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Michael Seitz
Israelische Agenten, aber nicht vom Mossad?

Buch-Rezension von Michael Seitz Apr 2020

Ya´ara Stein ist bereits vor eineinhalb Jahren nach der eigenmächtigen Exekution eines Verräters Hals über Kopf aus dem israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad ausgeschieden, als kein geringerer als der israelische Premierminister höchstpersönlich sie zu sich ruft und ihr vorschlägt, eine kleine Geheimdiensttruppe zusammenzustellen, die gänzlich unabhängig vom Mossad und allein auf sein Geheiß hin agieren soll. Ya´ara, Anfang 30, blond und schön, aber auch geheimnisvoll und brandgefährlich, macht sich an´s Werk und rekrutiert mithilfe Ihres alten Freundes und Kollegen Aslan binnen kürzester Zeit eine Gruppe von sechs Individuen unterschiedlichen Alters, vier Frauen und zwei Männer, allesamt Israelis mit Lebensgeschichten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Gemeinsam mit Aslan will Ya´ara sie zu Agenten ausbilden, und der „Kurs“ soll in Berlin beginnen.

Beinahe zeitgleich meldet sich Ya´ara´s alter Weggefährte Mathias bei ihr, Resident des Bundesnachrichtendienstes in Hamburg. Er hat sich in eine wesentlich jüngere Studentin verliebt und mit ihr eine Zeitlang zusammengelebt, bevor sie ganz plötzlich verschwand. Er möchte die Liaison seinem Dienstherrn aus naheliegenden Gründen nicht offenbaren und bittet Ya´ara um Hilfe. Und so entschließt die sich kurzerhand, aus dem Training einen Ernstfall zu machen und ihre unerfahrenen „Kadetten“ auf die Suche nach der verschwundenen Frau zu schicken. Die wird alsbald gefunden, und es stellt sich heraus, dass Mathias tatsächlich in eine Honigfalle getappt ist. Und die unerfahrenen Rekruten merken schnell, wie gefährlich ihre neue Berufung werden kann. Sind sie einer Art Retro-Terrorzelle nach dem Vorbild der RAF auf der Spur, gelenkt vom russischen Geheimdienst? Die „Kadetten“ bewähren sich (natürlich) bei Ihrer ersten Feuertaufe, und schon warten neue Aufgaben auf sie …

Klischeehafte Figuren …

Obwohl alle Figuren eigentlich eine eigene und durchaus interessante Geschichte haben, teils als Einwanderer, teils als israelisches Urgestein, bleiben sie doch seltsam blass und klischeehaft. Alle weiblichen Protagonisten sind trotz Ihres Altersunterschiedes schön, eindrucksvoll und intelligent, während die zwei männlichen Rekruten so unbeholfen daherkommen, dass man sich fragt, ob Jonathan de Shalit – ein Pseudonym – in Wahrheit gar eine Frau sein könnte. Da zudem acht bis zehn Charaktere mit etwa gleichem Anteil an der Geschichte agieren – nur Ya´ara sticht als Hauptactrice hervor – gewinnt man kein klares Bild der Akteure und ihrer Sicht auf die Story. Zwar schaut der Autor immer wieder in die Köpfe seiner Figuren, aber deren Gedanken bleiben widersprüchlich und tragen eher zur Verwirrung bei. Vielleicht versteht man manches davon auch nur, wenn man Israel und die Menschen dort besser kennt als der Rezensent, aber das ändert nichts daran, dass die Akteure, allen voran Ya´ara, nicht wirklich überzeugen. Sie geben sich mal nachdenklich und beinahe moralisierend, dann aber auch wieder selbstgerecht und fanatisch. Zwei Beispiele: Bei einer der Operationen kommt ein kleines Mädchen versehentlich durch Aslans Hand zu Tode. Der gibt sich zunächst zerknirscht, Konsequenzen hat das aber keine. Letztlich schließt er sich offenbar unausgesprochen Ya´ara´s Auffassung an, so sei das nun mal im Krieg. Und Helena, eine der Rekrutinnen, geht eine lesbische Beziehung zu Ann ein, einem anderen Mitglied des Teams. Sie will daher die Einheit verlassen, tut es dann aber doch nicht, ohne dass das „warum“ auch nur ansatzweise deutlich wird.

… und eine zerfaserte Geschichte …

Und was für die Figuren gilt, das gilt für den Plot erst recht. Anstatt bei einem Handlungsstrang zu bleiben und seine Protagonisten sich daran entwickeln zu lassen, hetzt der Autor sie auf gut 400 Seiten durch nicht weniger als drei Geheimdienstoperationen und noch eine weitere Nebenhandlung, und all das ohne jeden erkennbaren inneren Zusammenhang. Allenfalls eine der Subhandlungen wird dabei konsequent zu Ende erzählt, und der Leser bleibt verwirrt zurück. Dazu tragen dann auch noch wenig schlüssige Rückblenden in die Zeit der Staatsgründung Israels und einigermaßen zusammenhanglose Reminiszenzen an die jüdische Kunst und Kultur bei. Es ist ein bisschen so wie bei einem Vier-Gänge-Menu: Mag jeder Gang für sich durchaus schmackhaft sein, so bleibt doch davon nichts übrig, wenn man alles durcheinanderrührt.

… voller offener Fragen

Könnte ein israelischer Premierminister tatsächlich unter Umgehung aller Institutionen eine kleine Truppe von hochkarätigen Agenten zusammenstellen, die allein seinen Befehlen gehorcht und für ihn – nun ja – mordet? Hoffentlich wenig glaubhaft, wenn es auch dem jetzigen Premier – der im Buch nie beim Namen genannt wird, aber auch zur Zeit der Handlung bereits im Amt war – wohl zuzutrauen wäre. Und würde er dazu unter der Führung nur zweier erfahrener Agenten Menschen aussuchen, die bisher keinerlei Erfahrung in diesem Geschäft haben? Wohl kaum. Die entscheidende Schwäche des Buches aber ist, dass seine Helden, um den Terror zu bekämpfen, selbst zu Terroristen werden, auch wenn sie hin und wieder durchaus über den Sinn ihres Tuns reflektieren. Das wird einem sofort klar, wenn man einmal probehalber einige dieser Reflektionen in die Münder arabischer „Freiheitskämpfer“ legt. Sie würden dort nämlich ebenso gut hinpassen.

Fazit:

Der Klappentext lässt uns wissen, Jonathan de Shalit sei das Pseudonym eines ehemaligen hochrangigen Mossad-Agenten und seine Texte würden daher einer rigiden Zensur durch denselben unterworfen, damit er nicht zu viel Insiderwissen ausplaudert. Wenn das mal nicht eine geschickte Werbemasche des Verlages ist! Würden Israels Geheimdienste tatsächlich so ähnlich wie in diesem Buch dargestellt agieren, es wäre schlecht um die Existenz des jüdischen Staates bestellt. In fünf Worten: Zuviel gewollt, zu wenig gekonnt.

A Spy in Exile

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