte Insel über alles liebt. Das Geschehen heute wird durch die Erinnerungen Stellas immer mehr aufgedröselt – Vergangenheit und Gegenwart wechseln sich in der Geschichte ab. Doch die Handlung bummelt regelrecht vor sich hin – es passiert einfach nicht genug, um die mehr als 360 Seiten sinnvoll zu füllen. Dadurch leidet die Spannung natürlich enorm, obwohl der Anfang mit der regelrechten Flucht von Evergreen packend ist und die Erwartungen gehörig anheizt.

Doch es folgt einfach nichts Fesselndes nach. Die Spannung bewegt sich durchgehend auf sehr niedrigem Niveau. Es gibt kaum eine Wendung im Geschehen und wenn, dann wird diese so langweilig geschildert, dass der Effekt verpufft. Die sehr konstruierte Geschichte endet entsprechend unglaubwürdig und ohne krachenden Showdown, auch wenn die Autorin ihn versucht hat. Was einen Psychothriller ausmacht – die packende Suche nach der Wahrheit – ist hier nur sehr unbefriedigend umgesetzt und die Lektüre dürfte kaum schlaflose Nächte, nicht einmal spannungsgeladene Lesestunden bereiten.

Fazit

„Die Tote“ ist im Vergleich zu dem gut gelungenen Debüt „Die Freundin“ eher eine Enttäuschung. Wenig Spannung, keine packende Handlung und auch ein teilweise anspruchsloser Stil lassen kaum Lesefreude aufkommen. Von einem fesselnden Psychothriller kann hier leider kaum die Rede sein.

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