Der Carrier

Erschienen: Februar 2020

Bibliographische Angaben

Steffen Jacobs (Übersetzung)

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Thomas Gisbertz
Leider kein neuer Stieg Larsson

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Mär 2020

Seit dem 11. September 2001 wird in den USA die geheimdienstliche Abteilung, der Erasmus Levine angehört, von einer unbekannten Person geführt, die selbst ihre engsten Mitarbeiter noch nie gesehen haben, und die nur unter dem Codenamen „Alpha“ bekannt ist. Schon seit Jahren erhält Levine geheime Nachrichten von Alpha, über die er mit niemandem redet.

Levine ist Träger des Koffers, mit dem der US-Präsident das Atomwaffensystem des Landes starten kann. Als Levine den Präsidenten auf einer Reise nach Schweden begleitet, kommt es in einem Luxushotel in Stockholm zu einem Zwischenfall. In einem geheimen Bunker unter der Stadt begegnet Levine erstmals der Person, die er bisher nur als „Alpha“ kennt - und erfährt von ihrem Plan, der die Welt entweder für immer verändern oder die Menschheit auslöschen wird.

Inter-Institutionelle Elitetruppe

Nach dem Anschlag auf das World Trade Center überarbeiten die USA ihr altes Sicherheitssystem. Die bestehenden Strukturen - die Geheimdienste, die Überwachungssysteme, die Versuche der Terrorabwehr - hatten sich als unzureichend erwiesen. Ein Team um Special Agent Edelweiss erhält den Auftrag, diese existierenden Lücken zu schließen, indem man unter anderem die einzelnen Institutionen wie die CIA, das FBI, die NSA und den Secret Service miteinander verbindet und gleichzeitig zwischen ihnen operieren soll.

Das Ziel der Gruppe ist „hybride Kriegsführung“. Ihr Kampf gilt versteckter Sabotage, digitalen Angriffen, moderner psychologischer Kriegsführung, politischer Destabilisierung und den immer ausgeklügelteren Angriffen auf die Infrastruktur der USA. Erasmus Levine hat innerhalb des Teams eine besondere Aufgabe: Er ist der „Carrier“, der Träger des Koffers, mit dem der Präsident von Amerika das Atomwaffensystem des Landes in Gang setzen kann. Die Atomwaffen sollen immer für einen Abschuss binnen einer halben Stunde bereit sein, aber niemals irrtümlich abgefeuert werden können.

Schließlich kann aber Levine angesichts der sich ständig ändernden und immer komplexeren Digitaltechnik kaum mehr nachvollziehen, welcher Schritt welche Konsequenzen nach sich zieht - ob noch Sicherheitsmaßnahmen greifen oder nicht doch bereits der Abschussvorgang ausgelöst wird. Diese technischen Unsicherheiten zusammen mit seinem moralischen Verantwortungsbewusstsein gegenüber der gesamten Menschheit lassen in ihm den Gedanken an Flucht aufkommen - eine Flucht mit dem Koffer.

Schwede hat als invetigativer Journalist gearbeitet

Autor Mattias Berg hat als investigativer Journalist für die großen schwedischen Tageszeitungen Dagens Nyheter und Expressen gearbeitet. Heute leitet er die Kulturredaktion des schwedischen Radios, für die er die sehr erfolgreiche und renommierte Sendung Konflikt erfand, in der Themen von großer politischer und gesellschaftlicher Tragweite verhandelt werden. Es verwundert etwas, dass Bergs erster Thriller erst jetzt auf Deutsch im Züricher Atrium Verlag erscheint, während die Originalausgabe bereits 2016 veröffentlicht wurde.

Eher Sachbuch als packender Thriller

Sicherlich ist die Thematik des Romans, die nukleare Bedrohung, politisch wie gesellschaftlich von höchster Wichtigkeit. Wenn man die derzeitigen weltweiten Konflikte berücksichtigt, so sind die Staaten kaum weiter von einem Atomwaffen-Einsatz entfernt als noch zu Zeiten des Kalten Krieges. Die Mission, die Alpha zusammen mit Erasmus Levine plant, ist daher durchaus nachvollziehbar: Man will alle Sprengköpfe auf der Erde miteinander verknüpfen und dann alle zur selben Zeit abschalten, was gleichzeitig das Ende des Systems bedeuten würde, da eine Revitalisierung der Atomwaffensysteme aufgrund der immensen Kosten und ethischer Probleme scheitern würde.

Mattias Berg verfügt über ein umfangreiches Hintergrundwissen zu diesem Thema, doch leider kann er als Thriller-Autor nicht überzeugen. Dafür ist er besonders sprachlich zu schwach, was eventuell auch an der Übersetzung liegen mag. Dabei wählt er mit Erasmus Levine eine Figur, die enormes Potential hat. Er hat in „Moralphilosophie“ mit dem Thema „Das Geheimnis der Lise Meitner“ promoviert,  und sich daher mit Themen der Ethik - wie den Voraussetzungen und der Bewertung menschlichen Handelns – befasst. Später trägt er als „Carrier“ symbolisch das Schicksal der Welt in seinen Händen. Zwar wird Levine als in sich zerrissene Persönlichkeit gezeigt, dennoch vertut der Autor hier eine große Chance, da die Figur in seinem Handeln und Denken vollkommen inkonsequent auftritt.

Statt einer tiefer gehenden Persönlichkeitsstudie, die den inneren Konflikt aufzeigt und sich mit moralischen Fragen und Werten auseinandersetzt, skizziert Berg nur den Wettkampf um den Stärkeren in einem undurchschaubaren politischen Geflecht. Zwar lässt der Autor den Leser lange im Unklaren, wer zu den Guten und Bösen in diesem Konflikt gehört, dennoch gerät die erzähltechnisch äußerst schwach umgesetzte Hetzjagd durch Europa zu einer langatmigen Reise. Berg nutzt den mehr als interessanten philosophischen Ansatz viel zu wenig.

Fazit:

Dem Autor misslingt daher leider der Versuch, einen „philosophischen Thriller“ zu schreiben, der auf der einen Seite actiongeladene Spannung aufweist, und zum anderen moralisch relevante Fragen beantworten will. So verkommt das wichtige Thema der nuklearen Bedrohung zu einer belanglosen Erzählung. Vom Atrium-Verlag ist man eigentlich Thriller der Extraklasse gewohnt - man denke nur an die überragende Reihe des japanischen Schriftstellers Hideo Yokoyama (unter anderem „64“). Trotz der großen Brisanz und Aktualität des Themas will der Funke bei „Der Carrier“ aber nicht überspringen. Was als Sachbuch sicherlich funktioniert hätte, scheitert als Thriller. Wer also auf einen neuen Stieg Larsson gehofft hat, wird hier enttäuscht.

Der Carrier

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Letzte Kommentare:
01.04.2020 21:53:35
*Lesezeichen*

Ich muss Thomas Gisbertz absolut recht geben. Die Übersetzung ist teilweise seltsam. Dies liegt daran, dass Steffen Jacobs nicht direkt aus dem Schwedischen und damit aus der Originalsprache sondern aus dem Englischen übersetzt hat. Die Übersetzungsgrundlage erschien 2020 bei Quercus Publishing Ltd. London. So ist es auch im Buch vermerkt. "Dödens triumf", so der Originaltitel, wurde quasi vom Schwedischen ins Englische und von dort ins Deutsche übersetzt. Ich finde, es spricht für einen sehr aufmerksamen Rezensenten, dies zu erkennen. Außerdem schreibt er dies mit Einschränkung (eventuell). Ich habe "The Carrier" gelesen und kann die Rezension insgesamt nur bestätigen.

29.03.2020 18:54:03
Leserine

Ich las gerade mit Interesse die Rezension von Thomas Gisbertz zu diesem Roman. Gern wüsste ich, wie der Rezensent, der seine Meinung ja sonst durchaus zu begründen weiß, folgende Aussage untermauert: "Dafür ist er [der Autor] besonders sprachlich zu schwach, was eventuell auch an der Übersetzung liegen mag."

Gibt es Belege für eine "eventuelle" Schwäche der Übersetzung, hat der Rezensent sie z.B. mit der Vorlage verglichen, oder ist das einfach nur so dahingesagt? Seriös wäre es nämlich nicht, die Arbeit eines Übersetzers eben mal so in ein schlechtes Licht zu rücken.