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Thomas Gisbertz
Konkurrenz für Commissario Brunetti

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Mär 2020

Commissario Antonio Morello, genannt „Der freie Hund“, hat in Sizilien korrupte Politiker verhaftet, und steht nun auf der Todesliste der Mafia. Um ihn zu schützen, wird er nach Venedig versetzt. Er hasst die Stadt vom ersten Augenblick an. Zu viele Menschen, trübes Wasser, Kreuzfahrtschiffe, die die Luft verpesten und die Stadt gefährden – selbst der Espresso doppio, ohne den er nicht leben kann, schmeckt ihm in Sizilien besser.

Kaum angekommen wartet bereits der erste Fall auf ihn: Francesco Grittieri, der junge Anführer einer Bürgerinitiative gegen die Kreuzfahrtschiffe, die täglich Venedig anlaufen, wurde ermordet. Morello muss nicht nur gegen den Widerstand seiner Kollegen ankämpfen, sondern auch gegen die Verstrickungen von italienischer Politik und Verbrechen.

Schwerer Start in neuer Heimat

Zu seiner eigenen Sicherheit wird Commissario Morello nach Venedig versetzt. Mit der Durchsuchung des Hafens von Palermo und der Festnahme eines korrupten Politikers hat er die Mafia mehr als verärgert. In Venedig aber ist er scheinbar sicher, denn nach einem der vielen ungeschriebenen Gesetzen der Cosa Nostra ermordet sie ihre Gegner nur auf Sizilien und nie außerhalb der Insel. Dass sich der freie Hund allmählich in seiner neuen Heimat einlebt, hat er vor allem Silvia, seiner schönen Nachbarin, zu verdanken, die ihm ihr persönliches, verborgenes Venedig zeigt. Doch Morello hält den Annäherungsversuchen zunächst stand, denn er trägt ein dunkles und mehr als tragisches Geheimnis in sich.

Freunde als Autorenduo

Wolfgang Schorlau hat sich in den letzten Jahrzehnten als Autor politisch brisanter Kriminalromane einen Namen gemacht. Die Fälle des Stuttgarter Privatermittlers Georg Dengler sind nicht nur bei Lesern äußerst beliebt, sondern werden seit 2015 auch vom ZDF verfilmt. Schorlau wurde in den letzten Jahren mit zahlreichen Krimipreisen ausgezeichnet.

Claudio Caiolo wurde auf Sizilien geboren und in Venedig zum Schauspieler ausgebildet. 1996 zog er nach Stuttgart und gründete mit Holger Krabel die Theatergruppe LaoTick. Zusammen mit Stefan Jäger schrieb er mehrere Drehbücher für Filmproduktionen. Sogar eine Parallele zu seiner Hauptfigur Morello lässt sich ziehen: Beide erhielten ihr erstes Paar Kinderschuhe von der sizilianischen Mafia - als Gegenleistung für eine Wählerstimme.

Zusammen legen Schorlau / Cailolo nun ihren ersten Venedig-Krimi vor – und dieser ist hochpolitisch. Schließlich stehen hier die Machenschaften der Mafia im Vordergrund.

Aktuelles Thema

Erst Ende 2019 versank Venedig erneut unter einem Rekord-Hochwasser. Neben dem Klimawandel werden auch Unternehmen und Kreuzfahrtgesellschaften hierfür verantwortlich gemacht. Die Lagune wird allmählich durch die von den Schiffen verursachten Wellen ausgespült, die enorme Luftbelastung der permanent laufenden Schiffsmotoren führt dazu, dass trotz fehlendem Autoverkehr Venedig als eine der schmutzigsten Städte Europas gilt, und der Massentourismus macht das Wohnen für Einheimische nahezu unbezahlbar.

Wer sich fragt, wie man all das zu einem gut durchdachten, spannenden und hochpolitischen Krimi verbindet, der gleichzeitig bestens unterhält, dem kann man nur raten, den Start der neuen Reihe zu lesen und sich selbst davon zu überzeugen. Anders als so mancher Kollege verstehen es die beiden Autoren bestens, das fundierte Wissen immer wieder clever einfließen zu lassen, gleichzeitig aber ihre Figuren in den Vordergrund zu stellen. Dazu vermitteln sie trotz aller Spannung genügend venezianisches Flair, auch wenn zum Beispiel nicht jeder Leser an der genauen Zubereitung sizilianischer Spezialitäten interessiert sein dürfte.

Süditaliener haben es schwer

Dass nicht alle „Hurra!“ schreien, wenn ein auswärtiger Kommissar dank Beziehungen den ortsansässigen Ermittlern einen lukrativen und begehrten Posten vor der Nase wegschnappt, ist verständlich. Hier kommt aber erschwerend hinzu, dass besonders die Süditaliener in Venedig nur leidlich beliebt sind. Das sorgt im ersten Fall des freien Hundes für zusätzliche Brisanz und Dynamik. Auch Commissario Morello selber wäre lieber heute als morgen wieder in seiner alten Heimat.

Beide Seiten müssen sich aber ihrer neuen Situation stellen, was anfänglich für so manche Auseinandersetzung und sogar Anfeindung sorgt. Auch bei der Lösung des aktuellen Falls muss er gegen den Widerstand aus den eigenen Reihen ankämpfen. Doch seine Vorgesetzten und Kollegen haben nicht mit der Hartnäckigkeit dieses sturen Sizilianers gerechnet.

Schorlau/Caiolo haben auch ihre „romantische Seite“, wenn sie ihrer Hauptfigur einen cleveren Taschendieb an die Seite stellen, der Morello mit Informationen und Insiderwissen über Venedig versorgt und ihm mit so mancher Beziehung helfen kann. Auch wenn diese Konstellation mehr als unwahrscheinlich ist, unterhält sie dennoch bestens.

Fazit:

Liebhaber der Krimis um Commissario Brunetti der amerikanischen Autorin Donna Leon werden wahrscheinlich keinen anderen Ermittler in „ihrem“ Venedig dulden. Allen anderen kann man aber die neue Reihe wärmstens ans Herz legen, da sie italienische Lebensart, politische Brisanz und ein vielversprechendes Ermittlerteam zu einer gelungenen Kriminalerzählung miteinander verbindet.

Der freie Hund

Der freie Hund

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Letzte Kommentare:
15.07.2020 21:35:07
Leseratte

Das Buch gefällt, wunderbare Erzählung. Nicht zu vergleichen mit Schorlauers bisheriger Serie,. Hier öffnen sich neue Sichtweisen auf bekannte Seiten von Venedig. Das Ende lässt auf eine Fortsetzung hoffen.

28.06.2020 10:29:00
Fritz Lotz

Schorlau kann schreiben. Das hat er mit seiner " Dengler " Serie mehr als bewiesen.
Doch aus seinem " freien Hund " ist eher ein " lahmer Hund " geworden.
Es besteht noch reichlich Luft nach oben, das lässt auch hoffen.
Ich bin überzeugt , Schorlau schafft das.

22.05.2020 12:10:23
Hund

Standard

Der Krimi hat was von einem Krimi erwartet wird – im Wesentlichen nicht mehr und nicht weniger. Damit stellt mich das Buch zufrieden, es hinterlässt jedoch keinen nachhaltigen Eindruck, lässt mich nicht über einzelne Formulierungen sinnieren oder vor lauter Begeisterung meinem gesamten Bekanntenkreis das Buch aufdrängen. Eine soll herausragende Geschichte ist es nicht.
Dafür ist die Erzählung zu langsam und zu standardmäßig. Sie reißt mich nicht immer mit und verlässt sich stattdessen auf mein Durchhaltevermögen bis zur nächsten erzählerischen Spitze. Ein solcher Höhepunkt ist in dem Buch nicht immer ein Wendepunkt in der Handlung, ein besonderes Ereignis oder dergleichen. Tatsächlich ist es für mich meistens eine Kleinigkeit, etwa ein unterhaltsamer verbaler Schlagabtausch oder ein eigner Blickwinkel, der klarmacht, was mit diesem Buch eigentlich erzählt werden soll. Diese Passagen reichten tatsächlich dann immer wieder einmal über das hinaus, was ich als Standard von einem Krimi erwarte.
Mit Venedig haben sich die Autoren kein unbeschriebenes Blatt ausgesucht. Die Lagunenstadt ist Schauplatz unzähliger Bücher. Besonders im Krimi-Genre fällt mir in Zusammenhang mit der Stadt immer der Name Donna Leon ein. Sich damit zu messen, wäre eine ziemliche Herausforderung gewesen und wurde klugerweise deswegen auch nicht gemacht. Während Donna Leon in ihren Büchern einen verklärten Blick auf die Stadt zeigt, die Romantik hervorhebt und Sehnsüchte weckt, nähert sich „Der freie Hund“ von einer ganz anderen Seite. Der Protagonist, Commissario Morello, ist mit seiner Zwangsversetzung nach Venedig unglücklich. Er sehnt sich zurück in seine sizilianische Heimat. Die Lagunenstadt ist ihm zu eng, die Kanäle zu trüb und dreckig, die Touristenmassen lästig und nervenaufreibend. Von den ersten Seiten an zeigen die Autoren die Schattenseiten der Stadt: Übertourismus durch Kreuzfahrtschiffe, Kleinkriminalität, Schäden an Stadt und Umwelt.
Das alles kenne ich eher aus den Nachrichten und nicht aus Büchern. In der Literatur ist Venedig, wie bei Donna Leon, ein einzigartiges Paradies. Dass sich dieses Bild mit dem Buch jetzt zu einer realistischeren Perspektive hin ändert, fand ich sehr spannend und abwechslungsreich. Damit lassen sich in Venedig ganz neue Krimis schreiben. Das geschieht in „Der freie Hund“ auch, nur kommt leider trotzdem nur der übliche Krimi-Standard dabei heraus.

04.05.2020 19:47:11
Cowgirlie Tina

Inhalt
Commissario Antonio Morello wurde nach Venedig versetzt, weil er in Sizilien auf der Todesliste der Mafia steht. Er mag aber Venedig so gar nicht, selbst sein geliebter Espresso doppio schmeckt in Sizilien besser. Sein erster Mordfall führt ihn in den Kampf gegen die Kreuzfahrtschiffe die Venedig zerstören.

Meine Meinung
Das Cover passt gut zum Buch.
Ich mochte den Schreibstil, das Buch war flüssig zu lesen. Morello ist ein moralisch, aufrechter Polizist, er gefiel mir als Charakter. In einigen Rückblicken erfährt man über seine Arbeit gegen die Mafia und nun dadurch sein Leben bedroht. Es wurden eine Themen in der Story verarbeitet wie die Gefahr der Kreuzfahrtschiff für Venedig und der Kampf gegen die Mafia. Ich fand es spannend geschrieben, hat aber ssicher noch ein wenig Luft nach oben.

Mein Fazit
Alles in allem ein lesenswertes Buch und ich vergebe 4 von 5 Sternen.

02.05.2020 15:57:07
mrs rabes bookaccount

Nachdem Commissario Antonio Morello in seiner sizilianischen Heimat korrupte Politiker hinter Gitter gebracht und die Mafia gegen sich aufgebracht hat, wird er nach Venedig versetzt. Zu seinem Schutz soll diese Anweisung sein, denn die Cosa Nostra tötet ihre Feinde angeblich nur auf Sizilien. Doch Morello empfindet Venedig als Strafe und Zumutung. Er hasst das Glockengebimmel vor seinen Fenstern, die Touristen, die schmutzigen Kanäle. Auch die venezianischen Kollegen, denen er aus heiterem Himmel vorgesetzt wird, sind über seine Ankunft nicht sehr erfreut. Doch dann wird Francesco Grittieri, Spross einer reichen Familie, ermordet aufgefunden. Der junge Mann war Mitglied einer Aktivistengruppe gegen Kreuzfahrtschiffe in Venedig. Commissario Morello macht sich mit seinen Ermittlungen nicht gerade beliebt bei den „angesehenen Bürgern“, den Beamten der Hafenbehörde und dem eigenen Questore.
Antonio Morello ist „Der freie Hund“. Der deutsche Autor zahlreicher Politikkrimi Wolfgang Schorlau und der italienische Schauspieler und Drehbuchautor und Claudio Ciaoli haben sich für diesen Kriminalroman zu einem perfekten Team zusammengefunden. Es ist ein aktuelles und hochpolitisches Thema. Klimawandel und Kreuzfahrtschiffe tragen Jahr für Jahr zur Unterspülung der Lagune bei. Venedig versinkt nicht nur wörtlich, es steht auch knietief im Sumpf von Korruption und mafiösen Machenschaften, zumindest in dieser Geschichte…. Auch wenn das Politiker und führende Beamte der „schönsten Stadt Italiens“ nicht wahr haben wollen. Da braucht es jemanden wie Antonio Morello „il cane senza padrone“, den Hund ohne Herrn. Mit seiner Sturheit verbeißt er sich in so manchen Knochen, wenn er sich nicht gerade einen von vielen espresso doppio zu Gemüte führt. Morello ist geradlinig, integer, mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und Augenmaß. Dass Hunde, die bellen nicht beißen, trifft auf Morello nicht zu. Schimpfen kann er wie ein zweiter, aber er ist auch durchaus bereit, den Kampf gegen das organisierte Verbrechen aufzunehmen. So bereitete es ihm fast Vergnügen sich mit den Mächtigen der Stadt anzulegen. Denn viel hat Morello nicht zu verlieren. Seine Abneigung gegen Venedig verliert er allerdings allmählich, als er die Kooperationsbereitschaft einer Kollegin bemerkt. Und weil er ihm seine neue Nachbarin ein Venedig abseits des Massentourismus zeigt. So erhält der Leser neben einer komplexen und spannenden Kriminalhandlung eine literarische Stadtführung und darüber hinaus auch noch eine aufschlussreiche Abhandlung der jüngeren Geschichte Italiens von Garibaldi über Andreotti bis zu Berlusconi und Salvini. Wie es zu eigenartigen Wählerstimmen kommt und warum Süditaliener in Venedig nicht gerne gesehen werden.
Weil Freundschaft durch den Magen geht, und weil es in italienischen Krimis scheinbar nicht fehlen darf, wird auch reichlich gegessen (und vorher ausgiebig gekocht) und getrunken. Das muss wohl so sein.
„Dich krieg ich auch noch“, knurrt Morello, als er den Fall abgeschlossen hat und trotzdem nicht alle Bonzen Handschellen tragen. Das lässt auf eine Fortsetzung hoffen!

29.04.2020 18:07:08
Buchstabenfestival

Antonio Morello lässt mich etwas schwankend zurück. Nicht angetrunken, sondern eher unschlüssig, wie ich den Krimi bewerten soll. Der Schreibstil war ungewohnt. Etwas abgehakt und viele kurze Sätze. Aber er ließ sich trotzdem gut lesen und man kam schnell voran.

Die Charaktere waren noch nicht so richtig ausgereift. Die Beschreibungen waren zum Teil sehr detailliert (beginnend mit Körpergröße und Haarfarbe usw.) und am Ende doch nur oberflächlich, denn in die Tiefe ging es nie so richtig. Überhaupt lag der Fokus sehr stark auf der Optik der Figuren. Frauen wurden fast schon machohaft gescannt, was bei mir eher ein Augenrollen als Begeisterung hervorgerufen hat. Ich fand es auch teilweise störend und wenig zur Geschichte beitragend.

Der Kriminalfall war eigentlich eine gute Idee, aber leider ging sie unter. Es gab zu viele Seitenstränge, zu viele Restaurant- bzw. Cafébesuche mit Espresso doppio und viele, viele Fakten zur Mafia, zur Umweltverschmutzung und der Überlastung durch Touristen in Venedig. Alles Themen, die interessant sind und eigentlich viel Stoff bieten, aber eben nicht alle zusammen in einen Roman mit 336 Seiten. Der Fall ging schlichtweg unter und man bekam eher eine Analyse der Situation in Venedig (vor Corona) als einen packenden Krimi.

Ich bin tatsächlich nicht abgeneigt, noch einen zweiten Versuch zu starten, da sich das Buch gut und zügig lesen ließ, aber ich hoffe auf etwas mehr Krimi und weniger Nebenschauplätze.

21.04.2020 13:27:08
Isa

Auftakt zur Morello-Reihe

Commissario Antonio Morello wurde zu seinem eigenen Schutz nach Venedig versetzt, da er nach Ermittlungen gegen die Mafia und Verhaftungen von korrupten Politikern auf der Todesliste der Mafia steht. Morello hasst Venedig, zu viele Touristen, dreckiges Wasser, Kreuzfahrtschiffe und sogar der Espresso schmeckt in Sizilien besser. Ebenso ist sein Team in Venedig nicht begeistert einen Commissario aus Süditalien vor die Nase gesetzt zu bekommen. Dann geschieht ein Mord am Anführer einer Bürgerinitiative gegen die Kreuzfahrtschiffe. Nun muss Morello mit seinem Team ermitteln und der Fall führt ihn in die Verstrickungen der Welt der Verbrechen (gibt es auch in Venedig die Mafia?) und korrupten Politikern.
Die Protagonisten werden nicht überzeugend. Den Autoren gelingt es gut, die Atmosphäre Venedigs einzufangen. Es gibt überraschende Wendungen und ab und zu muss man schmunzeln. Das Buch lässt sich gut lesen, aber die vielen italienischen Wörter störten. Der Spannungsaufbau konnte mich nicht völlig überzeugen.
Das Cover ist absolut passend.
Phasenweise erinnert das Buch mehr an einen Reiseführer (u.a. ausführliche Beschreibungen von Sehenswürdigkeiten) als an einen Krimi und ich fand es auch nicht spannend zu lesen, durch welche Straßen Morello geht. Beim Thema Kreuzfahrtschiffe ist die Lage Venedigs gut herausgekommen, aber manchmal gab es zu viele Sachinfos. Bei den Infos zur Mafia weiß man nicht, was erfunden und was wahr ist – im Gegensatz zur Dengler-Reihe gibt es zum Schluss keine Anmerkungen.
Dieses Buch lässt mich enttäuscht zurück, meine Erwartungen waren zu hoch, kein Vergleich zur Dengler-Reihe.

04.04.2020 10:02:53
Leselottchen

Wolfgang Schorlau geht neue Wege. Zusammen mit dem italienischen Co-Autor Claudio Caiolo schrieb er den Kriminalroman "Der freie Hund ".
Gemeint ist damit Commissario Antonio Morella, der aus Gründen seiner eigenen Sicherheit von Sizilien nach Venedig versetzt wurde. Die sizilianische Mafia ist hinter ihm her.
Seine Begeisterung über die Lagunenstadt hält sich in Grenzen, aber nichtsdestotrotz kniet er sich in den Mordfall dessen Opfer der junge, charismatische Student Francesco ist, mit vollem Einsatz hinein. Dieser Student aus reichem Hause ist der Anführer einer Bürgerinitiative, die gegen das Einlaufen riesengroßer Kreuzfahrtschiffe in Venedig wettert.
Obwohl Antonio sich sehr bei seinen Kollegen bemüht, wird ihm die Arbeit nicht gerade leicht gemacht. Außerdem plagt ihn das Heimweh.
Alles in allem ein interessanter Fall, der wunderbar zu Venedig passt.
Morella kennt sich nicht aus in dieser besonderen Stadt, deshalb müssen ihm die Venezianer erstmal viel erklären. Dabei kommt man von der idyllischen Stadt, dessen Touristenleben man sonst so kennt, in ganz andere Lebensbereiche. Eine Mischung aus Politik, Wirtschaft und auch hier ein bißchen Mafia, nicht nur in Sizilien, das ist das Rezept für diesen Krimi.
Man erfährt auch viel über das Leben des Commissarios, über seine Gefühle, seine Sehnsüchte und über seine Schuld, die er wie ein Schatten mit sich herum trägt.
Mir hat der Krimi gut gefallen, wenn er auch bei weitem nicht so spannend ist, wie man es bei den Fällen mit Dengler gewohnt ist . Es ist einfach mal was ganz anderes. Italienischer, denkt man an die vielen Espresso Doppios, atmosphärischer und vielleicht sensibler, als man es seither von Schorlau kennt.
Gleichzeitig geht's auch bei dem Commissario selber um Leben und Tod.
Für mich ein unterhaltsamer Krimi, bei dem mir aber die Tiefe und der Biss ein wenig gefehlt hat, der die Dengler Krimis auszeichnet. Er hat nicht ganz meinen hohen Erwartungen entsprochen. Irgendwie fehlt mir ein bißchen Würze, manchmal war mir das Geschehen etwas zu oberflächlich.
Eine Story, die mich gut unterhalten, aber nicht spannungsgeladen mitgerissen hat.
Ich möchte aber auf jeden Fall den nächsten Krimi, der hoffentlich kommt, lesen, weil irgendwie ist einem dieser unkonventionelle Commissario dann doch ans Herz gewachsen.
Wenn man ihn nun besser kennt, versteht man ihn auch besser. Und in Venedig ist bestimmt immer was los. Da wartet noch so mancher Einsatz auf ihn.
Das Cover ist ein richtiger Hingucker, farblich sehr schön.
Der Titel ist gut einprägsam und gefällt mir.

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