Lügen können töten

Erschienen: Mai 2021

Bibliographische Angaben

Kerstin Winter (Übersetzung)

Couch-Wertung:

87°
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Carola Krauße-Reim
Spannend bis zum letzten Satz

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Jul 2021

Sadies Ehe scheint vor dem Aus zu stehen. Durch das ungewöhnliche Testament ihrer ungeliebten Mutter, kann sie mit Tochter Robin aus Boston nach London fliehen. Doch das Testament verlangt für das Leben in ihrem Elternhaus, dass Sadie Robin in ihrer ehemaligen Privatschule anmeldet. Dort herrscht ein gnadenloser Konkurrenzkampf – noch mehr unter den Eltern als unter den Schülerinnen. Sadie versucht Robin zu unterstützen und muss gleichzeitig wieder als Anwältin Fuß fassen. Ihr erster Fall verlangt ihre volle Aufmerksamkeit. Doch bald tut sich ein Netz von Lügen auf, in dem Sadie und Robin in große Gefahr gelangen.

Sadie und Robin stehen vor einem Neuanfang

Ebenso wie Sadie und Robin wird der Leser in die neuen Lebensumstände der beiden geworfen. Nur durch ziemlich mysteriöse Anspielungen kann man erahnen, was sich in Boston abgespielt haben muss. Diese ständigen unkonkreten Anspielungen machen die Lektüre anfangs ziemlich zäh und undurchsichtig. Erst wenn man diese Anfangsphase überwunden hat, kommt Spannung auf, die dann mit jedem Kapitel mehr geschürt wird. Mit jeder Wendung nimmt das Geschehen an Fahrt auf und zum Schluss verdächtigt man so gut wie jeden der Taten. Lediglich die eingestreuten Vorausblicke wären wirklich nicht nötig gewesen. Sie sollen zwar wahrscheinlich noch zusätzliche Spannung erzeugen, doch das Gegenteil ist der Fall. Eine Einbindung in die chronologische Abfolge hätte das wesentlich besser hinbekommen, denn der Schrecken kommt auch zum Ende der Geschichte zu seinem Höhepunkt, wobei gerade die letzten Zeilen einen nicht zu toppenden krachenden Schlusspunkt setzen, der es in sich hat.

Privatschulen können der Horror sein

Sadie erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive. Dadurch ist der Leser ihr ganz und gar ausgeliefert, denn er sieht alles mit ihren Augen. Doch das ist in diesem Fall gerade richtig, denn Sadie und Robin sind die beiden zentralen Figuren in diesem Krimi. Gleichzeitig schildert Tyce diese Charaktere so identisch und glaubwürdig, dass sie sehr realistisch erscheinen. Die Sorgen und Ängste der beiden sind greifbar, machen die beiden sympathisch und erzeugen damit viel Empathie beim Leser. Sadie muss mit der neuen Situation einer alleinerziehenden und zeitgleich ziemlich mittellosen Mutter zurecht kommen, was sie natürlich sehr belastet. Ihr neuer Job bildet einen Handlungsstrang, der nur scheinbar nichts mit Sadies Privatleben zu tun hat. Sie muss helfen einen Lehrer zu verteidigen, der sich des sexuellen Übergriffs auf eine junge Schülerin schuldig gemacht haben soll. Schon hier zeigen sich Abgründe, die aus übersteigerten elitären Denken und scheinbarer Vorverurteilung auftun können. Auch die Situation an Robins neuer Schule ist mehr als schwierig. Robin beklagt sich nicht, doch die anderen Mädchen mobben sie und die Mütter sind ein Haufen Schlangen, die es Sadie und Robin wahrlich nicht leicht machen. Die Autorin beschreibt diese elitäre Umgebung atmosphärisch so dicht, dass man sich als Leser selbst angegriffen fühlt und mit den beiden leidet. Selbst als sich die Situation bessert, baut die Autorin eine Umgebung des ständigen Misstrauens und Konkurrenz auf, die man sich durchaus vorstellen kann und die so abwegig nicht ist. Von dieser dichten Atmosphäre profitiert der Krimi genauso wie durch die sich ständig steigernde Spannung. Schade ist dabei nur, dass die Autorin dieses feine Gespür in Bezug auf das scheinbare Eheaus verloren zu haben scheint, denn hier ist nichts mehr logisch und alles ziemlich erzwungen.

Fazit

Ein genial konstruierter Krimi! Wer die langatmige Anfangsphase durchgestanden hat, wird mit einer atmosphärisch packenden und ständig spannender werdenden Geschichte belohnt, die leicht zu lesen ist und mit einem Schluss endet, der es in sich hat.

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