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Brigitte Grahl
Sonnenfinsternis in der Seele

Buch-Rezension von Brigitte Grahl Mär 2020

Ein kleiner Junge wurde entführt, am helllichten Tag, geködert mit einem Teddybären. Die Polizisten Ben Newen und Christian Sandner finden heraus, dass der Täter nicht das erste Mal zugeschlagen hat. Lange stochern die Ermittler im Dunkeln herum. Dabei kommen sie dem Täter, ohne es zu ahnen, ganz nah. Erst ein Zufall bringt sie auf die richtige Spur - vielleicht zu spät.

Schatten verdunkeln den Sommer

Jan Costin Wagners skandinavische Düsternis ist zurück. Diesmal allerdings breitet sie sich nicht in Finnland, sondern in Deutschland aus, wo Wagner seinen neuen Fall mit neuem Personal spielen lässt. Obwohl es ein gleißend heller Hochsommer ist, umgibt sämtliche Charaktere Dunkelheit und Kälte. Es ist „Sommer bei Nacht“ – so der Titel.

Gewohnt knapp und präzise charakterisiert der Autor seine Figuren. Ausnahmslos alle Personen, aus deren Perspektive die Handlung in schnellem Wechsel geschildert wird, tragen eine schwere Last – an der Angst um das entführte Kind, an der Erkenntnis, einen nahen Menschen nie richtig gekannt zu haben, an dem Bemühen, den eigenen dunklen Trieb vor der Außenwelt zu verheimlichen, an der Angst, nie eine Antwort auf eine wichtige Frage zu bekommen. Schatten liegen auf den Seelen und schattenhaft tauchen sogar Verstorbene in Visionen auf. Selten war ein Sommer so dunkel wie dieser bei Jan Costin Wagner.

Die Handlung ist eine Kette aus Momentaufnahmen

Die Handlung setzt sich aus rasch aufeinanderfolgenden kurzen Szenen und wechselnden Perspektiven zusammen. Wie eine Kette reiht sich eine Momentaufnahme an die nächste, greift dabei oft nahtlos die gleiche Zeit oder die gleiche Situation auf, nur aus anderer Perspektive.

Dadurch, dass der Leser gegenüber den Ermittlern einen Wissensvorsprung hat, entwickelt sich die Spannung. Denn die Kommissare kommen dem Täter im Laufe der Handlung ganz nah, ohne es zu merken. Ohnmächtig muss der Leser „zuschauen“, wie sich die Lage zuspitzt. Während die Ermittler bei der Lösung des Falles kaum einen Schritt vorankommen, treibt der Täter sein tödliches Finale voran.

Pädophilie in allen Facetten

Jan Costin Wagners neuer Krimi handelt von Kindesmissbrauch – ein „altes“ Thema in diesem Genre und leider auch immer ein aktuelles. „Sommer bei Nacht“ weist Parallelen zum Missbrauchsfall auf dem Campingplatz in Lügde auf. Nebenbei fließt bei Wagner auch der Umgang mit Flüchtlingen in die Handlung ein. Hauptthema aber ist Kindesmissbrauch mit allen seinen Facetten. Es gibt den homosexuellen, triebgesteuerten Pädophilen, den gefühlskalten, heterosexuellen Geschäftemacher und den Rechtschaffenen, der versucht, seine pädophile Neigung in Schach zu halten.

Brisant ist es, dass ausgerechnet einer der Polizisten, die gegen Pädophile ermitteln, selbst pädophile Neigungen hat. Ben Neven ist ein empathischer Polizist und Familienvater- und er hat Beweismaterial unterschlagen, um heimlich zu den Bildern nackter Jungen zu onanieren. Dass er eine tickende Zeitbombe ist, zeigt sein Verhalten am Ende des Buches - interessante Aussichten bei einer Fortführung als Reihe.

Fazit:

In „Sommer bei Nacht“ entwirft Jan Costin Wagner ein von ihm gewohnt pessimistisches Bild der Gesellschaft. Trotz aller Interaktion bleiben die Figuren einsam, jeder trägt eine Wunde, ein Geheimnis in sich, spielt den Anderen etwas vor. Einige versinken am Ende noch tiefer in der Dunkelheit, nur wenige wie zum Beispiel der Polizist Christian Sandner, finden Erlösung.

Sommer bei Nacht

Sommer bei Nacht

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Letzte Kommentare:
12.07.2020 09:24:46
Dante

Jan Costin Wagner – Sommer bei Nacht (Christian Sander & Ben Neven 01)

Der kleine Jannis verschwindet bei einem Schulflohmarkt. Seine Mutter hatte ihn nur für einen kurzen Augenblick aus den Augen gelassen. Die beiden Ermittler Christian Sander und Ben Neven übernehmen den Fall. Doch die Hinweise sind mehr als dürftig. Die Bilder einer Überwachungskamera sind unscharf, zeigen Janis den Flohmarkt mit einem Mann und einem übergroßen Teddybaren verlassen hat. Bei ihrer Recherche stößt das Team der Ermittler auf einen weiteren Fall eines vermissten Jungen, Dawit aus Eritrea, der ebenfalls nur kurz von seiner Mutter aus den Augen gelassen wurde. Gelingt es den Ermittlern beide Fälle miteinander in Verbindung zu bringen und die Jungen zu retten?

Bei dem Kriminalroman „Sommer bei Nacht“ handelt es sich um den Auftakt einer neuen Krimi-Reihe des Autors. Für mich war es der erste Krimi, den ich von Jan Costin Wagner gelesen habe und sicherlich nicht der Letzte.
Mit seiner ruhigen, unaufgeregten und so ganz und gar anderen, beinahe poetischen Erzählweise hat der Autor es geschafft mich bereits auf den ersten Seiten einzufangen. Erzählt wird die Geschichte im Präsens, aus den Perspektiven der jeweils agierenden Person, so hat man als Leser die einmalige Gelegenheit tief ins Innere der Charaktere zu blicken. Schnell baut sich eine kaum greifbare, ja subtile Spannung auf, die sich wie ein roter Faden durch den gesamten Roman zieht. Insgesamt ein durch und durch ungewöhnlicher, aber gelungener Krimi auf den man sich einlassen muss. Sicherlich nicht jedermanns Sache doch für mich „das beste Buch“ in diesem Jahr.
Ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung!

02.05.2020 02:10:37
Krimifanin

Eben habe ich "Sommer bei Nacht" als Hörbuch beendet. Großartig vorgelesen. Ich bleibe verstört zurück, weiß nicht, was ich davon halten soll.
Wäre es besser gewesen, das Buch zu lesen? Stilistisch ist es gewöhnungsbedürftig. Die Dialoge wirken sehr echt, die Protagonisten sprechen oder erwidern nicht, sie "sagen" und schaffen dadurch eine bedrückende Atmosphäre. Der leitende Ermittler kämpft mit seiner pädophilen Neigung, angesichts seines sympathischen Charakters ein ambivalenter Sachverhalt, der dem Hörer (Leser) einiges abverlangt. Ambivalent, weil ich die realistische Darstellung des Ben Neven als mutig empfinde und eben das auch kaum zu ertragen ist und manchen Hörer/Leser wie mich in eine Triggersituation bringt. Die Person des Christian Sandner kämpft mit einer schweren und gänzlich unverarbeiteten Traumatisierung und auch der beratende Freund Landmann muss sich gegen Ende des Romans mit dem ungeklärten Tod seiner Tochter auseinandersetzen. Viel schwerer Stoff, den es neben der eigentlichen Handlung zu bewältigen gilt. Auch wenn der Autor als "gewohnt pessimistisch" gelobt wird, lässt er mir kaum Luft für positive Ausblicke, was angesichts der bildreichen und optimistischen Naturbeschreibungen einen weiteren Gegensatz bildet. Er stellt meinen Gerechtigkeitssinn als Hörer/Leser auf die Probe, denn als der Täter zum Schluss gestellt wird, gibt es den einen Moment, in dem ich das Ende mit der Bestrafung für Kindesmissbrauch fast in Ordnung finde, bevor sehr klar wird, dass Never ein vom Kollegen sanktioniertes Kapitalverbrechen begeht, das durch nichts zu rechtfertigen ist.
Im Gegenteil wird der Straftatbestand des Mordes erfüllt, auch das muss der Hörer/Leser noch inhaltlich unterbringen. Insgesamt für mich ein Roman, bei dem mich die Diagnosen der handelnden Personen interessieren würde. Sollte dies ein realistisches Bild von Polizei sein, würde ich mir regelmäßige psychologische Tests wünschen.
Insgesamt ein etwas über-ambitionierter Roman, der sich nicht wirklich entscheiden kann, ob er Krimi, Psychogramm oder lyrische Literatur sein möchte. Von allem ein bisschen und doch nicht ausreichend, um echt zu fesseln.

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